St. Pölten Konkret

Die Spielzeit 2017/18 im Landestheater Niederösterreich - In Zeiten des Übergangs

09.05.2017, von Peter Kaiser

kai krösche, julia engelmayer, marie rötzer, olivia khalil c gerald lechner
Im Bild (1/1): Kai Krösche, Julia Engelmayer, Marie Rötzer, Olivia Khalil (Foto: Gerald Lechner)

Der aktuelle Spielzeit-Slogan "Die Welt ist groß" hat sich um ein Fragezeichen relativierend bereichert. In unserer scheinbar grenzenlosen Welt wächst die Verunsicherung und damit die Sehnsucht nach einfachen Erklärungsmodellen. Und diese greifen fast immer zu kurz.

Die künstlerische Leiterin des Landestheaters Marie Rötzer erklärt die Theaterbühne erneut zum Labor, in dem sich Vergangenheit und Zukunft begegnen, zum Experimentierfeld für soziale Überlebensstrategien. "Auch wenn man die französische Revolution für gescheitert erklärt, sind es doch die Maximen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit die unverändert Aufmerksamkeit und Auseinandersetzung verdienen."
Schwenkt das Pendel von der entgrenzten Globalisierung also wieder Richtung überschaubare Welt, wieder hin zum menschlichen Maß? Woher nehmen wir die Werte mit denen wir die Qualität des sozialen Miteinanders der Gegenwart messen?
Es sind noch immer die Klassiker des Theaters die uns als Prüfsteine für unsere gesellschaftlichen Verhältnisse dienen.

Die Premieren - Eine Auswahl

"Die zehn Schauspieler und Schauspielerinnen des Ensembles und ihre Gäste werden uns auch heuer ihr Herz zu Füßen legen", verspricht uns Marie Rötzer, und um die Positionierung klar zu stellen, startet das Große Haus mit "Dantons Tod" von Georg Büchner. Die Revolution von 1789 in einer Innenansicht, von einem Autor der sich selbst vom Staat überwacht sah.

Es folgt die von pubertärer Leidenschaft beherrschte Liebesgeschichte schlechthin: "Romeo und Julia". Sebastian Schug hat sich in seiner Inszenierung von Shakespeares "Sommernachtstraum" (Nick Bottom als Esel!) einigen Ruhm erworben. Taschentücher bereithalten.
Die Schauspielerin Katharina Knap fällt für "Die Marquise von O." von Heinrich von Kleist in Ohnmacht, und wird in diesem Zustand der Unschuld beraubt. Ihre Suche nach dem Liebhaber und ihre dabei bewiesene innere Stärke lässt niemanden unberührt.
Gesellschaftspolitische Hochspannung und Konfrontation verspricht ein Projekt mit dem ungarischen Regisseur, Autor und überhaupt enfant terrible des Theaters Árpád Schilling.
Es folgt Franz Trudas Flucht, die in Russland beginnt und schließlich in Paris endet. Er ist der ewige Jude, verdammt zur Heimat- und Rastlosigkeit. Felix Hafner wagt eine Dramatisierung von Joseph Roths Roman "Die Flucht ohne Ende".
Um weibliche Fluchten und Strategien gegen Verfolgung und Gewalt geht es dem irakischen Regisseur Mokhallad Rasem in einer Koproduktion mit dem Toneelhuis Antwerpen und den Vereinigten Bühnen Bozen: "Mother Song". Diesem Projekt werden unmittelbare Lebenserfahrungen von Frauen in den umkämpften östlichen Gebieten und Flüchtlingslagern zugrunde gelegt.
Eine Parabel um Freunderlwirtschaft und Nepotismus, und wie die genannten sozialen Phänomene ebenso zeitlos, ist Nikolai Wassiljewitsch Gogols Stück "Der Revisor". Willkommen daheim.
Acht Jahre nach dem "Revisor" und vier Jahre vor der Revolution in Österreich 1848 entstand "Der Zerrissene" von Johann Nepomuk Nestroy. Das Stück wird für das Landestheater von Sabine Derflinger inszeniert.

Theater für Kinder und Jugendliche, vier Gastspiele, und…

"Bilder, die die Kinder ihr Leben lang begleiten sollen" liefern die Dramatisierungen von Otfried Preußlers "Die Kleine Hexe" und Andreas Steinhöfels Roman "Anders", sowie Mira Lobes "Die Geggis".
Die Gastspiele aus drei deutschen Theatern und dem Schauspielhaus Zürich spannen den Bogen von "Onkel Wanja" und Hans Fallada über Yasmin Reza zu Illija Trojanow.
Darüber hinaus gibt es Lesungen, Adventgeschichten und natürlich wieder den Blätterwirbel mit zwei Porträts: Feridun Zaimoglu und Josef Haslinger stehen im Brennpunkt.
Das ganze Programm und die neuen Abonnement-Angebote unter Landestheater Niederösterreich.

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