St. Pölten Konkret

Rund geht's - Das neue Leben des Abfalls

06.06.2017, von Martin Koutny

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Im Bild (1/2): EVN-Vortstandsdirektor Mag. Stefan Szyszkowitz, der Präsident der NÖ Umweltverbände Landtagsabgeordneter Anton Kasser, Bürgermeister Mag. Matthias Stadler und DI Manfred Födinger, Geschäftsführer der Scholz Rohstoffhandel GmbH, informieren über interessante Details im Recycling. (Foto: Martin Koutny)
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Im Bild (2/2): In einem Pressegespräch informiert Bürgermeister Stadler, dass in St. Pölten jährlich rund 33.500 Tonnen Gesamtabfällen ( = ca. 3.350 volle Müllfahrzeuge) anfallen. Davon sind nur 11.500 Tonnen Restmüll und 143 Tonnen Problemstoffe. Der Rest – mit rund 21.800 t - also fast 2/3 sind wiederverwertbare Abfälle. (Foto: Martin Koutny)

Es geht rund in der Abfallwirtschaft: Denn eine neue Kampagne soll der Bevölkerung zeigen, dass aus dem vermeintlichen Abfall wichtige Rohstoffe für neue Produkte gewonnen werden. Niederösterreich ist mit der „Abfall-Trenn-Quote“ bereits europaweit im Spitzenfeld und mit der nun startenden bundesweiten Kampagne „Rund Geht’s“ soll das Umwelt- und Trennbewusstsein noch weiter gesteigert werden.

Jährlich fallen in Niederösterreich ca. 900.000 Tonnen an Abfällen an. Allein ca. 110.000 Tonnen in Form von Sperrmüll, Elektroaltgeräten, Leichtfraktionen wie Verpackungen & Co werden aus Haushalten gesammelt. Weitere Mengen an Abfällen haben ebenfalls großes Recyclingpotential. Denn: Abfälle sind ein wichtiger Rohstoff und das wird jetzt auch der Bevölkerung noch bewusster gemacht.

Aus diesem Grund wurde mit wichtigen Akteuren der heimischen Abfallwirtschaft die neue Kampagne „Rund Geht’s“ entwickelt. Diese folgt den Spuren unserer Reste und holt die vielfältigen Kreisläufe vor den Vorhang: Wussten Sie, dass aus Altpapier neues Papier produziert wird? Wahrscheinlich schon. Aber wie sieht’s mit folgenden Beispielen aus: aus Elektroaltgeräten wird sogar Gold und Silber für Schmuck gewonnen; Kunststoffverpackungen werden zu Granulaten für Gartenmöbel und weiters findet sich Eisen aus Autowracks in Windradstehern wieder!
„Rund Geht’s“ zeigt genau diese vielfältigen Wege – was mit den Reststoffen des Alltags passiert, nachdem man sie entsorgt hat. Und zwar anhand von bekannten und weniger bekannten Good-Practice Beispielen sowie interessanten ReUse-Projekten. Dadurch wird das Sammelengagement der heimischen Bevölkerung bestärkt.

Website, Facebook & Co.: Kreislaufgeschichten aus dem Alltag
Auf der neuen Website www.rundgehts.at können Herr und Frau Österreicher Schritt für Schritt den Weg des Abfalls mitverfolgen und bekommen einen Einblick, was und wie viel noch daraus gewonnen werden kann. Zudem gibt es viele Infos, Zahlen und Fakten zur heimischen Abfallwirtschaft und welche Maßnahmen gesetzt werden, damit aus dem Abfall von heute schon morgen ein neues Produkt entsteht.
Jedes Beispiel ist immer so aufgebaut, dass detailliert erklärt wird, wie der Abfall X in ein neues Produkt Y fließt. Anhand des Kreislaufs „Vom Schrottauto zum Windrad“ gestaltet sich das
inhaltlich beispielsweise folgendermaßen: Auf ihrer letzten Ausfahrt kommen die Alt-Autos von Werkstätten oder Privatpersonen zu einem der sechs österreichischen Schredder, wie zum Beispiel zur Verwertungsanlage der Firma Scholz Rohstoffhandel GmbH in Laxenburg.
Und dann geht’s auch schon los: alle Flüssigkeiten wie Treibstoff, Öl oder Frostschutzmittel sowie Schadstoffe kommen aus dem Auto raus. Das heißt: das Benzin wird abgezapft und der Tankbehälter herausgenommen, die Reifen werden abmontiert sowie der Katalysator und die Batterie aus dem Auto geholt. Als Nächstes steht der Schredder am Programm, dort wird das Auto zerkleinert. Danach werden die übrigen Eisenteile vom Nichteisen mittels Magneten getrennt. Die Eisenteile werden in Stahlwerken weiterverarbeitet und finden sich zum Beispiel später in den Stehern von Windrädern wieder.
Der Präsident der NÖ Umweltverbände LAbg. Bgm. Anton Kasser bekräftig: „Die besten Abfälle sind jene, die gar nicht erst entstehen, aber unsere heutige Gesellschaft kann Abfall nicht komplett vermeiden. Heute geht es daher in der Abfallwirtschaft immer stärker darum, diesen Abfall als Rohstoff und Wertstoff zu begreifen, da eine Vielzahl an neuen Produkten daraus entstehen.“
Dem schließt sich Bgm. Mag. Matthias Stadler, Bürgermeister Stadt St. Pölten an: „Heute wissen wir, dass der Großteil des Abfalls wertvoller Rohstoff für neue Produkte ist. Unsere wichtigste Aufgabe ist, dies der Bevölkerung bewusst zu machen, da die Ressourcen unserer Erde nicht unendlich sind. Die Mülldeponien von heute werden die Bergwerke von morgen sein.“

Kampagnen-Auftakt: Startschuss mit Eyecatcher auf öffentlichen Plätzen
Zum Start der Kampagne wurden auffällige Medienaktionen in verschiedenen Städten Österreichs, wie in St. Pölten von 1.6.2017 bis 6.6.2017, inszeniert: Hier wurden in der Fußgängerzone am Riemerplatz drei Autowracks aufeinandergestapelt. Diese Schrottautos gaben sich als ein Windrad aus. Warum? Die Rohstoffe aus Fahrzeugen (in diesem Beispiel speziell das Metall) werden recycelt und zu Eisenteilen weiterverarbeitet, die wiederum in den Stehern von Windrädern verwendet werden.
Den BewohnerInnen wurde dabei hautnah vermittelt, was durch Wiederverwertung alles möglich ist und wie sich die Recyclingkreisläufe schließen.


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