St. Pölten Konkret

Ministerpräsident Niedersachsens heisst St. Pölten willkommen

26.11.2015, von Martin Koutny aus Hannover

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Im Bild (1/3): Ministerpräsident Stephan Weil und Honorarkonsul Uwe Reuter begrüßten die Wirtschaftsdelegation aus St. Pölten, angeführt von Bürgermeister Mag. Matthias Stadler (Mitte) sehr herzlich in Hannover. (Foto: Martin Koutny)
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Im Bild (2/3): Perfekt organisierter Abend: Für jedes Delegationsmitglied standen hochkarätige Gesprächspartner im gleichen Tätigkeitsbereich zur Verfügung. (Foto: Martin Koutny)
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Im Bild (3/3): Bürgermeister Mag. Matthias Stadler und der Oberbürgermeister von Hannover bei der Abendveranstaltung in Hannover. (Foto: Martin Koutny)

Die St. Pöltner Delegation wurde zum Auftakt der achten Wirtschaftsreise von Ministerpräsident Stephan Weil und dem Österreichischen Honorarkonsul in Niedersachsen Uwe Reuter in Hannover sehr herzlich begrüßt. In einer eineinhalbstündigen Diskussion wurde ausführlich über Wirtschaftsthemen und die Flüchtlingsproblematik gesprochen.

Am Mittwoch brach eine 36-Köpfige Delegation mit VertreterInnen der Wirtschaft, der Bildung und Institutionen zu einer Wirtschaftsreise nach Niedersachen und die Landeshauptstadt Hannover auf. Schon der erste Termin führte die Wirtschaftsdelegation aus St. Pölten mit Ministerpräsident Stephan Weil und dem österreichischen Honorarkonsul in Niedersachsen Uwe Reuter zusammen. Bei dem Gespräch wurden zahlreiche Gemeinsamkeiten in der Wirtschaftspolitik zur Standortentwicklung festgestellt. Grundlegend sind die Energiegewinnung und die Infrastruktur.

Erneuerbare Energie ist die Zukunft
Bei der Energiegewinnung setzt man in Niedersachsen so wie in Niederösterreich bzw. in St. Pölten auf erneuerbare Energie und hier insbesondere auf die Windenergie. „Niedersachsen soll Deutschlands Energieland Nr. 1 werden“, betont Ministerpräsident Stephan Weil und kündigt den Bau neuer Stromleitungen an, um den Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie mit der Lieferung von Strom an die südlichen deutschen Bundesländer zu ermöglichen. Bürgermeister Mag. Matthias Stadler wies darauf hin, dass die europäischen Stromnetze besser aufeinander abgestimmt werden müssten, um die Gefahr eines Blackouts hintanzuhalten. Neben dem Ausbau der Energienetze sind auch die Erweiterung der Datennetze (Breitbandausbau) und Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur wichtig für die Standortentwicklung.

Flüchtlinge als Chance für Entwicklung
Niedersachsen hat bisher 100.000 Flüchtlinge aufgenommen, also etwa gleich viele wie Österreich. Die Kosten dafür betragen in Niedersachsen heuer etwa 70 Mio. Euro, im nächsten Jahr rund 650 Mio. Euro und 2016 wird der finanzielle Aufwand 1,2 Mrd. Euro betragen. „Die Kommunen dürfen durch die Flüchtlingsproblematik finanziell nicht stranguliert werden“, betont Weil. Die Kosten werden daher von Land und Bund getragen. So wie in Österreich gibt es auch in Niedersachsen eine hohe Akzeptanz gegenüber den Flüchtlingen und viel privates Engagement, das ganz wesentlich zur Bewältigung der Krise beiträgt. Aufgrund der demographischen Entwicklung mit einem deutlichen Geburtenrückgang sehen viele Unternehmen in der Zuwanderung, bei allen Problemen, die damit verbunden sind, auch einen Vorteil: Es besteht damit die Möglichkeit, den durch die geburtenschwachen Jahrgänge bedingten Arbeitskräftemangel auszugleichen und qualifizierte Arbeitskräfte zu bekommen. Bürgermeister Mag. Matthias Stadler regte an: „Im Zuge des Asylantrages sollten wir die Ausbildung und den bisher ausgeübten Beruf abfragen. Damit könnte der Wirtschaft geholfen werden und die Integration würde erleichtert.“ Besprochen wurde auch die Dauer der Asylverfahren, die in beiden Ländern zu lange erscheint. Einig ist man sich auch darüber, dass die Flüchtlingsproblematik auf gesamteuropäischer Ebene gelöst werden muss. Ein direkter Zusammenhang zwischen der Flüchtlingswelle und der Terrorbedrohung wird in Niedersachsen nicht gesehen.

VW ein Thema
Niedersachsen profitiert vom VW-Werk, die aktuelle Krise des größten europäischen Autokonzerns bereitet der Landesregierung Sorgen. An den drei größten VW-Standorten Wolfsburg, Hannover und Emden sind immerhin über 70.000 Menschen beschäftigt. Angesichts dieser Bedeutung wird das geflügelte Wort in Niedersachsen verständlich: „Wenn VW-hustet, bekommt Niedersachsen Lungenentzündung.“

Wirtschaftsstandort Niedersachsen
Ralf Pospich vom niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr erläuterte der Wirtschaftsdelegation die Vorteile des norddeutschen Wirtschaftsstandortes. In der Verkehrsinfrastruktur, bei der Landwirtschaft sowie im Bildungs- und Forschungsbereich ist Niedersachsen top. Ein wichtiger Faktor sind auch die neun internationalen Häfen an der Nordseeküste und die 17 Binnenhäfen.
Hervorgehoben wurde auch der Messestandort Hannover, der durch international bedeutende Messen, wie die CeBIT oder die Agritechnica weltweit bekannt ist. Dr. Heinz Walter, der österreichische Delegierte der Wirtschaftskammer rät: „Österreichischen Unternehmen sollten auf den großen Messen vertreten sein. Hier knüpft man internationale Kontakte.“ St. Pölten ist zwar bisher nicht auf Messen in Hannover, aber z.B. auf der Expo Real in München, vertreten.

Bürgermeister hebt Parallelen hervor
„Das Treffen hat uns gezeigt, dass die Herausforderungen in den einzelnen Bereichen sehr ähnlich sind und auch bei den Lösungen gibt es viele Parallelen, mitunter aber auch unterschiedliche Ansätze. Wir haben allerdings auch festgestellt, dass es zwischen Niedersachsen und Niederösterreich bzw. St. Pölten kaum Zusammenarbeit gibt. Insofern sind wir hier richtig: Denn das wollen wir ändern“, meint Stadler nach den Gesprächen.

Erfolgreicher Abend
Ab Abend wurde vom Österreichischen Honorarkonsul Uwe Reuter ein Empfang in der Zentrale der VHV –Versicherung in Hannover für die St. Pöltner Wirtschaftsdelegation gegeben. Rund 30 hochrangige Vertreter der Wirtschaft und der Institutionen Niedersachsens waren zum Gedankenaustausch gekommen, allen voran der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover Stefan Schostok . Das St. Pöltner Stadtoberhaupt erläuterte den deutschen Gesprächspartnern die Vorteile des Wirtschaftsstandortes St. Pölten. Schostok lobte das professionelle Auftreten der St. Pöltner Wirtschaftsdelegation und nahm die Einladung, im nächsten Jahr St. Pölten zu besuchen, gerne an. Im Rahmen der Abendveranstaltung konnte auch der Winzer des Jahres 2015 aus dem Traisental, Markus Huber - ein früherer Hauptstadtwinzer - seine Weine vorstellen. „Das Gesprächsklima war ausgezeichnet, wir können viel voneinander lernen und wir haben gute Kontakte geknüpft“, war der einhellige Tenor am Schluss der Veranstaltung

Reise wird fortgesetzt
Am zweiten Tag der Wirtschaftsreise wird der Wirtschaftsstandort St. Pölten den deutschen Medien bei einem Pressegespräch präsentiert. Nach Gesprächen an der Börse von Hannover erfolgt eine Betriebsbesichtigung bei Bahlsen. Am Freitag steht der Besuch des VW-Werks in Wolfsburg und der Autostadt auf dem Programm, ehe die Delegation die Heimreise antritt.


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