St. Pölten Konkret

St. Pölten bekommt einen „Frauenplatz“

12.03.2019, von Martin Koutny

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Im Bild (1/3): St. Pölten bekommt einen Frauenplatz in der Innenstadt. (Foto: Josef Vorlaufer)
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Im Bild (2/3): Der Kreuzungsbereich der Linzer Straße mit der Prandtauerstraße wird.... (Foto: Josef Vorlaufer)
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Im Bild (3/3): .. in Frauenplatz umbenannt. (Foto: Josef Vorlaufer)

Jeder kennt den „Herrenplatz“ in der Landeshauptstadt. Einen „Frauenplatz“ gibt es bisher (noch) nicht. Das wird sich nun ändern. Der Kulturausschuss stellte gestern die die Weichen für eine ganze Reihe von Straßenbenennungen, die in der nächsten Sitzung des Gemeinderates beschlossen werden sollen.

„Im Jubiläumsjahr 100 Jahre Frauenwahlrecht wollen wir bewusst ein weiteres Zeichen setzen und benennen den Kreuzungsbereich der Linzer Straße mit der Prandtauerstraße in Frauenplatz um. Dieser Platz ist ein Symbol für die Gleichstellung der Frauen. Damit sollen im öffentlichen Raum die Leistungen der Frauen sichtbar gemacht und die Gesamtgesellschaft abgebildet werden. Wenn es schon einen Herrenplatz gibt, dann muss es auch einen Frauenplatz für die anderen 50% der Bevölkerung geben. Er soll aber auch an bedeutende Frauen unserer Stadt, die von hier ausgehend Großes bewirkt haben, erinnern“, sagt Bürgermeister Mag. Matthias Stadler.

Die Örtlichkeit des neuen Frauenplatzes ist gut gewählt, denn zum einen erhielten im ehemaligen Institut der Englischen Fräulein Persönlichkeiten wie Enrica von Handel-Mazzetti, Maria Theresia und Julia Ledächowska, Paula von Preradovic u.a ihre Schulbildung und auf der anderen Seite die Bezirksorganisation der SPÖ mit Frauenrechtsvertreterinnen wie Maria Emhart, Hulda Maria Mical oder Mathilde Bayerknecht. Darüber hinaus hat eine weitere bedeutende Persönlichkeit der Stadt, Maria Antonia Montecucculi, Stifterin des ehemaligen Karmeliterinnenkloster, seit 2017 in unmittelbarer Nähe des Platzes, in der ehemaligen Karmelitinnenkirche, ihre letzte Ruhestätte gefunden.

12 weitere Straßenbenennungen

Der Kulturausschuss legt aber nicht nur die Neubenennung des „Frauenplatzes“ dem Gemeinderat für die Sitzung am 28. März vor, sondern auch eine ganze Reihe anderer Straßen, verteilt über das ganze Stadtgebiet. Mit der Straßenbenennung wird die Geschichte der Menschen dieser Stadt wieder lebendig und sichtbar gemacht:

Katastralgemeinde Unterradlberg:
Die neue Straße an der Ostseite der Cernystraße zwischen der Tiroler Straße und der Neugebauerstraße erhält den Namen „Probusstraße". Benannt nach dem römischen Kaiser Marcus Aurelius Probus (276-282), der angeblich den Wein in den Nordprovinzen eingeführt haben soll. Ganz in der Nähe der Straße, am Gelände der Firma Egger, wurde bei Grabungen ein Gutshof aus der zweiten Hälfte des. 3. Jahrhunderts, also etwa zur Regierungszeit von Kaiser Probus, freigelegt.

Katastralgemeinde Ratzersdorf an der Traisen:
Die Straße zwischen der Liese Prokop-Allee und dem E-Werk Weg erhält den Namen „Grießlerstraße". Benannt nach dem letzten Bürgermeister der selbständigen Ortsgemeinde Ratzersdorf Anton Grießler (ab 1956).

Der in nordöstlicher Verlängerung der Rudolf Carl-Gasse geplante und zum Teil in der Natur vorhandene Straßenverlauf, erhält bis zur Kneippgasse den Namen „Rudolf Carl-Gasse".

Katastralgemeinde Pottenbrunn:
Die Straße zwischen dem Bründlweg und der Amtsstraße erhält den Namen „Haitzmannstraße". Benannt nach dem im 17. Jahrhundert in Schloss Pottenbrunn arbeitenden aus Bayern stammenden Maler Johann Christoph Haitzmann, der sich 1667, nach einem Anfall in der Pottenbrunner Kirche, sein Teufelsbündnis bekannte, daraufhin in Mariazell mehrfach exorziert wurde und 1681 schließlich Profess als Barmherziger Bruder in Wien ablegte. Die Quellen zu Haitzmann, darunter auch ein selbstangefertigtes Tagebuch mit Teufelsbildern, befinden sich in der Österreichischen Nationalbibliothek.

Katastralgemeinde Spratzern:
Die auf dem ehemaligen Areal der Kopal-Kaserne von der B 20-Mariazeller Straße nach Westen führende Straße erhält auf einer Länge von ca. 600 m den Namen „Severstraße". Benannt nach dem sozialdemokratischen Landeshauptmann von Niederösterreich Albert Sever (20. Mai 1919— 10. November 1920). Bekannt war er vor allem durch die so genannten "Sever-Ehen", die geschiedenen Katholiken die Wiederverheiratung möglich machten.

Die von der Schulze Delitzsch-Straße in nördlicher Richtung führende und die neue Severstraße querende Straße erhält auf einer Länge von ca. 400 m den Namen „Andreas Maurer-Straße". Benannt nach dem NÖ Landeshauptmann Andreas Maurer (1966-81): Während seiner Amtszeit wurde u.a. die Kommunalstruktur reformiert sowie ein Modernisierungsprozess auf mehreren Gebieten (Niederösterreichisches Pflichtschulgesetz 1972, Raumordnungsgesetz, Naturschutzgesetz 1976, neue Landesverfassung) eingeleitet. In seine Amtszeit fiel auch die große Gemeindereform im Jahr 1970, mit der die Anzahl der Gemeinden in Niederösterreich von 1281 von einigen kleinen Änderungen abgesehen auf die heutigen 573 reduziert wurde.

Die südliche Verlängerung der Wiedenstraße erhält bis zur Severstraße ebenfalls den Namen „Wiedenstraße".

Die zwischen der Schönpfluggasse und der Lolitastraße südlich und parallel zur Wörther Straße verlaufende neue Straße erhält den Namen „Porodstraße". Benannt nach der Gemeinderätin und Stadträtin der Jahre 1965 bis 1970, Anna Porod. Porod war u. a. Fürsorgerätin, Bezirksvorsitzende der Volkshilfe und gemeinsam mit Mathilde Beyerknecht lnitiatorin für das Seniorenheim am Eisberg. 1978 erhielt sie das goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich sowie 1979 das Ehrenzeichen der Stadt St. Pölten.

Der Verlauf der Ernst Maerker-Straße wird im nördlichen Bereich geändert und mit einer Brücke über die B20-Mariazeller Straße in westlicher Richtung bis zur Zdarskystraße geführt. Dieser neue Straßenabschnitt erhält den ebenfalls den Namen „Ernst Maerker-Straße".

Katastralgemeinde Harland:
Die von der Rosa Jochmann-Gasse in nördlicher Richtung führende Straße erhält auf einer Länge von ca. 40 m den Namen „Pelzstraße". Benannt nach dem 1895 in St. Pölten geborenen Autor des 1936 verfassten weltberühmten Romans Titanic, Josef Pelz von Felinau.

Die vom Brombeerweg in nördlicher Richtung führende Straße erhält auf einer Länge von ca. 40 m den Namen „Nitterlstraße". Benannt nach dem Gewichtheber Franz Nitterl, dem ersten St. Pöltner Olympioniken (1928)

Katastralgemeinde Ochsenburg:
Die neue Straße von der Fabrikstraße in südwestlicher Richtung verlaufend und dann wieder rechtwinkelig in die Fabrikstraße einbindend erhält den Namen „Faschingstraße". Benannt nach dem St. Pöltner Weihbischof Dr. Heinrich Fasching(1993-2014). Der 1940 geborene Geistliche war ab 1970 Ordinariatskanzler der Diözese St. Pölten und Direktor des Diözesanbauamtes, 1991 wurde er Generalvikar. 1993 schließlich ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof und Titularbischof von Acci.


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