St. Pölten Konkret

Verstörung und Verklärung

23.05.2019, von Heinz Steinbrecher

verstörung und verklärung
Im Bild (1/1): Taner Türker, Helmut Wiesinger und Marcus G. Patka. (paintings by Oskar Stocker)

Am Mittwoch, dem 29. Mai, findet in der ehemaligen Synagoge St. Pölten um 19.30 Uhr die Veranstaltung „Verstörung und Verklärung“ mit Liedern von Mikis Theodorakis statt.

Die Lieder werden von Marcus G. Patka (Gesang, Gitarre) und Taner Türker (Cello) interpretiert. Vor jedem Lied liest Helmut Wiesinger die deutsche Übersetzung nebst verbindenden Worten. Das Programm dauert in etwa 60-70 Minuten.

Mikis Theodorakis gilt als der bedeutendste Komponist Griechenlands im
20. Jahrhundert. Weltberühmt wurde er durch hunderte von Liedern, deren hochpoetische Texte die Geschichte und die Sehnsüchte seiner Heimat widerspiegeln. Dort wird er auch als ein Widerstandsheld gegen die militärische Besatzung während und nach dem Zweiten Weltkrieg gefeiert. Hierbei wurde er mehrfach interniert und systematisch gefoltert.

Existentielle Bedrängungen dieser Art sind das Thema dieses Programms.
„Verstörung und Verklärung“ umfasst Lieder, die Situationen wie Gefängnis und Folter, aber auch die Hoffnung auf einen neuen Frühling ausdrücken. Alle diese Lieder waren nach dem Sieg über die Militärjunta 1974 in Griechenland und ganz Europa überaus populär. Das Programm beginnt mit Texten von Jacobos Kambanellis, der das NS-Konzentrationslager Mauthausen überlebte und dies in Gedichten verarbeitete: eines thematisiert Mauthausen, ein weiteres ist an das alttestamentarische „Hohe Lied“ angelehnt, das dritte symbolisiert das Wiederankommen im Leben. Es folgen Mikis Theodorakis eigene Texte über seine realen Alpträume angesichts täglicher physischer und psychischer Gewalt. Doch es erwacht auch der Gedanke des Widerstands. Dieser findet sich verstärkt im dritten Abschnitt, drei kurze Lieder aus dem Zyklus „Für die bedrängte Heimat“ von Janis Ritsos. Ihre Intention bleibt poetisch opak, da sie nicht offen ausgesprochen werden durfte. Den Abschluss bilden drei Gedichte aus dem Zyklus „Es ist würdig und recht“ von Odysseas Elytis (Nobelpreis 1979), in denen es um die Auferstehung, die Macht der Liebe und einmal mehr um die bedrohte Heimat geht. Nachgestellt ist eine Hymne des griechischen Widerstands nach einem Gedicht von Giorgos Seferis (Nobelpreis 1963), ein verschlüsselter Ruf nach Freiheit und einem rechtschaffenen Leben.


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