St. Pölten Konkret

Von der Vision zur Wirklichkeit – Fittest City St. Pölten

16.07.2015, von Heinz Steinbrecher

projekt aal living city
Im Bild (1/2): Ing. Peter Sonnleithner, Hon. Prof. (FH) Dr. Bernhard Rupp, MBA, Bürgermeister Mag. Matthias Stadler, Prof. Dr. Andreas Kumpf, Mag. Martin Bosch und Christoph Schwarz freuen sich über die Förderzusage.
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Im Bild (2/2): Bis Ende 2016 entstehen in der Living City in Viehofen 64 Wohnungen.

Auf dem Weg zur „Fittest City of Austria“ hat die Stadt St. Pölten nunmehr die Zusage über eine namhafte Projektförderung durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft erhalten.

Aus dem 2006 gestarteten Visionsprozess wurden Ziele, Methoden und Inhalte des Masterplans St. Pölten 2020 formuliert, aus welchen wiederum drei Visionskandidaten finalisiert wurden. Die Etablierung der Stadt als eine proaktive Gesundheitsstadt mit dem Ziel „Fittest City of Austria“ zu werden, ist eine dieser Zukunftsentwürfe. Es umschließt die Bereiche Genuss, Lifestyle sowie Gesundheit und zielt explizit auf die Gesundheitswirtschaft und auf ein angewendetes Sozialmanagement ab. Die Grundlagen hierfür sind neben einem vorliegenden Stadtentwicklungskonzept, ein Generalverkehrskonzept und die Aktivitäten innerhalb des „Kooperationsnetzwerk Europäischer Mittelstädte“ deren Vorsitz St. Pölten hat.

Im grundlegenden Ansatz von „Fittest City of Austria“ sollen alle von der Gemeinde beeinflussbaren Faktoren nach den Grundsätzen „Health in all policies“ als Querschnittmaterien in eine Gesamtstrategie zusammengefasst werden. Diese umfassen alle Beiträge zur Steigerung von Lebensqualität und Wohlbefinden durch Gesundheitsförderung, Prävention, Akut- und Langzeitversorgung der BewohnerInnen.

Weitere relevante Vorprojekte:

  • Klimabündnisgemeinde St. Pölten seit 1991
  • Baurechtsaktion für Familien seit 2001
  • Visionsprozess St. Pölten 2020
  • Gefördertes Innenstadtwohnen seit 2006
  • Living City – gesundheitsförderndes Wohnen seit 2009
  • „St. Pölten auf gesundem Wege“ Gesundheitswissenschaften FH St. Pölten (Digital Healthcare, Auswirkungen des demographischen Wandels) seit 2014
  • Europan 13 - internationaler Städtebauwettbewerb für das WWE Areal (8 ha) von 2014 – 2015
  • Gemeinsame Vermarktung von Sport-Events seit 2015
  • Wohnungsoffensive 2015

Förderzusage über 98.604 Euro
Um das Ziel „Fittest City St. Pölten“ zu erreichen, wurde ein Förderantrag an die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) in diesem Jahr gestellt. Die Stadt St. Pölten hat von der FFG unter dem Projekttitel: AAL Integrationsfähigkeit in ein Smart City Projekt im urbanen Raum mit Fokus auf eine proaktive Gesundheitsstadt“ den Förderzugschlag erhalten. (AAL – Altersgerechte Assistenzsysteme für eine höhere Lebensqualität im Alter). Damit wurde eine Gesamtfördersumme im Umfang von 98.604 Euro zugesichert.

Bürgermeister Mag. Matthias Stadler: „Mein großer Dank gilt all jenen 18 Institutionen, welche ihre Unterstützung mittels LOI kurzfristig zugesagt haben: Allgemeine gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft St. Pölten, AMS St. Pölten, GWT Aus- und Weiterbildung GmbH, Hypo NÖ, Kabelplus, Karl Landsteiner Universität, Living City Errichtungs- und Betriebs GmbH, New Design University, NÖ GKK, NÖ Versicherung, Pensionistenverband NÖ, Plattform St. Pölten 2020, Siemens AG Österr., Sparkasse NÖ Mitte West AG, Volkshilfe Bezirksverein St. Pölten, Wiener Städtische Versicherung, WIFI NÖ, WKNÖ.“

Projektpartner:
Stadt St. Pölten, Zukunftsentwicklung, Wirtschaft und Marketing
Hon. Prof. (FH) Dr. Bernhard Rupp, MBA
Prof. Dr. Andreas Kumpf, WPU Wirtschaftspsychologische Unternehmensberatung GmbH
Dr. Johannes Kropf, AIT Austrian Institute of Technology
Mag. Martin Bosch, Living City – Errichtungs- und Betriebs GmbH

Lebensqualität im Alter mittels altersgerechter Assistenzsysteme - ein zukunftweisendes Forschungsprojekt in St. Pölten
Ein breit angelegtes Forschungsprojekt begleitet St. Pölten auf dem Weg zur Verwirklichung der SMART City-Vision. Ein interdisziplinäres Forscherteam und die Stadt St. Pölten verfolgen dabei das ambitionierte Ziel die „fittest City of Austria“ zu werden. Im ersten Schritt stehen Assistenzsysteme für ältere Menschen im Vordergrund. Hierbei werden auf Gesundheitsthemen, medizinische wie soziale Versorgungssicherheit, Vorsorge, Selbstbestimmtheit und eine hohe Lebensqualität besonders geachtet. Diese Themen spielen sich vor dem Hintergrund des zu erwartenden demografischen Wandels ab.
In Europa erhöht sich der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung, zudem steigt die Lebenserwartung stetig an. Beides zusammen führt zu einer Mehrheit der älteren Bevölkerungsgruppe bei gleichzeitig weniger jüngeren Menschen. Umfasste die Gruppe der über 65-Jährigen im Jahr 2000 noch knapp 16 Prozent, so wird sie sich bis zum Jahr 2050 mehr als verdoppelt haben. Im Jahr 2035 wird beinahe jeder Zweite älter als 50 Jahre sein. Mancherorts wird dieser Entwicklungsverlauf auch mit einer zu erwartenden Pflegelücke in Verbindung gebracht. Können wir ab 2030 die Lebensqualität der älteren Bevölkerungsgruppe noch auf hohem Niveau halten oder gar ausbauen? Um diesen Entwicklungstendenzen bereits heute proaktiv begegnen zu können, wird an assistiven Technologien geforscht, welche die Lebensqualität und Selbstbestimmtheit der älteren Menschen auf hohem Niveau halten kann.

Hon. Prof. (FH) Dr. Bernhard Rupp, MBA ergänzt, dass der Masterplan „fittest city of Austria“ als eine Art Schirm-Programm zu verstehen sei, unter welchem sich vielfältige themenbezogene Einzelprojekte in koordinierter Weise entwickeln werden.
Die Attribuierung „fittest“ city“ – wird in einem umfassenden Sinn verstanden.
„Fit“ wird einerseits im Sinn von gesund und/oder leistungsfähig verstanden (für gesunde und/oder leistungsfähige BürgerInnen der Stadt St. Pölten), andererseits wird „fit“ im Sinn von „anpassungsfähig“ oder „angepasst“ angewendet (und bezieht sich auf die Anpassung an sich im Lebenslauf ändernde Bedürfnisse der BürgerInnen). Letztlich wird im Masterplan auch die Fitness der Stadt St. Pölten angesprochen, die Bedingungen für leistungsfähige und anpassungsfähige Unternehmen und Hochschul- und Forschungseinrichtungen der Gesundheits- und Sozialwirtschaft zu schaffen.

Der Altersforscher und wissenschaftliche Projekt-Koordinator, Prof. Dr. Andreas Kumpf meint dazu: „Bei aller demografischen Entwicklung lautet die Kernfrage nicht, wie sich die Anzahl der Lebensjahre steigern lässt sondern wie wir das alt werden bewusst gestalten und selbst in hohen Jahren noch aktiv genießen. Die Lebensqualität ist das Bedeutungsvolle. Assistive Technologien unterstützen dabei, möglichst lange selbstbestimmt, sozial integriert und bei hoher Vitalität in den eigenen vier Wänden wohnen zu können. Bereits in einigen Jahren werden assistive Technologien im Pflege- und Betreuungsbereich nicht wegzudenken sein. Hierin werden EU-weit große Hoffnungen gelegt, um den begleitenden Effekten des demografischen Wandels positiv zu begegnen und die zu erwartende Pflegelücke zu minimieren. Dies bewirkt auch ein großes Potenzial für neue Betreuungs- und Pflegeberufe und entlastet gleichzeitig die pflegenden Angehörigen.“

Prof. Dr. Andreas Kumpf stellt heraus, „dass assistive Technologien, ähnlich einem Navigationssystem in einem Auto, in kritischen Situationen einfach im Hintergrund funktionieren und das Leben erleichtern. Auch in der Gesundheitsprophylaxe können Assistenzsysteme ebenso gute Dienste leisten wie in der Freizeitgestaltung. Bei allen europäischen bisher in die Praxis umgesetzten Forschungsprojekten zeigte sich, dass nur jene Technik sich durchsetzen wird, die dem Menschen und seinem Umfeld nützt und dies werden sicher keine Roboter sein!“

Das Projekt Living City als wesentlicher integraler Bestandteil der Gesamtplanungen
Das Projekt wurde vor fünf Jahren begonnen und das Areal der Viehofner Spitzenfabrik durch die Living City GmbH von der Stadt erworben. Seither wurden in einem kooperativen Verfahren zwischen Stadt und der Living City Bau GmbH die Vision von Ing. Peter Sonnleithner für ein gesundheitsförderndes Wohnen mit einem zentralen Gesundheits- und Servicezentrum, das noch dazu als erstes CO2-neutrales Stadtquartier ausgeführt werden soll in Angriff genommen. So wird die ehemalige Fabrikhalle unter dem Namen „Die Spitzenfabrik“ künftig als Seminar- und Veranstaltungszentrum dienen. Ebenfalls weitgehend abgeschlossen ist baukulturelle Sanierung des ehemaligen Herrenhauses, das als Servicezentrum für die Bewohner und Besucher und als Firmensitz der Living City-Gruppe Verwendung finden wird.
Am 12. Mai 2015 erfolgte der traditionelle Spatenstich für das erste Wohngebäude für die Generation 50plus in der Living City in Viehofen. Bis Ende 2016 entstehen 64 Wohnungen. Die Vision eines lebendigen Wohnquartiers mit stadtteiloffenen Gesundheits- und Freizeiteinrichtungen beginnt Wirklichkeit zu werden.
„Der Unterschied zu anderen Projekten für betreutes Wohnen liegt darin, dass alle Wohneinheiten barrierefrei ausgestattet sind und eine Betreuung je nach individuellem Bedarf jederzeit möglich ist, aber nicht von vornherein zwingend in Anspruch genommen werden muss. Damit sind die Bewohnerinnen für später gut abgesichert, müssen aber nicht sofort die Kosten dafür tragen“, informieren die Projektbetreiber Ing. Peter Sonnleithner und Mag. Martin Bosch. Bei Bedarf ist die Inanspruchnahme einer professionellen Pflege durch die Kooperation der Living City mit einem professionellen Pflegedienst jederzeit und sehr unbürokratisch möglich.

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