St. Pölten Konkret

Geschafft: St. Pölten ist Ökostrom-Selbstversorger

25.03.2015, von Heinz Steinbrecher

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Im Bild (1/2): Bürgermeister Mag. Matthias Stadler und Projektleiter Mag. Stefan Hantsch, Benevento, vor den gerade fertiggestellten Windrädern. (Foto: Josef Vorlaufer)
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Im Bild (2/2): Geschafft: St. Pölten ist Ökostrom-Selbstversorger. (Foto: Benevento/Hantsch)

Der Windpark Pottenbrunn IV ist in Betrieb: St. Pöltens Ökostromanlagen produzieren mehr Strom als alle Haushalte verbrauchen.

Vergangene Woche ist das letzte der vier neuen Windräder des Windparks Pottenbrunn IV ans Netz gegangen. Das Gemeinschaftsprojekt der St. Pöltner Firmen Benevento und ImWind liefert ab sofort Strom für gut 9.000 Haushalte – ca. 46% aller Haushalte von St. Pölten. Damit überschreitet die Produktion von den Wind- und Wasserkraftwerken und PV-Anlagen der Landeshauptstadt den Bedarf von allen St. Pöltner Haushalten. St. Pölten ist damit ab sofort Ökostrom-Selbstversorger.

„Wir sind sehr glücklich, dass die Windräder fertiggestellt sind und sich im Wind drehen“, zeigt sich der Leiter des Projekts, Mag. Stefan Hantsch von der Benevento GmbH erleichtert. Knapp drei Jahre dauerte die Genehmigungs- und Vorbereitungszeit in der die Zustimmung von St. Pölten, den drei Anrainergemeinden Herzogenburg, Kapelln und Böheimkirchen, den Grundeigentürmern und den Genehmigungsbehörden eingeholt wurde.

Der eigentliche Bau begann im Juli letzten Jahres mit den Wegverbesserungen. Im Herbst wurden die Fundamente gegossen und mit der Errichtung der Betonturmelemente begonnen. Im Jänner und Februar wurden die restlichen Komponenten, also Stahlturm, Maschinenhaus und Rotor montiert. Anfang März ging die erste Anlage in Betrieb und letzten Freitag war die Inbetriebnahme abgeschlossen. „In Summe haben wir gut acht Monate für den Bau des Windparks gebraucht und sind nur vier Tage später fertig geworden als in unserem Bauzeitplan vorgesehen. Ich bin noch immer fasziniert, mit welchem enormen Einsatz und Fachkenntnis die verschiedenen Teams hier am Werk waren. Der Einzige, der immer wieder für Verzögerungen gesorgt hat, war der Wind. Er hat nicht einsehen wollen, dass wir ihn in der Bauphase einmal nicht brauchen können“, so Hantsch.

Bürgermeister Stadler: St. Pölten ist Ökostrom-Selbstversorger
Auch Bürgermeister Mag. Matthias Stadler ist erfreut: „Wir haben schon 2009 ein Energieleitbild erstellt, in dem der Ausbau erneuerbaren Energien einer der wesentlichen Pfeiler ist. Jetzt haben wir einen entscheidenden Schritt auf unser generationsübergreifendes Ziel einer langfristig gesicherten und sauberen Energieversorgung gemacht: Schon bisher produzierten die bestehenden Windräder und die vielen anderen Ökostromanlagen wie Wasserkraftwerke und PV-Anlagen in der Landeshauptstadt mehr als die Hälfte des Haushaltsstrombedarfes. Mit den vier neuen Windrädern kommen noch einmal 46% dazu. Damit erzeugen wir mehr als 100% des Bedarfes aller unserer Haushalte unabhängig und erneuerbar. St. Pölten ist bei den Haushalten also ab sofort Ökostrom-Selbstversorger“, so der Bürgermeister.

Windpark Pottenbrunn:
Verwendet wird die modernste Windkraftanlagentechnik des norddeutschen Windradbauers Senvion. Jede Anlage hat eine Leistung von 3.200 Kilowatt (kW) und wird ca. acht Millionen Kilowattstunden (kWh) pro Jahr liefern.
Jedes Fundament besteht aus 600 m³ Beton und 70 t Eisen. Für die Türme wurden auf den ersten 90m Betonfertigelemente übereinandergestapelt, die restlichen 50 m bestehen aus drei Stahlrohren. Der Drehpunkt des Rotors, die sogenannte Nabenhöhe liegt bei 143 m. Das Maschinenhaus, das so groß wie ein Omnibus ist, wiegt ca. 110 t. Die drei 56 m langen Flügel wiegen jeweils 14 Tonnen, der gesamte Rotor inklusive Nabe ist 69 Tonnen schwer. Dass der Rotor mit seinen 114 m Durchmesser so massiv gebaut sein muss, hat einen guten Grund: Mit ihm wird eine Rotorfläche von über einem Hektar abgeerntet. Ab 10 km/h Wind fängt das Windrad zu produzieren an. Ab 40 km/h erreicht es seine volle Leistung. Dann fließen je nach Windgeschwindigkeit 120-250 Tonnen Luft pro Sekunde durch den Rotor und sorgen für genug erneuerbare Energie.

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