St. Pölten Konkret

Wenn sich der Blues über den Ratzersdorfer See legt

03.05.2018, von Martin Koutny

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Im Bild (1/2): Am 28. Juli 2018 geht das Bluesfestival am Ratzersdorfer See über die Bühne. (Foto: Josef Vorlaufer)
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Im Bild (2/2): Ein Teil der Partner und Sponsoren für die Durchführung des Bluesfestivals bei der Präsentation des Programms. (Foto: Josef Vorlaufer)

Wer einmal vom Virus des Blues infiziert wurde, bekommt es nie wieder los. In den vergangenen Jahren ist die Fangemeinde des Blues auch in St. Pölten immer größer geworden. Das Bluesfestival am Ratzersdorfer See ist mittlerweile für viele ein Fixpunkt im Terminkalender geworden. Das Line Up für den 28. Juli 2018 kann sich wieder sehen lassen.

izards of Blues, R&B Caravan feat. Kai Strauss & Tommie Harris, die Jimmy Reiter Band oder die Mojo Blues Band – es ist angerichtet auf der Bühne am Ratzersdorfer See, der wie jedes Jahr am letzten Juliwochenende zum Hotspot für die Liebhaber dieses Musikgenres wird. „Wir wollen den Besuchern ein echtes musikalisches Erlebnis bieten, das sie nicht so schnell vergessen werden“, sagt Michael Bachel, der als Leiter des Veranstaltungsservice der Stadt St. Pölten das Bluesfest mit seinem Team organisiert.

„In der österreichischen Bluesszene geht es fast schon familiär zu, jeder kennt jeden. Künstler und Bands sind unkompliziert, Starallüren gibt es keine. Es geht um die Musik, um den Blues und um sonst nichts. Wenn man das so wie wir über einen längeren Zeitraum veranstaltet, ist dieses Insiderwissen von uns natürlich ein großer Vorteil“, so der Veranstaltungsprofi aus St. Pölten.

Große Namen und internationale Vorbilder
In den frühen 60er Jahren wurden die städtischen Bluesmen von jungen amerikanischen und europäischen Musikern „entdeckt“. Viele dieser Bands, wie die Paul Butterfield Blues Band, die Rolling Stones, die Yardbirds, John Mayall’s Bluesbreakers, Cream, Canned Heat und Fleetwood Mac, brachten den Blues nach Europa und einem jungen weißen Publikum nahe. Einige Rockgitarristen, wie Eric Clapton, Jimmy Page und Jimi Hendrix, benutzten den Blues als Grundlage ihres eigenen Stils. Die „Originale“, wie John Lee Hooker, Albert Collins und B.B. King, und deren Erben Buddy Guy, Otis Rush, später Eric Clapton und Roy Buchanan, fuhren fort, fantastische Musik in der Tradition des Blues zu machen. Die jüngste Generation der Bluesmusiker, wie Robert Cray und Stevie Ray Vaughan, haben dem Blues eine neue Generation von Zuhörern erschlossen.

Line Up und Bands im Überblick

Wizards of Blues, (18:00h - 19:10h)
Wenn Erik Trauner und Siggi Fassl auf ihren akustischen Instrumenten loslegen, wird niemand eine Band vermissen. Was immer auch angesagt ist, sei es flottes Fingerpicking, gefühlsvolle Bluesballaden oder fetziger Chicago Blues, die beiden sind stets herrlich auf einander abgestimmt und verstehen es ihre Zuhörer durch ihre Spielfreude und Spontanität immer wieder zu begeistern.
Die"Wizards of Blues" bieten schlicht einen abenteuerlichen musikalischen Streifzug durch die Welt des Blues mit all seinen bunten Facetten und nebst Huldigung der Altmeister des Countryblues werden auch viele Songs gebracht, die aus eigener Feder stammen. Darüber hinaus eignet sich ein Live-Abend mit den Wizards hervorragend als Regenerationskur für Fließband-Popgeschädigte.

R&B Caravan
feat. Kai Strauss & Tommie Harris (19:20h - 20:30h)

Die Band ist oft mit inter-/nationalen Gastmusikern wie z.B. Tommie Harris und Kai Strauss on Tour und verbindet den klassischen Swingstil der 40er mit dem Rhythm `n` Blues der 50er und einer Prise Soul der 60er Jahre - mit dem typisch mitreißenden (Tanz-) Beat, der in die Beine geht! Diese musikalische Mischung wurde in den späten 50er- und frühen 60er Jahren vor allem unter der schwarzen Bevölkerung der USA bekannt und äußerst populär.
Tommie Harris wuchs in Alabama auf und begann seine musikalische Karriere bereits in jungen Jahren als Gospelsänger. Während seiner Schul- und Collegezeit spielte er in diversen (Marching) Bands. 1957 entdeckte der Saxophonist Yusef Lateef das Talent des jungen Schlagzeugers und nahm ihn prompt unter seine Fittiche.
Tommie kam in den frühen 70er Jahren nach Europa und machte Deutschland zu seiner neuen Heimat. 1987 wurde er in die Alabama Jazz Hall of Fame aufgenommen. Tommie hatte sowohl seine eigene Band, aber begleitete auch andere Musiker wie Gene „Mighty Flea“ Conners, Ron Ringwood, Lindy Huppertsberg, etc. Er saß am Schlagzeug in Luther Allisons letzter Live-Band und bei vielen international bekannten Musikern wie z. B. Jimmy Reed, Sam & Dave, Lillian Boutte, Heatwave, Big Jay McNeely, Al Copley, Red Holloway, Brother Jack McDuff und Chicago Bean.
Kai Strauss zählt zum kleinen Kreis europäischer Bluesmusiker, denen auch amerikanische Kollegen und Kritiker einen authentischen Stil attestieren. Kai tourte über 15 Jahre lang an der Seite des Texaners Memo Gonzalez und erspielte sich mit seiner Intensität einen festen Platz in den Herzen der Bluesgemeinde. Drei deutsche Blues Awards, 2016, 2015 und 2014, TV- Auftritte, Magazincover sowie Konzerte in über 20 Ländern sind bemerkenswerte Eckdaten in Strauss‘ Karriere. Auf der Bühne „überzeugt der sympathische Westfale mit sehr viel Ausstrahlung, hat ein gutes Gespür für die Stimmung im Publikum und weiß sie an den richtigen Stellen zum Überkochen zu bringen.“ schreibt Rheinpfalz.de, während das Nachrichtenportal eurojournalist.eu sich nicht zurückhält Strauss den Titel „Deutschlands Blues-Gitarrist der Stunde.“ zu geben.

Jimmy Reiter Band (20:40h - 21:50h)
Die Jimmy Reiter Band spielt seit Jahren auf den Club- und Festivalbühnen Europas. Zuvor war Jimmy lange Zeit Gitarrist des Washingtoner Harpspielers und Sängers Doug Jay in dessen Band The Blue Jays. 2015 erschien Told You So, der Nachfolger seines preisgekrönten Debütalbums High Priest Of Nothing von 2011. Desweiteren spielt er Auftritte mit anderen Künstlern wie Sax Gordon, Albie Donnelly und Memo Gonzalez und ist auf über 20 CD Produktionen verschiedener Kollegen zu hören.
Im März 2016 wurde Jimmy Reiter von "Blues in Germany" als bester zeitgenössischer Blueskünstler des Jahres 2015 ausgezeichnet, im Juli 2017 erhielt seine Band den German Blues Award als beste deutsche Bluesband.

Mojo Blues Band (22:00h - 23:15h)

Bereits zum 15. Mal fungiert die Mojo Blues Band als Gastgeber für das Summer Blues Festival St. Pölten. Was für Downbeat Kruder & Dorfmeister, für Jazz Joe Zawinul oder für Pop Falco waren/sind, ist für den Blues zweifelsfrei die Mojo Blues Band. Keine andere heimische Gruppe hat in der Welt des Zwölftakters jenen Stellenwert, wie die Wiener um Mastermind Erik Trauner. 1977 begann im legendären Jazzland eine Erfolgsgeschichte sondergleichen, gespickt mit Integrität und Authentizität, aber auch mit genreübergreifenden Hits. Wären Erik Trauner und die Mojo Blues Band ein Film, könnte der Titel wohl nur lauten: „Die Unbestechlichen“. Gut, dass Österreich eine derartige Marke besitzt!

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