St. Pölten Konkret

So wird St. Pölten weiterentwickelt

04.01.2017, von Martin Koutny

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Im Bild (1/1): Stadtplaner DI Jens de Buck und Ing. Andrea Wiener präsentieren die Details des neuen Stadtentwicklungskonzeptes. (Foto: Josef Vorlaufer)

Vor kurzem wurde das neue Integrierte Stadtentwicklungskonzept ISEK 2016 St. Pölten fertiggestellt und vom Gemeinderat beschlossen. Gemeinsam mit dem Grünraumkonzept und dem Generalverkehrskonzept sind mit dem neuen Stadtentwicklungskonzept nun die Weichen für die Entwicklung der Landeshauptstadt in den nächsten 10 bis 15 Jahren gestellt.

„In St. Pölten wurde 1992 erstmals ein Stadtentwicklungskonzept erstellt, das in den vergangenen 25 Jahren erfolgreich umgesetzt wurde. Das Ende des zeitlichen Planungshorizontesdes alten Stadtentwicklungskonzeptes war erreicht und daher erfolgte die Überarbeitung bzw. digitale Neuerstellung. Zudem sind für die Zukunft auch wesentliche Änderungen der Grundlagen sowie Veränderungen der Stadtstruktur zu berücksichtigen“, berichtet der Leiter der Stadtplanung im Magistrat, DI Jens de Buck.

Seit Jänner 2012 wurde daher gemeinsam von den Fachabteilungen der Stadt St. Pölten und dem Raumplanungsbüro Emrich Consultingund unter Einbindung der Bevölkerung mit einem Beteiligungsverfahren an der Erstellung des neuen Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes gearbeitet.

Was ist das Stadtentwicklungskonzept?
Das Stadtentwicklungskonzept ist das Bindeglied zwischen Grundlagenforschung und dem Örtlichen Raumordnungsprogramm, insbesondere dem Flächenwidmungsplan. Es fasst nicht nur die einzelnen Fachkonzepte der Stadt, wie das Landschaftskonzept, Verkehrskonzept, diverse Planungsleitbilder sowie die Ergebnisse der Grundlagenforschung zu einem Gesamtkonzept zusammen, sondern konkretisiert vor allem Ziele des Örtlichen Raumordnungsprogrammes durch eine klare räumliche Zuordnung.

Viel Fläche und ein Plan
Die Landeshauptstadt St. Pölten soll als politischer, kultureller und wirtschaftlicher Mittelpunkt des Bundeslandes Niederösterreich weiter ausgebaut werden. Als voll ausgestattete Landeshauptstadt soll St. Pölten auch landesweit Zentralfunktion und Vorbild auf den Gebieten der Wirtschaft und Versorgung, des Gesundheits- und Sozialbereiches, der Lebensraumgestaltung, der Kultur, der Bildung, der Forschung, der Innovation, der Information und der Kommunikation ausüben.
Das ISEK 2016 geht mit seinem Planungszeitraum 2025+ von einer weiteren Bevölkerungszunahme von derzeit über 53.000 Einwohnern mit Hauptwohnsitz auf 60.000 bis 65.000 Einwohnern aus.
Für eine nachhaltigen Entwicklung soll das Wachstum der Stadt ohne Neuinanspruchnahme von Flächen erfolgen. St. Pölten verfügt über umfangreiche Baulandreserveflächen für den Wohnbau, deren Nutzung vorrangig erfolgen soll. Das Ziel liegt auf einer gezielten Stärkung der Urbanität St. Pöltens durch eine Entwicklung von „Innen“ nach „Außen“. Die Flächenreserven zwischen der historischen Kernstadt und dem Universitätsklinikum besitzen ein immenses Entwicklungspotential und deshalb gibt es dafür bereits verschiedene Bebauungskonzepte.
Neben der Nutzung der Reserveflächen liegt der Fokus der städtebaulichen Entwicklung auch in der attraktiven Umnutzung von Brachflächen. Neben ehemaligen Industriestandorten, wie der Glanzstoff oder der Spitzenfabrik in Viehofen, zählen hierzu auch neue Nutzungsüberlegungen für die Kopalkaserne oder mittelfristig den Voith-Sportplatz.

Stadt der kurzen Wege
Generell soll durch die Verflechtung der Funktionen Wohnen, Arbeiten, Erholung und Versorgung das Mobilitätswachstum begrenzt und eine „Stadt der kurzen Wege" angestrebt werden.
Fußläufige Erreichbarkeiten, Vermeidung von Barrieren, Gewährleistung von Durchlässigkeit sowie zentrale, hochwertige Freiräume und ein attraktives Angebot an sozialer Infrastruktur bilden wichtige Elemente zur weiteren Steigerung der Lebensqualität in der Stadt. Ebenso sind eine hohe Aufenthaltsqualität und Belebung des öffentlichen Raumes wichtig. Dabei müssen auch die Bedürfnisse und Anforderungen der unterschiedlichen Generationen bzw. Kulturen Berücksichtigung finden. „Gerade die gemischten Nutzungen von Wohnen, Handel, Kultur u.a. in einem attraktiven Umfeld, machen unsere Altstadt so interessant und lebenswert. Diese Qualitäten gilt es zu erhalten und weiter auszudehnen, für die Bürger der Stadt aber auch für ihre Besucher“ meint Stadtplaner DI. Jens de Buck, dem eine hochwertige Baukultur bei der Gestaltung des öffentlichen Raumes und bei der städtebaulich-architektonischen Gestaltung der Bauwerke, ein großes Anliegen ist.

Der Wirtschaftsstandort
In vergleichbarer Größenordnung wie die Bevölkerungsentwicklung wird auch die weitere Zunahme der Arbeitsplätze erwartet. Für die Wirtschaft sind dabei die günstigen Standortbedingungen zu sichern und auszubauen, um so die Grundlagen für ein umfassendes Angebots an hochwertigen Arbeitsplätzen zu schaffen. Das bedingt auch eine enge Zusammenarbeit von Betrieben mit den Bildungseinrichtungen in der Stadt.
Schwerpunkt der gewerblichen Standortentwicklung wird neben Erweiterungsflächen in den Gewerbeparks von Radlberg und Ratzersdorf insbesondere das neu erschlossene Areal NOE Central in Hart - Wörth sein. Hier besteht ein erhebliches Potential eines Industrie- und Gewerbeparks mit weit überregionaler Strahlkraft.
Ein solches Potential besitzt die Stadt auch als Messe- und Veranstaltungsstandort. Und deshalb werden zur Stärkung des Tourismus die Angebote in enger Zusammenarbeit mit dem Land NÖ ausgebaut.
Zur Sicherstellung einer geordneten Entwicklung des niederösterreichischen Zentralraums, als bedeutender Wirtschaftsstandort und Lebensraum in Niederösterreich, bekennt sich die Stadt zu einer engen gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit.

Die Zentren der Stadt
Neben der historischen Kernstadt – dem Stadtzentrum – mit dem angrenzenden Regierungsviertel und Kulturbezirk sollen die in den letzten Jahrzehnten entwickelten und gewachsenen Stadtteilzentren im Norden stabilisiert und im Süden der Stadt revitalisiert werden. Prägend für die Zentren soll Urbanität, Vielfalt (Verwaltung, Einzelhandel, Wohnen, Kultur, Tourismus, Bildung, Gesundheitseinrichtungen, Freizeitgestaltung / Unterhaltung) und Nutzungsmischung (horizontal & vertikal) sein. Insbesondere der Erhaltung der Wohnfunktion kommt hier große Bedeutung zu. Daneben wird in den Stadtteilen, abhängig von ihrer Größe, eine Nahversorgung mit den wichtigsten Gütern des täglichen Bedarfs angestrebt.

Kulturlandschaft und Landwirtschaft
St. Pölten wird auch aufgrund der großen Flächenausdehnung – historisch bedingt durch den Zusammenschluss von 42 Katastralgemeinden – als Stadt mit sehr hohem Grünraumanteil wahrgenommen. Für die Erhaltung und Entwicklung der Frei- und Grünräume im Stadtgebiet, sowie die außerhalb des Siedlungsgebietes liegende Kulturlandschaft mit ihren Anteilen naturnaher Landschaftsräume ist das Landschaftskonzept St. Pölten 2010 Grundlage. Die Traisen - Begleitflächen sollen als Bestandteil des regionalen Grünzuges, sowie als Rückgrat der „Grünen Adern“ das zentrale, großräumig zusammenhängende Erholungsgebiet, mit naturnahen Abschnitten, für die Bevölkerung darstellen. Für das Kleinklima der Stadt sind Ost – West - Durchlüftungsschneisen (Frisch- und Kaltluftzufuhr) vorzusehen. Für eine nachhaltigen Stadtentwicklung sind für die wachsende Stadt potentielle Naherholungsgebiete langfristig zu sichern.
Der Landwirtschaft kommt auch wegen der regionsbezogenen und lokalen Versorgung der Bevölkerung und wegen der Erhaltung der Kulturlandschaft große Bedeutung zu. Zur Sicherung der Landwirtschaft sollen in produktiven Lagen abseits der urbanen Siedlungsentwicklung große, zusammenhängende Landwirtschaftsflächen erhalten bleiben.

Die soziale Infrastruktur
St. Pölten ist der Bildungshotspot in NÖ. Die Kinderbetreuungs- und Bildungseinrichtungen für unterschiedliche Altersgruppen sollen daher, eng an die Stadtentwicklung geknüpft, weiter entwickelt werden. Im Sinne einer vollwertigen Landeshauptstadt wird aber auch die Bedeutung der Stadt als universitärer Bildungsstandort weiter forciert.
Die im Visionsprozess 2020 angestrebte Gesundheitsstadt St. Pölten konnte mit der Aufwertung zum Universitätsklinikums einen wichtigen Meilenstein erreichen. In der nächsten Stufe kann der Stadtraum zur Altstadt um vielfältige weitere gesundheitsorientierte Versorgungseinrichtungen im Sinne einer angestrebten Maximalversorgung der Bevölkerung ergänzt werden. Grundsätzlich wird in der Stadt die flächendeckende soziale und gesundheitliche Betreuung und Pflege aller Altersgruppen und unterschiedlichen Bedürfnissen entsprechend weiter ausgebaut.

Verkehrsentwicklung
Im 2015 fertiggestellten städtischen Generalverkehrskonzept sind die Zielsetzungen der Mobilitätsabwicklung formuliert. Ein Mehr an Lebensqualität kann nur durch ein Weniger an KfZ-Verkehr einhergehen. Da aber die prognostizierte Zunahme an Einwohnern und Arbeitsplätzen automatisch mit wachsenden Mobilitätsbedürfnissen verbunden ist, wird der Schwerpunkt der Verkehrsmaßnahmen, neben notwendigen Netzergänzungen, vor allem auf dem Verkehrsarten des Umweltverbundes liegen – also der aktiven Förderung des Öffentlichen Verkehrs, des Radverkehrs und des Zufußgehens. Insbesondere bei der Entwicklung der neuen Siedlungen und Stadtteile wird hierauf Bedacht genommen. Diese Maßnahmen unterstützen die Bemühungen zur Verbesserung der Lärmsituation und der Luftgüte in der Stadt.

Die Bürger und ihre Stadt
Um die Identifikation der St. PöltnerInnen mit ihrer Stadt weiter zu stärken, sollen die BürgerInnen umfassend informiert und in Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Dies hat sich bei der Entstehung dieses neuen Stadtentwicklungskonzeptes schon sehr bewährt. Sowohl am Beginn als auch am Ende des umfassenden Planungsprozesses wurden die interessierten Bürger in Veranstaltungen informiert und zur Mitarbeit angeregt. Viele der eingebrachten Ideen konnten so in den Projektbericht als auch die vom Gemeinderat beschlossene Verordnung übernommen werden.

Die nächsten Schritte
[left]Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept sowie der komplett überarbeiteten Flächenwidmungsplan wird nun zur Genehmigung beim Land Niederösterreich eingereicht. Nachdem die inhaltliche Abstimmung bereits vorab erfolgte, kann mit einer Zustimmung seitens des Landes in der ersten Jahreshälfte 2017 gerechnet werden.[/left]

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