St. Pölten Konkret

Güterzugumfahrung von europaweiter Bedeutung

05.04.2016, von Martin Koutny

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Im Bild (1/3): Die Projektkoordinatoren DI Thomas Moser und Dipl.-Wirtsch.Ing. (FH) Gernot Scheuch, und Projektleiter Dipl.HTL-Ing. Oskar Obermeier sowie Bürgermeister Mag. Matthias Stadler bei den Gleisbauarbeiten der Güterzugumfahrung St. Pölten (Foto: Josef Vorlaufer)
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Im Bild (2/3): Die Betonschwellen mit einem Gewicht von 300 kg pro Stück werden maschinell verlegt. (Foto: Josef Vorlaufer)
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Im Bild (3/3): Die Projektkoordinatoren DI Thomas Moser und Dipl.-Wirtsch.Ing. (FH) Gernot Scheuch, Arbeiter auf der Güterzugumfahrung beim Einmessen der Gleise und Projektleiter Dipl.HTL-Ing. Oskar Obermeier und Bürgermeister Mag. Matthias Stadler. (Foto: Josef Vorlaufer)

Die Bauarbeiten für eines der bedeutendsten Bahn-Infrastrukturprojekte der ÖBB schreiten zügig voran. Die Güterzugumfahrung, zugleich der Lückenschluss St. Pölten – Loosdorf, wird 2017 in Betrieb genommen.

Damit wird nicht nur die Leistungsfähigkeit einer der europaweit wichtigsten Hauptverkehrsadern für die Zukunft erhöht, sondern auch die Lebensqualität und die Sicherheit für die AnrainerInnen der Westbahnstrecke in St. Pölten deutlich verbessert.

Die Weststrecke ist aufgrund der zentralen Lage Teil des „Rhein-Donau-Korridors“ und zählt damit zu dem von der Europäischen Union definierten Kernnetz „Core Network“. Speziell durch die Erweiterung der EU Richtung Osten besteht ein erhöhter Bedarf sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr. Im Güterverkehr führt der viergleisige Ausbau der Weststrecke zwischen Wien und Wels zu einer Verdoppelung der Kapazitäten. Zusätzlich sorgt der Lückenschluss St. Pölten - Loosdorf im Zentrum der Landeshauptstadt für eine deutliche Entlastung vom Güterverkehr sowie für eine entspanntere Lärmsituation. Diese führt wiederum zu einer Verbesserung der Lebensqualität für Anrainerinnen und Anrainer im Stadtzentrum.

Mehr Sicherheit und Lebensqualität
„Eine leistungsfähige Bahnverbindung ist für die Entwicklung eines Wirtschaftsstandortes von grundlegender Bedeutung“, betont Bürgermeister Mag. Matthias Stadler und verweist darauf, dass die niederösterreichische Landeshauptstadt durch den Bahnhofsumbau einen enormen Entwicklungsschub erfahren hat. „Das Infrastrukturministerium investiert in die Bahninfrastruktur in und um St. Pölten über 2,6 Milliarden Euro. Die Güterzugumfahrung ist mit Kosten von rund 855 Mio. Euro die derzeit größte Baustelle in der Stadt und ein wichtiger Impuls für die Bauwirtschaft.“
Auf der Westbahnstrecke werden derzeit noch zahlreiche Gefahrengüter direkt durch das Stadtzentrum und dicht besiedelte Stadtgebiete transportiert. Die Sicherheit wird durch die neue Güterzugumfahrung deutlich erhöht, weil die Güterzüge ab Dezember 2017 künftig in einem weiten Bogen an den dicht besiedelten Gebieten vorbeigeführt werden. Die Lebensqualität wird sich für viele AnrainerInnen verbessern, weil damit auch Lärmbelastung in den Siedlungsgebieten reduziert werden wird.
„Mit der Güterzugumfahrung St. Pölten wird auch die Verlagerung von der Straße auf die Schiene erreicht und für die zukünftigen Generationen eine moderne, leistungsfähige und umweltfreundliche Verkehrsinfrastruktur geschaffen. Denn Qualität und Leistungsstärke der Verkehrsinfrastruktur stehen in engem Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes. Sie stellen die adäquate Basis für einen grenzfreien, europäischen Binnenmarkt mit gesteigerten Ansprüchen im Gütertransport und wachsenden Möbilitätsansprüchen im Reiseverkehr“, fasst Stadler die Pluspunkte zusammen.

Größte Baustelle in der Stadt
Der Lückenschluss St. Pölten - Loosdorf, auch als Güterzugumfahrung St. Pölten (GZU) bekannt, ist eine 24,7 km lange, zweigleisige Hochleistungsstrecke, die im Rahmen des viergleisigen Ausbaus der Weststrecke errichtet wird. Sie verläuft südlich des Stadtzentrums von St. Pölten. Der Ausbau der GZU ist strategisch wichtig, da der Bahnhof St. Pölten in Niederösterreich zu den letzten Nadelöhren der Weststrecke (Wien - Linz) gehört.
Die Güterzugumfahrung St. Pölten wird Ende 2017 fertiggestellt. Die auf 120 km/h ausgelegte neue Trasse zweigt im Osten beim Knoten Wagram von der Bestandstrecke bzw. von der Neubaustrecke Wien - St. Pölten ab. Sie verläuft südlich von St. Pölten entlang der S33, anschließend parallel der A1 Richtung Westen, wo sie im Knoten Rohr wieder in die Bestandstrecke mündet. Das Bauwerk umfasst insgesamt 23 Brückenobjekte und drei Tunnel und zwar den Pummersdorfertunnel (Länge 3,5 km), den Radleitentunnel (Länge 0,4 km und den Bründlkapellentunnel (Länge 0,9 km).

Aktueller Baufortschritt
Im Frühjahr 2015 wurde beim Projekt Lückenschluss St. Pölten - Loosdorf ein großer Meilenstein erreicht: Die Arbeiten der Rohbauphase wurden beim gesamten Projekt abgeschlossen.
Von Osten Richtung Westen wird seiteher mit der eisenbahntechnischen Ausrüstung sowie der Errichtung des Oberbaus begonnen. Das bedeutet die Verlegung der neuen Gleise, das Aufstellen der Oberleitungsmasten oder die Ausrüstung für die betriebliche Zugführung – eben alle notwendigen Ausrüstungen, mit denen der Eisenbahnbetrieb künftig rasch und sicher abgewickelt werden kann.
Nach plangemäßem Abschluss der Arbeiten kann die GZU Ende 2017 in Betrieb genommen werden.

Lärmschutz wird ausgebaut
Für die meisten Menschen ist die steigende Lebensqualität im unmittelbaren Wohnbereich von großer Bedeutung. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, unterliegt der Ausbau der Schieneninfrastruktur strengen Hochleistungsstandards und erfolgt auf neuestem technischem Niveau. Dazu gehört unter anderem, den erforderlichen Lärmschutz vor Schienenverkehrslärm für die Wohnbevölkerung sicherzustellen.
Beim Lückenschluss St. Pölten - Loosdorf wurde vor dem Baustart eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durchgeführt, die für den Lärmschutz sehr strenge Grenzwerte vorgibt. Die schalltechnische Berechnung hat gezeigt, dass eine gemeinsame Lärmschutzwand mit der streckenweise parallel verlaufenden Autobahn nicht den erwünschten Erfolg bringt. Die Wirkung einer Lärmschutzmaßnahme nimmt nämlich mit wachsendem Abstand zur Lärmquelle ab. Um die vorgeschriebenen Grenzwerte für die Schiene zu erreichen ist deshalb eine Lärmschutzwand zwischen Bahntrassse und Autobahn erforderlich. Daher werden an der Strecke beidseitig hochabsorbierte Lärmschutzwände eingesetzt. Sie erzielen den bestmöglichen Lärmschutzeffekt.


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