St. Pölten Konkret

St. Pöltens Finanzminister im Interview

29.09.2014, von Martin Koutny

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Im Bild (1/2): Finanzminister Dr. Hans Jörg Schelling im Interview mit St. Pölten Konkret Chefredakteur Martin Koutny (Foto: BMF)
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Im Bild (2/2): Erstmals leitet ein St. Pöltner das Finanzresort: Dr. Hans Jörg Schelling. (Foto: BMF)

Seit 1. September ist Dr. Hans Jörg Schelling Finanzminister der Republik Österreich. Der gebürtige Vorarlberger hat seinen Hauptwohnsitzwohnsitz seit über 30 Jahren in der jüngsten Landeshauptstadt. St. Pölten Konkret-Chefredakteur Martin Koutny führte mit dem Wahl-St. Pöltner ein Gespräch über St. Pölten und seine Ziele als Finanzminister.

Dr. Hans Jörg Schelling ist stolz darauf St. Pöltner zu sein und er bescheinigt seiner Heimatstadt eine tolle Entwicklung in den letzten Jahren. Als Finanzminister hat er die Entlastung der SteuerzahlerInnen im Blick und verspricht, den Interessen der Städte bei den Verhandlungen über den Finanzausgleich Gehör zu schenken.

Hans Jörg Schelling wurde 1953 in Hohenems geboren. Er studierte Betriebswirtschaftslehre an der Johannes Kepler Universität Linz und promovierte im Jahr 1981. Im selben Jahr begann Schelling seine berufliche Karriere als Assistent der Geschäftsleitung in der Leiner/Kika Unternehmensgruppe und verlegte seinen Hauptwohnsitz nach St. Pölten. Im Jahr 1988 wurde er Geschäftsführer. Zwei Jahre später gründete er die Firma Schelling GesmbH für Unternehmensberatung. Im Jahr 1992 wechselte er zu XXXLutz und war dort bis 2005 Geschäftsführer und später Aufsichtsrat in der XXXLutz GmbH. Mit 1. Jänner 2009 legte er planmäßig seine Funktion als Geschäftsführer zurück und ist seitdem als Aufsichtsrat des Unternehmens tätig.

STEILE KARRIERE
Im Laufe seiner beruflichen Laufbahn war Schelling Aufsichtsrat bei der Palmers Textil AG; der Österreichischen Post AG, der Telekom Austria und des SKN St. Pölten und bekleidete eine Reihe weiterer Führungspositionen. 2008 wurde er Obmann der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA). Am 21. Jänner 2009 wurde er einstimmig zum Vorsitzenden des Verbandsvorstandes im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger gewählt. Im Jänner 2013 wurde seine Funktionsperiode einstimmig um weitere vier Jahre verlängert. Nach Schellings Aufstieg zum Finanzminister soll der Oberösterreicher Peter McDonald, derzeitig stellvertretender Obmann der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft (SVA), mit 21. Oktober zum neuen Präsidenten bestellt werden.
Ab 2012 war Schelling der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Österreichischen Volksbanken-Aktiengesellschaft (ÖVAG). Diese Funktion hat der Wahl-St. Pöltner mit dem Tag seiner Angelobung durch Bundespräsident Heinz Fischer zurückgelegt.

POLITISCH TÄTIG
Von 2001 bis 2005 war Schelling Mitglied des Gemeinderates von St. Pölten und Stadtrat für städtische Unternehmen. Von 2007 bis 2008 war er Abgeordneter zum österreichischen Nationalrat und wurde in den Verfassungsausschuss sowie in die Ausschüsse Unterricht, Bauten, sowie Forschung, Innovation und Technologie des Nationalrats berufen.
Am 1. September 2014 wurde er als Finanzminister angelobt.

St. Pölten Konkret: Sind Sie stolz darauf, St. Pöltner zu sein?
Schelling: Ja, seit 33 Jahren. Gerade als gebürtiger Vorarlberger ist mir St. Pölten zu mehr als nur einer Wahlheimat geworden. Ich kann sogar voller Stolz sagen: ‚Ich bin ein St. Pöltner‘.

St. Pölten Konkret: Wie sehen Sie die Entwicklung der Landeshauptstadt St. Pölten?
Schelling: In den vergangenen Jahren ist es sicher gelungen, einiges zu bewegen. Kulturell und wirtschaftlich muss sich die Landeshauptstadt jedenfalls nicht verstecken, sondern hat wirklich einiges zu bieten.

St. Pölten Konkret: Wie schätzen Sie die Lebensqualität in St. Pölten ein?
Schelling: Gerade aufgrund der sehr hohen Lebensqualität schätze ich „mein“ St. Pölten so sehr. In der Stadt bin ich gerne zu Fuß unterwegs. Alles ist gut zu erreichen und was mich ja auch freut, hier findet man auch eine hervorragende Gasthaus- und Beislkultur - da denkt man keine Sekunde daran, die Stadt zu verlassen.

St. Pölten Konkret: Was können sich die St. PöltnerInnen von „ihrem Finanzminister“ erwarten?
Schelling: Vor uns liegen große Herausforderungen, die wir nur gemeinsam lösen können. Ich gehe diese mit Tatkraft und viel Elan an, damit wir gemeinsam etwas voranbringen in diesem Land. Ich möchte bei den Reformen alle einbeziehen, um zu gemeinsamen Lösungen zu kommen.

St. Pölten Konkret: Was wird sich durch Ihre neue Funktion privat für Sie ändern?
Schelling: Ich habe jetzt sicher deutlich weniger Zeit für den Weinkeller, was mir schon abgehen wird. Andrerseits soll ja mehr Ruhe dem Wein durchaus guttun.

St. Pölten Konkret: Welche vorrangigen Ziele setzen Sie sich als Finanzminister?
Schelling: Da sind es vor allem drei Punkte, die mir wichtig sind. Zunächst die Budgetkonsolidierung durch eine an den Einnahmen orientierte Ausgabenpolitik, des weiteren Wachstum und Beschäftigung sowie eine Steuerreform, für die der Zeitplan steht. Ich habe die Steuerzahler im Blick, sie brauchen endlich Entlastung.

St. Pölten Konkret: Wie sehen Sie die finanzielle Situation der Städte hinsichtlich der bevorstehenden Verhandlungen zum Finanzausgleich?
Schelling: Ganz klar: Pacta sunt servanda, daher bleiben wir bei der Verlängerung des Länderfinanzausgleichs bis 2016. Man muss das gemeinsam angehen, und ich habe auch schon einige Themen mit den Landeshauptleuten besprochen. Bis dahin werden wir sorgfältig analysieren und gemeinsam viele Gespräche führen, um die Verhandlungen selbst dann bestvorbereitet und –strukturiert kommendes Jahr starten können. Den Interessen der Städte werde ich selbstverständlich ausreichend Gehör schenken.

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