St. Pölten Konkret

Habt Acht! Der neue Militärkommandant im Interview

02.01.2017, von Martin Koutny

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Im Bild (1/4): Der neue Militärkommandant Brigadier Mag. Martin Jawurek kündigt die Stationierung einer 80 Mann straken Kompanie Militärstreife bzw. Militärpolizei in der Landeshauptstadt an. (Foto: Josef Vorlaufer)
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Im Bild (2/4): St. Pölten Konkret-Chefredakteur im Gespräch .... (Foto: Josef Vorlaufer)
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Im Bild (3/4): ... mit dem neuen Militärkommandanten für Niederösterreich Brigadier Mag. Martin Jawurek. (Foto: Josef Vorlaufer)
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Im Bild (4/4): Brigadier Mag. Martin Jawurek bekennt sich zur Partnerschaft zwischen dem Militärkommando und der Stadt. (Foto: Josef Vorlaufer)

Mit der Kommandoübergabe am 23. November 2016 wurde Brigadier Mag. Martin Jawurek offiziell zum Militärkommandanten von Niederösterreich ernannt. Der 50-jährige ist nun der Befehlshaber über 7.700 Soldatinnen und 18 Kasernen in Niederösterreich. Im Exklusiv-Interview spricht er über seine Aufgaben, die Reform des Bundesheeres, aktuelle Bedrohungsszenarien, Jobangebote und was sich die Bevölkerung vom Militär künftig erwarten kann.

Jawurek schloss seine Ausbildung 1988 an der Militärakademie in Wiener Neustadt ab. Nach der Generalstabsausbildung war er in verschiedenen Führungspositionen tätig. Der Brigadier sammelte auch international Erfahrung, beispielsweise bei Einsätzen in Zypern und Bosnien, wo er als „National Contingent Commander“ die Mission leitete. Jawurek ist der nunmehr zehnte Kommandant des Militärkommandos Niederösterreich, das seit 1968 seinen Sitz in St. Pölten hat. Der gebürtige Kremser folgt Brigadier Mag. Rudolf Striedinger, der im April 2016 die Leitung des Heeres-Abwehramtes übernommen hat.

St. Pölten Konkret-Chefredakteur Martin Koutny führte mit dem neuen Militärkommandanten das folgende Interview:

St. Pölten Konkret: Welche primären Aufgaben haben Sie als Militärkommandant von Niederösterreich zu erfüllen?

Jawurek: Man kann die Aufgaben eines Militärkommandanten in zwei Bereiche aufteilen. Der eine Bereich ist das Führen des Militärkommandos. Da bin ich für die nachgeordneten Dienststellen verantwortlich, wie z.B. das Jägerbataillon 12 in Amstetten, den Truppenübungsplatz Allentsteig und drei Dienstbetriebe, die mit Soldaten und Einrichtungen in jeder Kaserne in Niederösterreich für den Betrieb der Infrastruktur sowie für Services zuständig sind. Mit 1. Jänner 2017 wurden dem Militärkommando auch drei militärische Servicezentren unterstellt, die für den Erhalt der Infrastruktur zuständig sind. Das wurde bisher durch das Verteidigungsministerium erledigt. Mit Jahreswechsel sind etwa 140 Bedienstete im zivilen Bereich beim Militärkommando Niederösterreich für diese Aufgaben dazugekommen. In meinen Verantwortungsbereich fällt zudem die Miliz, das umfasst beispielsweise das Jägerbataillon Niederösterreich, eine Pionierkompanie und derzeit drei Jägerkompanien. Das Stellungswesen ist ebenfalls ein wichtiger Bereich meiner Tätigkeit: Immerhin betreuen wir hier jedes Jahr 10.000 junge Männer, die zu uns in die Stellungsstraße kommen. In all diesen Tätigkeiten werde ich von einem Stellvertreter und einem ganzen Stab an Mitarbeitern unterstützt, die den Normbetrieb führen und für mich – wenn notwendig – Entscheidungen aufbereiten.
Meine zweite wesentliche Aufgabe als Militärkommandant ist die Repräsentation als oberster Vertreter des Bundesheeres in Niederösterreich. Hierbei obliegt es mir, die Verbindung mit Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und allen Behörden zu halten. Diese Tätigkeit nimmt den Hauptteil meiner Zeit in Anspruch.

St. Pölten Konkret: Dem Österreichische Bundesheer wurde in den letzten Jahren ein harter Sparkurs verordnet. Unter Verteidigungsminister Mag. Hans-Peter Doskozil wird das Budget erstmals seit sechzehn Jahren aufgestockt und zwar um 1,7 Milliarden Euro bis 2020. Was sind die wichtigsten Ziele bei der Neuausrichtung des Heeres?

Jawurek: Bis 2020 werden rund 1,2 Milliarden Euro für Beschaffungen und rund 500 Millionen Euro für die Infrastruktur österreichweit ausgegeben. Der Zweck der Neuausrichtung ist, dass das Bundesheer angemessene und adäquate Reaktionen auf die derzeitigen und erwartbaren Bedrohungen, sowohl im In- als auch im Ausland, setzen kann.

St. Pölten Konkret: Welche Bedrohungsszenarien sehen Sie aktuell und wie wird darauf reagiert?

Jawurek: Wir beschäftigen uns z. B. mit der Abwehr von Cyberangriffen, der Unterstützung des Innenministeriums bei der Abwehr von Terroranschlägen und dem Schutz kritischer Infrastruktur. Vor allem im Bereich der kritischen Infrastruktur gibt es sehr viele Schutzobjekte, wie z.B. Kraftwerke. Selbstverständlich sind auch die Flüchtlingsproblematik und der damit verbundene Grenzschutz ein wichtiges Thema. Unser Ziel ist es, die rasche Verfügbarkeit von Soldaten deutlich zu erhöhen, die Abläufe effektiver zu machen, und maßgeschneiderte Schutzpakete zur Verfügung zu stellen. Das führt zu einer Spezialisierung der Brigaden im Bundesland. Mit dem 1. Jänner 2017 wird die 3. Panzergrenadierbrigade in Mautern zum Kommando schneller Einsätze umgewandelt. Die Neuorientierung des Bundesheeres führt auch zur Bildung neuer Einheiten: Mit 2017 wird eine 80 Mann starke Kompanie Militärstreife bzw. Militärpolizei in der Landeshauptstadt neu aufgestellt. Das sind aber nur einige Beispiele von zahlreichen Maßnahmen. Selbstverständlich bleibt der Katastrophenschutz auch in der Zukunft eine Kernaufgabe des Bundesheeres.

St. Pölten Konkret: Gibt es auch Änderungen in der Kommandostruktur?

Jawurek: Ja. Zusätzlich zur Spezialisierung der Brigaden wird die Rolle der Militärkommanden aufgewertet. Sie dürfen nun mehr Verantwortung tragen und mit 1. Oktober 2016 wurden ihnen auch Kampfbataillone direkt unterstellt, in Niederösterreich ist das das in Amstetten stationierte Jägerbataillon 12. Weiters hat das Militärkommando die Hauptzuständigkeit für die Miliz übertragen bekommen und ist zudem für das Führen aller Einsätze im Inland zuständig.

St. Pölten Konkret: Welche Anschaffungen werden in Niederösterreich getätigt und wie wird die Bevölkerung davon profitieren?

Jawurek: Es gilt: Je besser das Bundesheer ausgestattet ist und je effektiver es zum Einsatz kommen kann, umso höher ist der Schutz für die Bevölkerung. Anschaffungen werden aber nicht für einzelne Bundesländer getätigt sondern österreichweit. Die Miliz wird künftig die gleiche moderne Ausstattung erhalten, wie die aktiven Streitkräfte. So erhalten z.B. die gesamten Streitkräfte neue Helme, die wesentlich funktioneller sind und mehr Schutz bieten. Jede Kaserne wird auch neue geschützte Fahrzeuge bekommen. Es wird aber auch kräftig in die Infrastruktur investiert. In Niederösterreich sind es 2017 immerhin etwa 31 Millionen Euro. Das Geld fließt unter anderem in die Modernisierung von Unterkünften, um für neue SoldatInnen, die wir anwerben wollen, attraktiv zu sein. In der Garnison Melk werden in den nächsten Jahren 30 Millionen Euro investiert. Ende Jänner erfolgt dazu der Spatenstich. Hier wird ein großes Areal mit Werkstätten und Lagerflächen für Katastrophenschutzausrüstung bebaut. Zusätzlich werden auch Unterkünfte neu adaptiert.

St. Pölten Konkret: Die Schließung weiterer Kasernen in Niederösterreich ist also derzeit kein Thema mehr?

Jawurek: Es bleibt bei 18 Kasernen und zwei Kommandogebäuden in Niederösterreich. Die „Hesser-Kaserne“ in St. Pölten ist ein Kommandogebäude, weil hier keine Truppe mehr stationiert ist. Ich hoffe allerdings, dass dieses Kommandogebäude mit dem Einzug der Militärpolizei wieder eine echte Kaserne wird.

St. Pölten Konkret: Wird es mehr SoldatInnen und Kaderpersonal geben?

Jawurek: In Hinblick auf die zusätzlichen Aufgaben der Militärkommanden und der Umsetzung der Neuorientierung des Bundesheeres muss natürlich der Personalstand erhöht werden. Wir haben in Österreich derzeit etwa 2.200 rasch verfügbare Kadersoldaten. Diese Zahl soll bis 2020 auf bis zu 6.000 steigen. Überhaupt sollen in den nächsten vier Jahren beim Österreichischen Bundesheer rund 9.800 Bedientete aufgenommen werden, in Niederösterreich werden es rund 2.000 sein. Wichtig ist hier, dass wir in allen Kasernen neue Leute suchen und damit ein bedeutender regionaler Arbeitgeber sind.

St. Pölten Konkret: Wie wollen Sie mehr Interesse für den Grundwehrdienst und für eine Berufslaufbahn beim Bundesheer wecken?

Jawurek: Wir wollen erreichen, dass sich mehr junge Männer und vor allem auch Frauen für eine Karriere als BerufssoldatIn entscheiden. Das Bundesheer bietet jetzt wieder eine lebenslange Anstellung mit einer besseren Bezahlung, eine moderne Ausstattung und attraktive Unterkünfte. Wir wollen auch wieder mehr junge Männer dazu bringen, den Grundwehrdienst zu leisten. Derzeit ist der Anteil an Zivildienern überaus hoch. Die ersten Reformen greifen und wir sehen bereits jetzt mehr Interesse bei den Grundwehrdienern. Nach abgeleistetem Wehrdienst wollen wir auch die Zahl jener, die in der Miliz verfügbar bleiben oder sich auf Zeit verpflichten, erhöhen.

St. Pölten Konkret: Welche spezielle Maßnahmen werden gesetzt?

Jawurek: Zu den einzelnen Stellungsterminen, sind stets die jungen Männer aus ein und derselben Stadt oder Gemeinde aufgerufen. Die zu diesen Heimatorten nächst gelegenen Kasernen und Verbände machen dann Präsentationen in St. Pölten, währen sich die jungen Wehrpflichtigen bei der Stellungskommission aufhalten. Das ist Bundesheer zum Angreifen. So bekommen die Jungen einen direkten Bezug und wir merken, dass damit das Interesse am Militärdienst sehr gut geweckt werden kann.

St. Pölten Konkret: Wie bzw. wo kann man sich für den Militärdienst bewerben?

Jawurek: Informieren und bewerben kann man sich am besten auf der Homepage www.bundesheer.at. Zusätzlich wird das Service von Wehrdienstberatern angeboten, die eine individuelle und maßgeschneiderte Beratung vornehmen. Das sollte man auf jeden Fall in Anspruch nehmen.

St. Pölten Konkret: Welche Möglichkeiten für einen Berufseinstieg beim Bundesheer gibt es?

Jawurek: Für den Berufseinstieg gibt es verschiedene Varianten: Man kann sich zum Beispiel zum Kader als Zeitsoldat melden. Da verpflichte man sich z.B. für drei Jahre als Infanterist und kann dann in eine Berufslaufbahn umsteigen. Oder jemand sagt von Haus aus, er möchte einrücken und Berufssoldat werden: Wer sich bereits zu Beginn des Einrückens verpflichtet, bekommt von Anfang an mehr bezahlt und durchläuft eine zweijährige Ausbildung. Dann ist man bereits Unteroffizier. Es werden die verschiedensten Kräfte gesucht, vom Koch bis zur Soldatin für den Auslandseinsatz.

St. Pölten Konkret: St. Pölten war 1979 die erste Stadt, die mit dem Militär einen Kooperation eingegangen ist. Wie sehen Sie diese Partnerschaft in Hinblick auf den Nutzen für die Bevölkerung?

Jawurek: Ich halte diese Partnerschaft für sehr wichtig. Die Voraussetzung für das Funktionieren ist, dass sich die Partner gut kennen. Dann kann man einen Mehrwert für beide Teile erzielen. Um dieses gegenseitige „Kennen“ zu fördern, gibt es regelmäßig Partnerschaftsveranstaltungen. Dadurch ist die Zusammenarbeit mit der Stadt eine echte, aktiv gelebte Partnerschaft. Für mich ist - in klarer Befolgung des Volksentscheids von 2013 für eine allgemeine Wehrpflicht - wesentlich, das Österreichische Bundesheer in die Gesellschaft zu integrieren. Gute Beispiele sind hier die Staatsvertragsfeiern am St. Pöltner Rathausplatz. Durch die enge Zusammenarbeit können wir das Ziel, vor allem bei Krisen- und Katastrophenfällen der Bevölkerung mehr Sicherheit geben zu können, erreichen. Die Kooperation hat sich in den fast vier Jahrzehnten des Bestehens bereits mehrfach bewährt.

St. Pölten Konkret: Im Jahr 2025 ist das Österreichische Bundesheer ….?

Jawurek: …für die neuen Herausforderungen gerüstet und die Neuorientierung abgeschlossen. Mehr junge Männer versehen ihren Dienst beim Militär und der Frauenanteil beim Bundesheer liegt bei 10%.

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