St. Pölten Konkret

EUROPAN bringt die „Elastic City“

11.02.2016, von Martin Koutny

europan wettbewerb wwe gründe
Im Bild (1/10): Architekt DI Bernd Vlay, Generalsekretär von EUROPAN Österreich, Bürgermeister Mag. Matthias Stadler, DI Robert Hahn, Geschäftsfüher der WWE-GmbH und Stadtplaner DI Jens de Buck. (Bilder: mss St. Pölten)
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Im Bild (2/10): Die WW-EGründe zeichnen sich durch ihre hervorragende Lage... (Bilder: mss St. Pölten)
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Im Bild (3/10): ...mitten im Stadtgebiet aus. Die erforderliche Infrastruktur ist bereits vorhanden: Einkaufszentren, Kindergärten Schulen, Ärzte befinden sich in unmittelbarer Nähe ... (Bilder: mss St. Pölten)
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Im Bild (4/10): ... und verkehrstechnisch ist das 8 ha große Gelände bestens erschlossen. Es besteht eine leistungsfähige Straßeninfrastruktur, eine Bahnhaltestelle, der öffentliche Verkehr mit dem LUP wird ab 2017 noch erweitert und ... (Bilder: mss St. Pölten)
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Im Bild (5/10): .. das bestehende Radwegenetz wird ausgebaut. (Bilder: mss St. Pölten)
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Im Bild (6/10): Auf den WWW-Gründen wird das Preisträgerprojekt "The Elastic City" zweier Wiener Architektinnen umgesetzt. (Bilder: mss St. Pölten)
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Im Bild (7/10): Noch heuer erfolgen umfassende Erhebungen der notwendigen Grundlagen zur Umsetzung des Projektes,... (Bilder: mss St. Pölten)
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Im Bild (8/10): ...2017 erfolgt die Detailplanung und die Widmung der Flächen. Baustart soll 2018 sein. (Bilder: mss St. Pölten)
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Im Bild (9/10): Das Siegerpojekt des Europan Städtebauwettewerbes für die WWE-Gründe in St. Pölten hat ... (Bilder: mss St. Pölten)
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Im Bild (10/10): ... aufgrund der ersten eingeholten Gutachten keine Chance auf eine Umsetzung. (Bilder: mss St. Pölten)

Die Stadt St. Pölten nahm am europäischen Städtebauwettbewerb EUROPAN 13 teil. Am 4. Dezember 2015 wurde offiziell das Ergebnis dieses Städtebauwettbewerbes bekanntgegeben. In St. Pölten soll das Preisträgerprojekt „The Elastic City“ auf den WWE-Gründen umgesetzt werden.

Insgesamt waren 49 europäische Städte mit Planungsstandorten beim Städtebauwettbewerb EUROPAN 13 vertreten. Aus Österreich nahmen neben St. Pölten auch Wien, Graz, Linz und Bruck an der Mur teil. Der St. Pöltner Wettbewerbsstandort der WWE-Gründe zwischen Traisen und Austraße, südlich der Viehofner Seen stand im Rahmen des Wettbewerbs unter dem Motto „A Vision of Housing for a sleeping Beauty“. Ein in Vergessenheit geratener Standort spielt sich durch die Anbindung an das Schienennetz in das Blickfeld der Stadtentwicklung und fragt nach neuen Formen des Wohnens im Grünen. Spuren der Vergangenheit, eine verwilderte Landschaft am Wasser und eine exzellente lokale und regionale Vernetzung fordern zur Entdeckung einer einzigartigen Wohnadresse heraus.

Großes Interesse & hochkarätige Projekte
Der Standort in St. Pölten erzielte von den Teilnehmern aus Österreich erfreulicherweise sehr großes Interesse. 27 Beiträge aus 11 Nationen wurden eingereicht. „Das große Interesse zeigt, dass der Wohnstandort St. Pölten mittlerweile auch international von den Experten wahrgenommen wird“, freut sich Bürgermeister Mag. Matthias Stadler.
Von den 27 Wettbewerbseinreichungen in St. Pölten wurden durch die österreichische Jury in der Erstbewertung der Projekte fünf Beiträge zur Beurteilung durch die internationale Jury weitergereicht. Die hochkarätig besetzte internationale Jury anerkannte die hohe Qualität der Einreichungen und vergab – für einen Europan-Wettbewerb ungewöhnlich – vier Preise.
Der erste Preis – und damit Wettbewerbsgewinner – ist das Projekt „Ju(mp) in the Water - Kiss the Frog“ eines italienischen Architektenteams.
Der zweite Preis ging an das Projekt „The Elastic City“ zweier Wiener Architektinnen.
Weiters wurden die Projekte „Osmose“ eines spanisch-italienischen Planerteams mit Sitz in Paris sowie das Projekt „Austrium“ einer polnischen Architektengruppe mit einer besonderen Erwähnung („Special Mention“) geehrt.

Zweiter wird Erster
Die in den Wettbewerb involvierten Vertreter der Grundstücksgesellschaft führen nun gemeinsam mit der Stadtplanung St. Pölten Gespräche mit den Autoren der Preisträgerprojekte und stellen konkrete Überlegungen an, welches der Siegerprojekte am besten umgesetzt werden kann. „Wir haben uns mit den Projekten bereits näher befasst und auch Grundlagen für die Umsetzung in Form von Gutachten erarbeitet. Aus derzeitiger Sicht hat das Projekt „The Elastic City“ die größten Chancen auf die Realisierung. Das Siegerprojekt sieht eine allzu langfristige Entwicklung des Gebietes vor und die Folge wäre wohl eine Dauerbaustelle, welche die angestrebte hohe Wohnqualität auf längere Zeit nicht gewährleisten könnte. Außerdem wäre die Umsetzung des Wasserkonzeptes, das einen wesentlichen Teil des Siegerprojektes darstellt - wenn überhaupt - nur mit sehr großen technischem Aufwand realisierbar. Das Projekt „The Elastic City“ stößt hingegen bei allen Grundeigentümervertretern auf breite und uneingeschränkte Zustimmung“, berichtet Stadtplaner DI Jens de Buck und betont, „dass es sich bei der Standortentwicklung der WWE-Gründe um einen mittel- bis langfristigen Planungs- und Realisierungsprozess handelt. Das Entstehen von ca. 500 neuen Wohnungen in diesem Areal muss entsprechend geplant und vorbereitet werden.“

Auch DI Peter Wondra, Geschäftsführer WWE GmbH, sieht als Vertreter der Grundstücksgesellschaft in diesem Wettbewerb und der großen Anzahl der eingereichten Projekte eine reelle Chance, dass der Standort schrittweise mit Leben erfüllt werden kann: „Wir sind derzeit mit der Durchsicht und genaueren Betrachtung der Projekte der Preisträger beschäftigt, um die bestmögliche Entwicklung der vorhandenen Flächen in die Wege leiten zu können. Dies ist auch ganz im Sinne unserer Eigentümer, damit das gegenständliche Immobilienprojekt aktiviert wird.“

„Die WWE-Gründe in St. Pölten bieten einen idealen Standort für einen Europanwettbewerb, wo städtebauliche Innovation rund um den Wohnbau im Vordergrund steht. Die Anzahl und Qualität der Ergebnisse für St. Pölten sind die Bestätigung dafür. Neben der Auseinandersetzung mit einem vielschichtigen, heterogenen Ort mitten im Stadtgebiet war das Kernthema „WohnenPlus“: Wie kann man künftig im Einklang mit einer bewegten Stadtentwicklung einen Mehrwert für das Wohnen schaffen? Europan hat einige interessante Beiträge hervorgebracht, deren Realisierung einen deutlichen Mehrwert für St. Pölten schaffen wird“ betont der andere Geschäftsführer der WWE GmbH DI Robert Hahn.

Details zu den Projekten
[left]Das Siegerprojekt „Ju(mp) in the Water - Kiss the Frog“ setzt sich sehr poetisch mit der am Standort vorherrschenden Thematik der Landschaft und des Wassers als Refugium auseinander: „Die multifunktionale Verknüpfungen von Wohnen und Arbeiten in der Natur und die Landschaft per se als gemeinsamer öffentlicher Raum werden neu hinterfragt. Eine behutsame zeitliche und strategische Entwicklung des Projekts dient als Anregung zur Diskussion über innovative Wohnqualitäten im Dialog mit der Landschaft. Im Gegensatz zur herkömmlichen klassischen Urbanität handelt dieses Projekt vom Widerspruch und Umgang mit der Landschaft; und definiert so einen innovativen Genius Loci des in Vergessenheit geratenen Standortes in St Pölten“, zitiert Architekt DI Bernd Vlay, Generalsekretär von Europan Österreich, die Bewertung der internationalen Jury. Die Schwerpunktsetzungen des Projekts mit den Elementen „Wasser“ & „Natur“ versus langfristiger aber dauerhaft im Ausbau stehender Bebauung wird seitens der Grundeigentümervertreter jedoch auch zurecht kritisch gesehen.[/left]

Der zweite Preisträger „The Elastic city“ entzieht sich vordergründig dem Thema realisierbarer Planungsentwurf und versucht stattdessen die Frage, wie sich Stadt als Organismus entwickeln kann, zu beantworten. „Der Vorschlag eines elastischen Regelwerks zur Schaffung einer städtischen Flexibilität, Anpassbarkeit an gesellschaftliche Veränderungen und sozialer Nachhaltigkeit eröffnet gerade heute essentielle Diskussionen im Wohn- und Städtebau. Folgerichtig wird das Thema Wohnen grundsätzlich in einen breiten gesellschaftlichen Kontext gestellt, permanente und temporäre Wohnformen sowie ergänzende Nutzungen miteinander eng verwoben um eine heterogene Vielfalt im städtischen Raum zu schaffen. Während die städtischen Qualitäten der Binnenräume weit über die Monotonie typischer Wohnsiedlungen hinausgehen, formulieren die klaren Ränder der kompakten Entwicklung einen besonders gelungenen Bezug zum umgebenden Grünraum entlang der Traisen, der großzügig freigehalten wird,“ resümiert der Generalsekretär von Europan Österreich, Architekt DI Bernd Vlay, die Bewertung der internationalen Jury.

Projekte anschauen
Am 25. Februar 2016 findet die österreichweite Auszeichnungsveranstaltung zum EUROPAN Wettbewerb in Wien (Depot – Raum für Kunst und Diskussion) statt. Für Mai 2016 wird eine Ausstellung aller prämierten österreichischen Wettbewerbsbeiträge der teilnehmenden Städte Wien, Graz, Linz, St. Pölten und Bruckan der Mur im Haus der Architektur in Graz vorbereitet.
Die St. Pöltner Bürger brauchen sich aber nicht so lang gedulden, bereits ab kommenden Mittwoch, den 17. Februar 2016 werden alle Wettbewerbsbeiträge drei Wochen lang, bis 6. März 2016, im Stadtmuseum St. Pölten während der Öffnungszeiten Mittwoch bis Sonntag, jeweils 10 bis 17 Uhr, kostenfrei in einer Ausstellung zu besichtigen sein.

Über EUROPAN
EUROPAN ist Europas größter Wettbewerb für Architektur und Urbanismus und agiert als europäische Plattform für innovative Projektansätze, die sich zunehmend städtebaulichen Strategien verpflichtet. Das Wettbewerbsverfahren ist anonym, europaweit offen und als einstufiger Ideenwettbewerb mit anschließendem Umsetzungsprozess angelegt. EUROPAN wendet sich an alle jungen ArchitektInnen, Stadt- und LandschaftsplanerInnen unter 40 Jahren, wobei auch Wert auf interdisziplinäre Kooperationen gelegt wird.
Mit Europan13 startete die dreizehnte Wettbewerbsrunde, sie setzte das Thema der letzten Europan12 Runde (Die Anpassbare Stadt 1) fort. „Die Anpassbare Stadt 2“ fragte nach Ideen und Strategien, wie wir auf veränderte Anforderungen in Bezug auf soziale, ökonomische und ökologische Verhältnisse reagieren sollen, wenn angesichts der aktuellen raumpolitischen Dynamiken Begriffe wie „Self-organization, Sharing & Project-Process“ auf neue Grundlagen gestellt werden müssen. Wenn Schrumpfen auch Wachsen bedeuten kann. Wenn Erweiterung auch Konzentration bedeuten kann. Wie können wir gesellschaftsfähige Orte schaffen, die über das Errichten von Gebäuden hinausgehende Werte bieten.

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