St. Pölten Konkret

"benachbart" im KUNST:WERK

05.06.2017, von Peter Kaiser

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Im Bild (1/4): Julietta Moari "o.T." Mixed Media, 2017 (Fotos: Peter Kaiser)
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Im Bild (2/4): Julietta Moari "o.T." Mixed Media, 2017 (Fotos: Peter Kaiser)
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Im Bild (3/4): Julietta Moari "o.T." Mixed Media, 2017 (Fotos: Peter Kaiser)
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Im Bild (4/4): Ausstellungseröffnung mit den Künstlern und Künstlerinnen und dem Bürgermeister (Foto: Wolfgang Mayer)

Die aktuelle Ausstellung des St. Pöltner Künstlerbundes widmet sich dem Gegenteil der Wahlverwandtschaften, denn selten kann man sie sich aussuchen: die Nachbarn.

"Benachbart ist man immer mit Jemandem", sagt Ernest Kienzl.
Und: "No man is an island, entire of itself", sagte John Donne.
Weil nun aber niemand eine Insel ist und Europa schon gar nicht, sind wir auch mit Menschen konfrontiert, die Ihr Nebenan verloren haben und uns unfreiwillig zum Nachbarn und zur Nachbarin kriegen: die Flüchtlinge. Und wir kriegen sie, das sei - bei aller Gastfreundschaft - zu sagen erlaubt, nur komfortabler, da wir ja hier bleiben können und dürfen.
Soweit nur ein Aspekt des Themas und damit zur Kunst. Die Wahl des einen, speziellen Kunstwerks der soeben eröffneten Ausstellung fiel - völlig subjektiv - auf die Janus-Masken (übrigens "o.T.") der Böheimkirchnerin Julietta Moari, ein Gast des Künstlerbundes.

Gleiche Masken, gefasst in einem Rahmen, jede anders gefärbt, janusköpfig abgewandt die Gesichter, sind aufgehängt am weißen Prototypen eines Gartenzauns. Dieser wiederum ist umwunden von einem Stacheldraht.
Es gibt die Maske des griechischen Tragödienspielers. Die verhüllt und schützt den Darsteller und zeigt die Rolle, die er spielt. Wie im richtigen Leben. Was durchblitzt, und sich auch in Zeiten der distinguierten schwarz-weiß Lackierung nicht verhindern lässt, ist seine Gestimmtheit, seine Gemütsfarbe, die im Tageslauf dem Regenbogen nachzueifern scheint.
Der Januskopf steht aber auch für Walter Benjamins Engel der Geschichte: Ein Gesicht sieht in die Zukunft, eines in die Vergangenheit. Immer stehen wir am Scheideweg, immer tanzen wir auf schmalem Grad.
Und bevor wir auf die Doppelmoral, eine unserer bösesten Schwächen, zu sprechen kommen, sei die weitere Auseinandersetzung mit dem Thema "benachbart" im KUNST:WERK mit seinem guten Duzend Ausstellern und Ausstellerinnen dringend anempfohlen.

Geöffnet jeweils Donnerstag, Freitag von 16:00 bis 18:30 und Samstag, Sonntag von 10:00 bis 12:30. Feiertags geschlossen. Bis 2. Juli.

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