St. Pölten Konkret

LUP: Angebot wird erweitert, Zukunft ist gesichert

01.12.2015, von Martin Koutny und Peter Zuser

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Im Bild (1/2): Vorrang für den LUP: Die Finanzierung ist bis 2025 gesichert, ab 1. Jänner 2016 gibt es die preiswerte ÖKO-Schopping Monatskarte und Vergünstigungen beim Anruf-Sammeltaxi und nach der Ausschreibung im kommenden Jahr wird ab 2017 das LUP-Angebot beträchtlich erweitert. (Foto: Josef Vorlaufer)
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Im Bild (2/2): Thomas Bohrn, MBA, Geschäftführer des VOR, Bürgermeister Mag. Matthias Stadler und Verkehrsplaner Dipl.-Ing. Hannes Müller aus Zürich präsentieren die Neuerungen für den LUP der Zukunft. (Foto: Josef Vorlaufer)

Gute Nachricht für St. Pölten: Die weitere Finanzierung des LUP durch Bund, Land und Stadt ist gesichert. Mit 1. Jänner 2016 werden die ÖKO-Shopping Monatskarte und die Vergünstigung für Zeitkartenbesitzer beim Anruf-Sammel-Taxi (AST) eingeführt. Die Neuausschreibung bringt ab 2017 weitere Verbesserungen: kürzere Intervalle auf der Hauptachse, zwei zusätzliche Linien und eine noch bessere Abdeckung des Stadtgebietes.

2007 startete das St. Pöltner Stadtbussystem LUP mit zehn Linien. Alle größeren Stadtteile wurden erstmals im Halbstundentakt mit der Innenstadt verbunden. Bereits im ersten Jahr entdeckten die St. Pöltner ihre Liebe zum LUP. Die Fahrgastzahlen stiegen um 40% und kratzten an der Vier-Millionen-Marke. 2014 benutzen bereits 4,8 Mio. Fahrgäste im Jahr den LUP. „Mit dem neuen System sollten wir es schaffen, die 5 Millionen Marke zu übertreffen“, gibt sich Bürgermeister Mag. Stadler optimistisch. Der Gemeinderat wird in seiner Dezember-Sitzung den Verkehrsverbund Ostregion mit der europaweiten Neuausschreibung beauftragen.

Anforderungen an LUP 2017
Der Schweizer Verkehrsplaner Hannes Müller arbeitete gemeinsam mit Experten des Magistrates an der weiteren Verbesserung des LUP. Die Neuausschreibung des LUP war der Anlass, das Bus-System zu evaluieren und zahlreiche Verbesserungsvorschläge auf ihre Machbarkeit zu prüfen.
Da sich das LUP-Konzept in den Grundzügen bewährte, geht es in erster Linie um die Optimierung des Bestehenden. Neben der Behebung der Fahrzeit- und Kapazitätsprobleme war es vor allem die künftige Stadtentwicklung, die die LUP-Arbeitsgruppe beschäftigten. „St. Pölten entwickelt sich rasant, da muss der LUP mitwachsen und Entwicklungen antizipieren“, erklärte Bürgermeister Mag. Matthias Stadler.
Bei den Neuerungen wurden auch zahlreiche Wünsche der Bevölkerung berücksichtigt. Diese betrafen vor allem Erschließungslücken in den ländlich geprägten Randzonen der Stadt.
Bürgermeister Mag. Matthias Stadler wies darauf hin, dass das neue LUP-Konzept bis 2025 gelten wird und kritisierte die Opposition: „Was wir im nächsten Gemeinderat beschließen werden, wird den öffentlichen Verkehr in unserer Stadt weit in die nächste Dekade hinein prägen. Damit ist eine große Verantwortung verbunden. Dieser Verantwortung ist sich die Opposition leider nicht bewusst. Um z.B. eine Online-Petition ins Netz zu stellen, brauche ich keine Viertelstunde und ich kann alles versprechen, wenn ich es nicht halten muss. Aber „Wünsch dir was“ war eine Fernsehshow, die 1972 eingestellt wurde. Populistischer Aktionismus ersetzt keine zukunftsorientierte Verkehrspolitik.“

ÖKO-Shopping Monatskarte und AST-Vergünstigung
Während das neue LUP-System erst 2017 in Betrieb geht, wird schon mit 1. Jänner 2016 die neue ÖKO-Shopping Monatskarte eingeführt. Sie kostet nur 19 Euro und gilt für die Benützung des LUP zwischen 8.30 bis 16.30 Uhr. Ziel der attraktiven Monatskarte ist es, die Fahrgastzahlen außerhalb der Stoßzeiten anzuheben.
Deutlich aufgewertet werden ab 2016 auch alle LUP-Zeitkarten. Mit einer Wochen-, Monats- oder Jahreskarte kostet eine Fahrt mit dem Anrufsammeltaxi (AST) in den Nachtstunden oder an Sonn- und Feiertagen nur mehr 2 Euro. Die Idee einer verbilligten Jahreskarte wurde in den Verhandlungen mit VOR und den anderen Finanzierungspartnern verworfen. „Die Preise für die Tickets gelten im gesamten Bereich des VOR und wir stehen zu diesem Tarifsystem! Der VOR ist ein wichtiger Partner der Stadt St. Pölten und wir sind mit dieser Partnerschaft sehr zufrieden.“ erklärte Bürgermeister Mag. Stadler.
„Mit dem neuen ÖKO-Shopping Ticket und der Möglichkeit mit allen Zeitkarten das AST zu einem supergünstigen Preis zu benutzen, haben wir zwei tolle Angebote geschaffen. Die Verbindung LUP - AST erhöht die Attraktivität aller Zeitkarten und nicht nur der Jahreskarte. Wir wollen, dass die LUP-Kunden zu Dauerkunden werden und das geht am einfachsten mit attraktiven Zeitkarten. Wir wollen so viele Zeitkarten wie möglich und so wenige Einzeltickets wie notwendig verkaufen“, erläuterte Bürgermeister Mag. Stadler die Zielsetzung der Maßnahmen.
„Die Umsetzung des LUP-Konzeptes ist ein zentraler Schritt zur Optimierung des öffentlichen Verkehrsangebotes in St. Pölten in den kommenden Jahren. Wir freuen uns ein Teil dieses wichtigen Projektes zu sein und werden mit der europaweiten Neuausschreibung zu einem gut abgestimmten und bedarfsgerechten Mobilitätsangebot beitragen", betont VOR-Geschäftsführer Thomas Bohrn, MBA.

Was bringt der LUP ab 2017?
Die Highlights in einem Satz: Ein Zehn-Minuten Takt auf der Nord-Süd Achse, die weitere Erschließung des St. Pöltner Westens und die deutlich verbesserte Anbindung der Stadteile Ratzersdorf und Viehofen.

Die neue Linie 12: Im 10 Minuten Takt von Nord nach Süd
Auf der Nord-Süd Achse kommt es derzeit in den Stoßzeiten zu Kapazitätsengpässen. Zusätzlich wird durch die Erschließung der Glanzstoffgründe die Nachfrage steigen. Die neue Linie 12 wird vom Johannesplatz über Traisenpark - Hauptbahnhof - Josefstraße bis zum EKZ Süd fahren und vom Fahrplan her so gelegt sein, dass auf der Hauptachse ein attraktiver 10 Minuten Takt (statt jetzt 15 Minuten Takt) angeboten wird.

Linie 1 wird verlängert
Der Stadtteil Viehofen boomt und entwickelte sich in den letzten Jahren zu einem immer beliebteren Wohnquartier. Mit der Living City steht ein Großprojekt vor der Umsetzung, das gezielt den öffentlichen Verkehr in sein Gesamtkonzept einbezieht. Die zu erwartende Steigerung der Nachfrage soll durch die Verlängerung der Linie 1 aufgefangen werden. Endstation wird ab 2017 nicht mehr der Johannesplatz sein, sondern die Linie 1 wird über die Kuefsteinstraße und die Austinstraße zur neuen Endhaltestelle Bahnhof Viehofen führen.

Linie 9: Zurück zum Halbstundentakt
Die Fahrgastzahlen bei der derzeitigen Linie 9A entwickelten sich nicht wie erhofft. Gleichzeitig gingen durch die Umstellung der Linie 9 auf einen Stundentakt die Fahrgastzahlen auf dem Ast in Richtung Pressehaus/Hafing zurück. Ab 2017 wird daher die Linie 9 wieder durchgehend im Halbstundentakt geführt. In Wagram wird die Linienführung in Richtung Osten mit der Endhaltestelle Untere Listengasse ausgebaut. Auch im Westen wird die Linienführung verbessert. Tierheim und Pressehaus werden nunmehr in beiden Richtungen bedient. Die neue Endhaltestelle wird am Ortseingang von Hafing liegen.

Neue Linie 13 für die Erschließung des Westens
Die neue Linie 13 befährt mit kleineren Bussen den bisherigen westlichen Ast der Linie 9A (Waitzendorf, Witzendorf, Eisberg) und erschließt in weiterer Folge im Stundentakt vom Hauptbahnhof aus über die Propst Führer Straße, den Wirtschaftshof, Weitern und Ragelsdorf.

Eine Linie mehr für Ratzersdorf
Derzeit übersteigen die Fahrgastzahlen zu den Stoßzeiten in Ratzersdorf das Angebot von LUP und Regionalbuslinien, sodass teure Verstärkerbusse eingesetzt werden müssen. Der LUP wird daher im Stadtteil Ratzersdorf neu organisiert werden. Die Linie 3, die bisher am Johannesplatz endete, wird ab 2017 über die Baurechtsgründe mit der Endstation Veilchengasse geführt. Die Linie 7 wird beschleunigt. Ratzersdorf wird damit mit den Linien 3, 4 und 7 sehr gut erschlossen sein.
Die Verlängerung der Linie 3 nach Ratzersdorf wird möglich, weil die Linie 3 auf ihrem westlichen Ast nur mehr bis zur Teufelhofer Straße geführt wird. Die Verlängerung in Richtung Missongasse war nur wenig genutzt worden. Die Waldsiedlung wird weiter von der Linie 5 bedient.

Linie 11 wird zur Schulbuslinie
Da die Linie 11 außerhalb der Schulzeiten nur geringen Zuspruch fand, werden die Betriebszeiten den Schulzeiten angepasst.

Erfolgreiche Verhandlungen mit Bund und Land
Bürgermeister Mag. Stadler betont, dass die Ausweitung des LUP-Netzes nur möglich ist, weil Bund und Land von der Qualität des neuen LUP-Konzepts überzeugt werden konnten. Der Betrieb des LUP-Bussystems kostet jedes Jahr neun Millionen Euro, wovon rund 4 Mio. durch Ticketverkäufe abgedeckt werden. Den prognostizierten Abgang von rund 5 Mio. werden sich Bund, Land und die Stadt auch in den kommenden Jahren teilen. Bürgermeister Mag. Stadler dazu: „Ich brauche nicht betonen, dass weder die Stadt, noch der Bund und das Land im Geld schwimmen. Die Verhandlungen waren daher kein Selbstläufer. Ich freue mich aber, dass es gelungen ist, alle Partner vom neuen LUP zu überzeugen und die Finanzierung bis zum Jahr 2025 auf eine gesicherte, gemeinsame Basis zu stellen. Ich bedanke mich ausdrücklich bei den Finanzierungspartnern und bei allen, die an der Optimierung des LUP mitgearbeitet haben.“

Sonntagsverkehr
Der Sonn- und Feiertagsverkehr wird ein optionaler Teil der Ausschreibung sein. Die drei nachfragestärksten Linien 1, 5 und 6 sollen nach dem Konzept des Schweizer Verkehrsplaners Müller im Stundentakt verkehren. Durch die Überlagerung der Linien 5 und 6 würde auf der Nord-Südachse ein Halbstundentakt entstehen. Mit Krankenhaus, Friedhof, Viehofner See und Hauptbahnhof würden wichtige Punkte der Stadt vom Sonntags-LUP angefahren werden. Allerdings würde der zu erwartende Kostendeckungsgrad für den Sonntags-LUP derzeit bei lediglich 5% der prognostizierten Kosten liegen.
„Wichtig ist, dass der Sonntagsverkehr in der Neuausschreibung des LUP berücksichtigt ist, damit wir mit den Finanzierungspartnern später nicht neu verhandeln müssen. Ob bzw. wann wir diese Option ziehen, hängt davon ab, wie gut der neue LUP angenommen wird und ein betriebswirtschaftlich vertretbarer Kostendeckungsgrad erzielt werden kann“, sagt Stadler.

Dynamische Fahrgastinformationssysteme (DFI)
Auch die Ausschreibung der Dynamischen Informationssysteme (DFI) wird über den VOR abgewickelt. Das System, das derzeit in St. Pölten eingesetzt wird, leidet darunter, dass der Erzeuger wenige Jahre nach der Inbetriebnahme in Konkurs ging und Ersatzteile mittlerweile nicht mehr aufzutreiben sind. Eine Neuanschaffung ist daher notwendig.

Die nächsten Schritte
Das neue LUP-Konzept stellt die Basis für die europaweite Neuausschreibung des St. Pöltner Stadtbussystems dar, die über den Verkehrsverbund Ost-Region abgewickelt wird. In Betrieb gehen wird der neue LUP im Jahr 2017.

Bürgermeister Mag. Matthias Stadler stellte abschließend fest, dass mit der Neuausschreibung die erfolgreiche Zukunft des LUP gesichert ist: “Im neuen Konzept sind nicht nur viele Wünsche der Bürger berücksichtigt worden, sondern wir haben mit dem neuen LUP heute Antworten auf die Fragen von morgen gefunden. Der LUP nimmt die zukünftige Stadtentwicklung vorweg. Für die Fahrgäste bringt der neue LUP auf der Hauptachse einen 10-Minuten Takt wie in einer Großstadt, in zahlreichen Stadtteilen eine deutlich bessere Abdeckung. Wenn es sich finanziell ausgeht, werden wir auch den Sonntagsbetrieb einführen. Natürlich konnten nicht alle Wünsche und Begehrlichkeiten erfüllt werden. Aber wichtig ist mir, dass wir die gemeinsame Finanzierung des LUP durch die Stadt, den Bund und das Land NÖ fortführen konnten. Andere Städte müssen den öffentlichen Verkehr zurückfahren, in St. Pölten bauen wir ihn aus!“, so der St. Pöltner Bürgermeister.


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