St. Pölten Konkret

Internationaler Erfahrungsaustausch und Vernetzung

31.05.2017, von Martina Eigelsreiter

internationaler erfahrungsaustausch & vernetzung_kosovo
Im Bild (1/1): Das Büro für Diversität organisierte das informative Vernetzungstreffen mit Ardian Selishta, Generaldirektor im Ministerium der Diaspora im Rathaus. V.l.: DSAin Ada Pochmann, MSc (Leiterin Frauenzentrum St. Pölten), Mag.a Birgit Krenmayr (Frauenzentrum St. Pölten), Mag.a Martina Eigelsreiter (Leiterin Büro für Diversität der Stadt St. Pölten), Ardian Selishta, Generaldirektor im kosovarischen Ministerium der Diaspora, Maria Imlinger, DSAin (Leiterin Haus der Frau/Frauenhaus St. Pölten), Mag. a Barbara Wegscheider (Leiterin NÖ Frauentelefon / NÖ Hilfswerk), Barbara Seyrl vom Frauenprojekt „fairwurzelt“, Mag.a (FH) Michaela Egger, MA (Stellvertretende Geschäftsführerin Gewaltschutzzentrum NÖ – St. Pölten), Ilse Knell (Büro für Diversität) und Dolmetscher. (Foto: Josef Vorlaufer)

In St. Pölten gibt es für Frauen eine beeindruckende Vielfalt an Beratungseinrichtungen für unterschiedlichste Bedürfnislagen. Davon überzeugte sich Ardian Selishta, Generaldirektor im kosovarischen Diasporaministerium, am 29. Mai im Rahmen eines Vernetzungstreffen im Rathaus.

Das Ministerium etabliert Kulturzentren und organisiert Bildungs- und Kulturprogramme für die kosovarische Diaspora. Im Vordergrund des Treffens stand vor allem der Erfahrungsaustausch, gegenseitiges Kennenlernen, Kontakte knüpfen, Netzwerken und Wissenstransfer.

Im Kosovo ist geschlechtsspezifische Gewalt nach wie vor ein weit verbreitetes Problem. Und es sind Erinnerungen an Kriegsterror, Internierung, Misshandlung sowie brutale Vergewaltigung, die das Leben zehntausender Frauen bis heute prägen. Während des Bosnienkriegs (1992-1995) vergewaltigten Soldaten und Paramilitärs schätzungsweise zwischen 20.000 und 50.000 Frauen und Mädchen, viele von ihnen mehrfach und über Wochen und Monate hinweg. Die meisten sind seither schwer traumatisiert, leiden an chronischen Krankheiten oder Angststörungen, die den Alltag stark beeinträchtigen und eine berufliche Beschäftigung unmöglich machen. Ohne fremde Unterstützung sind sie von extremer Armut betroffen.

Im Kosovo gibt es kaum FrauenärztInnen, geschweige denn auf Traumatisierung spezialisierte GynäkologInnen. Frauen, die sexualisierte Gewalt und Übergriffe erlebt haben, bleiben mit den gesundheitlichen Folgen häufig auf sich allein gestellt. Die Verfassung Kosovos garantiert Frauen gleiche Rechte wie Männer. Doch die praktische Rechtsprechung ist noch immer stark vom jahrhundertealten Stammesrecht "Kanun“ geprägt, in dem Frauen extrem benachteiligt werden – besonders auf dem Land.
Im Februar 2014 wurde das Gesetz zur Entschädigung von Kriegsopfern geändert und schließt seitdem auch Frauen mit ein, die sexualisierte Gewalt während des Krieges erlebt haben. Viele Überlebende von Vergewaltigung und sexualisierter Gewalt sehen sich jedoch noch vor großen Hindernissen im Zugang zu Rehabilitationsdiensten, Entschädigungen und Rechtshilfe.

Kontakt

Mag.a Martina Eigelsreiter
Büro für Diversität
Tel.: (+43 2742) 333-2035
E-mail: diversitaet@st-poelten.gv.at

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