St. Pölten Konkret

Verstorben, begraben und vergessen? - St. Pöltner Friedhöfe erzählen

30.08.2018, von Dr. Ronald Risy

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Im Bild (1/2): Leichenwagen St. Pölten (Foto: Theo Füchsel, 1927)
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Im Bild (2/2): Domplatz, ehemaliger Stadtfriedhof (Foto: Stadtmuseum St. Pölten)

Eine Ausstellung im Stadtmuseum St. Pölten vom 12. September bis 3. November beschäftigt sich mit dem Umgang der Menschen mit dem Tod.

Untrennbar sind Leben und Tod verbunden. Über die Medien werden wir durch Kriegs- und Unfallberichte, Mitteilungen über Verbrechen oder Nachrichten über das Ableben bekannter Persönlichkeiten ständig mit dem Tode konfrontiert. In unserer heutigen westlichen Kultur wird die Tatsache der Vergänglichkeit und des Endes stark verdrängt. Sind wir unvermeidlicherweise dennoch betroffen, so fällt uns der Umgang damit schwer.

Trauer- und Beisetzungsrituale
Wie aber gingen Menschen in den vergangenen Jahrtausenden mit dem Tod um? Da jede Kultur ihre charakteristischen Trauer- und Beisetzungsrituale besaß, zählen vor allem Gräber zu den wichtigsten Quellen. Jede Gesellschaft pflegte einen speziellen Umgang mit der Endlichkeit des Lebens, der durch archäologische Befunde nachvollziehbar wird. So können Aussagen zu Bestattungsritualen und Jenseitsvorstellungen getroffen werden. Die bei der Grabung gewonnenen Informationen erzählen aber auch von Lebensumständen, sozialen Hierarchien und persönlichen Schicksalen.

Archäologie gibt Aufschluss
Durch die rege Bautätigkeit im Gemeindegebiet von St. Pölten fanden in den letzten Jahrzehnten zahlreiche archäologische Untersuchungen statt, die viele längst vergessene Bestattungsareale von der Steinzeit bis heute aufgedeckt und damit wieder ins Bewusstsein gebracht haben.
Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stand dabei in den letzten Jahren die Ausgrabungstätigkeit am Domplatz von St. Pölten – die in ihrer Dimension europaweit einmalige Freilegung eines mittelalterlichen/frühneuzeitlichen Friedhofs.

Sehenswerte Austtellung
Die Ausstellung im Stadtmuseum St. Pölten gewährt den Besuchern anhand archäologischer Befunde einen Einblick in die Bestattungskultur von der Steinzeit bis heute. Zu den vielen Highlights der Ausstellung sind u. a. eine eisenzeitliche Kriegerbestattung aus Pottenbrunn, ein josephinischer Sparsarg und eine extra für die Ausstellung restaurierte Leichenkutsche zu zählen. Schriftliche und bildliche Quellen aus der jüngeren Vergangenheit bringen ehemalige Friedhöfe wieder ins Bewusstsein und werfen einen Blick auf in Vergessenheit geratene Trauer- und Begräbnisrituale.

Internationale Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Mittelalterarchäologie
11. bis 15. September 2018

Veranstalter: Österreichische Gesellschaft für Mittelalterarchäologie
In Kooperation mit: Stadtmuseum St. Pölten
Tagungsort: ehem. AK-Saal, Gewerkschaftsplatz 2, 3100 St. Pölten
Im Rahmen der Tagung hält Ronald Risy am 12. September um 18:30 Uhr im ehemaligen AK-Saal einen öffentlich zugänglichen Vortrag mit dem Titel „9 Jahre Knochenarbeit am Domplatz von St. Pölten“.

Anmeldung erbeten unter: 02742 333/2601 oder E-Mail: kultur@st-poelten.gv.at

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