St. Pölten Konkret

Wo bist du hin entwichen?

01.06.2017, von Peter Kaiser

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Im Bild (1/2): Silvia Blauensteiner, Clara Schmieder-Sekyra, Caroline Schindele, Marina Gnatko, Mircan Adtakan, Ingrid Garschall (Fotos: Alexi Pelekanos)
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Im Bild (2/2): Ensemble Bürgertheater Landestheater Niederösterreich (Fotos: Alexi Pelekanos)

Das St. Pöltner Bürgertheater sucht verschwunden Orte auf. Alfred Komarek und das Landestheater schlagen ein Zelt auf und beleben Zeitgeschichte auf vergnüglich-besinnliche Weise.

Wenn Karin Schreylehner, eine der über vierzig bewunderungswürdigen Darstellerinnen und Darsteller aus der Einwohnerschaft St. Pöltens von der Magie oder Zauberei durch die Gruppendynamik der denkbar verschiedensten Charaktere eines Bürgertheaters spricht, ist schon viel gesagt. Wenn wir uns dazu den Charme denken, der Jeglichem innewohnt, das wir gemeinhin als laienhaft oder als Liebhaberei bezeichnen, noch etwas mehr. Sehen wir das Ganze dann gepackt in die ohnehin nostalgieschwangere Plastikhülle eines Zirkuszelts, eines der letzten Refugien zeitgenössischen Nomadentums, rutschen wir als Publikum schon unbequem auf den Holzbänken umher und erliegen hoffnungslos dieser eingangs erwähnten Magie oder Zauberei.

"Wie bei allen Projekten dieser Art ist es für den Autor erst einmal ratsam sich unter die Jäger und Sammler zu begeben…"
Alfred Komarek und Nehle Dick reihen Ereignisse aus der St. Pöltner Geschichte in hemmungsloser Subjektivität zu einer zirkuswürdigen Nummernrevue aneinander. Ins Scheinwerferlicht werden das erste Lichtspielhaus, ein Kaiser-Besuch, die Goldenen Zwanziger, das Arbeitslager in Viehofen, die Nachkriegszeit und vieles mehr getaucht. Mit dem Ende der Tanzfabrik beginnt langsam auch der Auszug aus der Zirkusarena. Klamauk, Tanz, Gesang, Betroffenheit und eine eindringliche Geschichte vom Taubstummeninstitut zum Gehörlosenverband in St. Pölten erfreuen, berühren und interessieren.
Der geschotterte Platz auf dem das Theaterzelt steht hat selbst Geschichte und wird noch in diesem Jahre auch zu den verschwundenen Orten gehören, einer neuen Bestimmung zugeführt. Die Nomaden in Raum und Zeit ziehen weiter. Denn, wie heißt es im Stück angesichts eines kurios-menschlichen Stilllebens des von Joseph Maria Olbrich gebauten Stöhr-Hauses ironisch: "Ich bin von Gestern, dass hat Zukunft heutzutage."

Der nächste Termin: 7. Juni 2017.

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