St. Pölten Konkret

Zündholzdom reist in seine Heimat Köln

01.04.2015, von Beate Steiner

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Im Bild (1/7): Andrea Habel-Schablitzky mit den Dom-Teilen. (beate steiner)
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Im Bild (2/7): Ein Fernehteam filmte die "Rettungsaktion" für den Dom mit. (beate steiner)
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Im Bild (3/7): In diesen Kisten war das Modell versteckt. (beate steiner)
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Im Bild (4/7): Die Teile wurden gereinigt . . (beate steiner)
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Im Bild (5/7): . . .und desinfiziert. (beate steiner)
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Im Bild (6/7): Eines der detailgetreuen "Puzzle"-Teile (beate steiner)
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Im Bild (7/7): Christof Greifensteiner hatte das Modell entdeckt. (beate steiner)

Das fast 100 Jahre alte sensationelle Modell aus zweieinhalb Millionen Streichhölzern, das in einem Innenstadt-Keller entdeckt worden war, wird restauriert und im Kölnischen Museum ausgestellt.

Das imposante Modell des Kölner Doms, das ein junger deutscher Künstler in den 1920er-Jahren aus zweieinhalb Millionen Zündholzern gebaut hatte, trat seine Heimreise nach Köln an.
Restauratorin Andrea Habel-Schablitzky vom Kölnischen Stadtmuseum hat das Meisterwerk, das der damals 15-jährige Hans Swoboda in vier Jahren gebaut hat, aus den Kisten in einem St. Pöltner Keller befreit, mit Staubsauger und Anti-Schimmelspray „erstversorgt“. In Köln wird das weit gereiste Modell restauriert und soll wieder aufgebaut werden. „Wir hoffen, dass noch alle Teile vorhanden sind“, so Habel-Schablitzky.

Wie die Reisekisten mit dem grandiosen Bauwerk nach St. Pölten gekommen sind, ist nach wie vor unklar.
Der Pielachtaler Christof Greifensteiner hatte im Keller seines Büros in der St. Pöltner Innenstadt zwei riesige Reisekisten gefunden, die er neugierig geöffnet hatte — und er entdeckte einen einmaligen Schatz. ein – zerlegtes - Modell des imposanten Kölner Doms, gefertigt aus zweieinhalb Millionen Streichhölzern.

Mitverpackt waren eine Tafel mit Informationen und einige Postkarten, die etwas Aufschluss gaben über das einzigartige „Bauwerk“: „Ein Hans Swoboda, ein junger deutscher Künstler, hat das Modell nach einer Postkartenvorlage in den 1920er-Jahren gebaut“, erzählt Christof Greifensteiner über seine Recherchen.

Vier Jahre hat der zu Beginn 15-jährige Hans Swoboda für die Fertigung seines grandiosen Modells gebraucht, durchschnittlich zehn Stunden am Tag daran gearbeitet.

Dann ist er damit auf Reisen gegangen, was auch die zahlreichen Speditionsaufkleber auf den Reisekisten und Zeitungsausschnitte belegen. „Sogar in einer Galerie in New York hat der junge Deutsche damals sein Kunstwerk ausgestellt“, weiß Christof Greifensteiner.

Hans Swoboda dürfte sich mit dem Erlös seiner Ausstellungen ein Architektur-Studium an der Columbia University finanziert haben. Der Kölner Dom hat Hans Swoboda aber noch weiter beschäftigt: In den 1930er-Jahren veröffentlichte er ein Buch über das dritthöchste Kirchengebäude der Welt. Wenige Jahre später präsentierte der Künstler seinen „Dom“ auch in Berlin, wo Adolf Hitler das Streichholz-Bauwerk bewunderte.

Dann verliert sich die Spur der einzigartigen Nachbildung des gotischen Weltkulturerbes. Bis es Jahrzehnte später in einem Keller in St. Pölten wieder auftauchte. „Aufgrund der Zeitungsberichte hat sich jetzt eine Tochter von Hans Swoboda gemeldet“, weiß Christof Greifensteiner dank seiner Nachforschungen.

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