St. Pölten Konkret

Im Malstrom - Werkschau Kurt Schönthaler

08.05.2017, von Peter Kaiser

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Im Bild (1/2): Kurt Schönthaler "coming to a head VII" (Foto: Christoph Fuchs)
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Im Bild (2/2): Kurt Schönthaler "coming to a head VI" (Foto: Christoph Fuchs)

Nach der Ausstellung seiner Werke im Stadtmuseum St. Pölten, in der Galerie Maringer und auf internationalen Messen, präsentiert der St. Pöltner Künstler Kurt Schönthaler seine neue Serie „coming to a head“ in St. Veit an der Glan. Eine Vorab-Besichtigung für Konkret-Online Leser und Leserinnen.

Wer Kurt Schönthalers letzte Arbeiten (die Serien „waters and skies“ und „doors“) kennt, wird überrascht sein: Plötzlich tritt uns der vormalige Betrachter von hochkomplexen Genese- oder Auflösungsprozessen selbst gegenüber – konkret in jeweils zwiefacher Ausführung sogar, in entspannt-kontemplativer Haltung und in umso spannenderer Komposition: in Relation zueinander stehende Selbstporträts, mit geschlossenen Augen, auf dem geronnen-luziden Grunde eines Traumes, der nicht zu Ende zu träumen ist, trudelnd im Nirgendwo, ohne oben und unten, haltlos und hingegeben einer Betrachtung, welche ganz entschieden nur das Innere des Betrachters selbst sein kann.

Aber ist die Überraschung über den Perspektiven- oder Motivwechsel tatsächlich berechtigt, oder liefert die Serie „coming to a head“ nicht vielmehr den Schlüssel zum Vorausgegangenen?

Die fluiden oder explosiven Prozesse früherer Arbeiten verschwinden letztlich dort, wo sie im Zuge der Selbstsuche aufgewühlt und aufgestöbert wurden: im Körper des Menschen, eine Art Hintergrundrauschen im Außen hinterlassend, als gebannter Schatten oder stumme Reminiszenz.
Wenn wir uns nun auf die Köpfe mit Anschnitten von Brust und Schultern konzentrieren, ist es, als tauchten wir ab zum Beginn der Reise des Menschen, der sich selbst zum liebsten Gegenstand macht und zu seinem vorzüglichsten Thema wird: der Renaissance.
Physiognomische und anatomische Skizzen versuchen die Eigenartigkeit des Individuums an seinem Äußeren abzulesen, das Innere und das Äußere zu verbinden in einer Gesamtschau und es so in seiner ganzen verzweifelten Widersprüchlichkeit zu fassen. Es ist die Zeit, in der sich die accidie (oder acedia) des Thomas von Aquin in die melancolia des Humanismus verwandelt: einer unheilig-unheilbaren Krankheit des Wesens, das begonnen hat, sich zum Gegenstand seiner Erkenntnisfähigkeit zu machen.
Ein Aspekt dieser Suche sind nun Kurt Schönthalers Kopfpaare (Wie viele müssten es in Wahrheit sein, um das Geheimnis zu ergründen?) im stillen, somnambulen Zwiegespräch – einander mal mehr, mal weniger zugeneigt und miteinander einverstanden –, die sich hinein- und hinabziehen lassen in den Malstrom der eigenen Untiefe. Es sind hochmoderne Sinnbilder einer Suche, die mit jedem Menschen von neuem beginnen muss. Heute wie damals.

Galerie Herzogburg
Burggasse 9, 9300 St. Veit/Glan
Vernissage: 12. Mai um 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 13. Mai bis 6. Juli

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