St. Pölten Konkret

Erster "Speakers Corner"

18.11.2016, von Thomas Kainz

speakers corner war
Im Bild (1/1): Reinhard Gosch (Dialog zwischen den Kulturen), Robert Laimer (Stadtrat ), Alaya Allani (Manouba Universität Tunis), Ghazi Jomaa (tunesischer Botschafter), Christine Pavelka (aus dem Publikum) und Josef Cap (Parlamentarier) diskutierten in der Bühne im Hof.

In der Bühne im Hof wurde gestern über "Gott und die Welt" gesprochen.

Speakers’ Corner, historisch als" Ecke der Redner“ bezeichnet, ist ein Versammlungsplatz am Hyde Park in London in unmittelbarer Nachbarschaft zum Marble Arch. Weitere Speakers’ Corners existieren unter anderem nur in Australien (seit 1878) und in den Niederlanden (seit 2005). In St. Pölten gibt es seit gestern eine spezielle österreichische Variante der Präsentation zur freien Meinungsäußerung. Im Rahmen des „Dialoges zwischen den Kulturen“ entstand ebenfalls ein offenes Gesprächs- und Diskussionsforum und gibt den Menschen die Möglichkeit, zu brisanten, aktuellen Themen mitzureden. Gestern Abend hat in der Bühne im Hof die erste Gesprächsrunde dieser Veranstaltungsreihe stattgefunden. Vor der Veranstaltung lud der tunesische Botschafter alle BesucherInnen ein, mit ihm Leckereien aus seiner Heimat zu verkosten.

Reinhard Gosch ist die Idee zu dieser Veranstaltungsreihe während eines Kulturaustausches mit Tänzern in Tunesien gekommen. Bei seinem Aufenthalt ist es ihm gelungen, den Kontakt zu einem der führenden tunesischen Experten für islamistische Bewegungen und Terrorgruppen im Nahen Ostenherzustellen: Zu Alaya Allani, Professor für Zeitgeschichte an der Manouba-Universität in Tunis, der an der ersten Gesprächsrunde teilnahm. „Mir war es immer wichtig, den Nord-Süd-Konflikt mit KünstlerInnen zu überwinden. Die Natur der Kunst basiert auf Frieden, und wir sehen es als Aufgabe, Menschen, die sich der Kunst widmen, zu unterstützen. Es ist wichtig, dass sich der Friede möglichst weit ausbreitet.“ Seit 2001 ist Gosch Beauftragter und Projektleiter des interkulturellen Künstleraustauschprogrammes Dialog zwischen den Kulturen. Dabei fördert er den Ausbau der kulturellen Beziehungen zur orientalischen und außereuropäischen Staaten.

Guten Morgen, Abendland

„Guten Morgen, Abendland“ begrüßte der ehemalige Profil-Journalist und Buchautor Emil Bobi das Publikum und stellte seinen Diskussionspartnern brennende Fragen: Selbstverständlich hat islamistischer Terrorismus etwas mit dem Islam zu tun. Aber was genau? Natürlich sind islamistische Terroristen Muslime. Aber wie genau? Was ist der Unterschied zwischen dem Bösen an der christlichen und dem Bösen an der islamischen Theologie? Und wer muss sich vor der Wiederkehr der Propheten mehr fürchten, die Priester oder die Imame?

Emil Bobi sieht sich dabei als neutraler Beobachter, wie er sagt: „Ich bin begrenzt optimistisch, aber mein Job ist es auch, realistisch zu sein.“ Er sehe aufgrund von Anschlägen in Paris, Brüssel usw. auch Europa im Kriegszustand. Aber ihm fehle die Strategie, wie man terroristischen Anschlägen in Europa begegnen könne, er sehe eine große Wehrlosigkeit. „Hier geht es um mehr als Hass. Das ist ein Konflikt, der nichts mit Nationalstaaten zu tun hat, sondern weltweit sichtbar ist und geführt wird“, sagt Bobi. Er nannte auch den Begriff „Weltrespekt“ in Zusammenhang mit notwendiger Akzeptanz und Wertschätzung gegenüber den kulturellen Unterschieden auf unserem Globus.

Zu brisanten globalen Themen referierte der nordafrikanische Sicherheitsexperte Alaya Allani von der Manouba Universität in Tunis und weiters diskutierten der SPÖ-Parlamentarier Josef Cap und Pater Jakob Deibl (Benediktinerstift Melk & Forschungsplattform „Religion und Transformation in Conetemporary Society an der Universität Wien). Vehemente und heftige Positionen zu interkulturellen Brennpunkten und durchwegs brillante Rhetorik prägten den Abend.

Kommentare powered by Disqus.

Copyright 2017 St. Pölten Konkret Online, Magistrat der Landeshauptstadt St. Pölten/Medienservice