St. Pölten Konkret

St. Pölten sichert seine Zukunft als Produktionsstandort

15.02.2018, von Martin Koutny

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Im Bild (1/1): Der Leiter der Stabsabteilung Finanzen im Magistrat Mag. Thomas Wolfsberger, Bürgermeister Mag. Matthias Stadler und der Leiter der Wirtschaftsservicestelle "ecopoint " Christoph Schwarz präsentieren die Förderrichtlinien zur Schaffung von Industriearbeitsplätzen in der niederösterreichischen Landeshauptstadt. (Foto: Josef Vorlaufer)

Mit einem innovativen Fördermodell schafft die niederösterreichische Landeshauptstadt einzigartige Rahmenbedingungen für Industriebetriebe am Standort St. Pölten. Für die nachhaltige Schaffung von neuen Industriearbeitsplätzen werden 500.000 Euro zur Verfügung gestellt. Der Gemeinderat beschließt in seiner Sitzung Ende Februar die Förderrichtlinien.

„Mit über 60 Prozent tragen Industriebetriebe zur regionalen Wertschöpfung bei und sind somit ein wichtiger Impulsgeber für Zulieferfirmen und Kunden. Durch die Digitalisierung in der Produktion werden Industriebetriebe vor große Herausforderungen gestellt. Gleichzeitig ist es das Ziel, eine leistungsfähige Industrie zu erhalten und die Industriequote zu steigern“, erläutert Bürgermeister Mag. Matthias Stadler die Hintergründe für die neue Förderung.

Um Industriebetriebe nachhaltig an den Standort zu binden, bzw. einen Standortvorteil für Betriebsansiedlungen zu gewährleisten, wird in der Februar-Sitzung des Gemeinderates eine Förderrichtlinie mit dem Titel „St. Pöltens Zukunft als Produktionsstandort sichern“ beschlossen werden.

Das Fördermodell im Detail
„Als Grundvoraussetzung für eine Förderung muss mit dem Projekt ein wesentlicher regionaler Beschäftigungseffekt verbunden sein, wobei durch das Vorhaben zumindest 20 neue Arbeitsplätze geschaffen werden müssen. Der geförderte Beschäftigtenstand muss außerdem vier Jahre beibehalten werden“, erläutert der Leiter der städtischen Wirtschaftsservicestelle „ecopoint“ Christoph Schwarz die wichtigsten Grundvoraussetzungen für die Förderung.
Förderungswerber können nur Große Unternehmen im Sinne der KMU-Definition der EU sein, die im Bereich Industrie tätig und im Besitz einer aufrechten Gewerbeberechtigung nach der Gewerbeordnung sind. Der in St. Pölten neu angesiedelte Betrieb muss dabei nicht selbst der industriellen Fertigung dienen, jedoch als (gegebenenfalls in eine eigene Konzerngesellschaft ausgelagerter) Unternehmensteil zumindest Hilfsfunktionen zur industriellen Fertigung erfüllen (z.B. Beschaffung, Vertrieb, Logistik).
Die Stadt St. Pölten stellt insgesamt 500.000 als Förderungsmittel zur Verfügung. Die Förderung wird als nicht rückzahlbarer Zuschuss gewährt. Die Höhe der Förderung beträgt 6.000 Euro pro zusätzlich geschaffenen Arbeitsplatz und ist mit insgesamt 200.000 Euro pro Förderungsansuchen limitiert. Für Teilzeitarbeitsplätze wird die Förderung aliquot angerechnet.
Die Prüfung der einzelnen Förderungsanträge erfolgt durch die Abteilung Zukunftsentwicklung, Wirtschaft und Marketing des Magistrats St. Pölten.
Die Förderrichtlinien enthalten zudem genaue Bestimmungen über die Abwicklung des Förderungsverfahrens aber auch über die Pflichten der Förderungswerber.

Betriebe ansiedeln & Arbeitsplätze schaffen
Der St. Pöltner Bürgermeister hält gezielte Förderungen als notwendigen Anreiz für die Ansiedlung von Industriebetrieben und die nachhaltige Schaffung von Arbeitsplätzen: „Die Stadt ist Partner der Wirtschaft und wir schaffen für die Betriebsansiedelung oder –erweiterung die Rahmenbedingungen. Dafür nehmen wir auch viel Geld in die Hand, wie beispielsweise für die Schaffung der Infrastruktur in den Betriebsbaugebieten aber auch für Bildung und Forschung. Alle unsere Anstrengungen in den vergangenen Jahren haben den gewünschten Erfolg gebracht und deshalb bin ich sicher, dass wir mit dieser Maßnahme den Standort St. Pölten auch für produzierende Betriebe noch attraktiver machen können. Immerhin stellen wir jetzt eine halbe Million Euro zusätzlich zur Verfügung.“

Stadt tritt in Vorleistung
Mit der Erschließung der Betriebsbaugebiete ist die Stadt St. Pölten mit starken Investitionsprogrammen in Millionenhöhe in Vorleistung getreten. Die zweifellos größte Investition der letzten Jahre war sicherlich die Brücke über die B20, welche die Gewerbegebiete NOE Central West und NOE Central Ost optimal erschließt. Erster Nutznießer im Ostteil war neben den ÖBB die Firma Schenker, die sich hier angesiedelt hat. Die ideale Infrastruktur hat auch dazu geführt, dass sich die Grazer Messe dazu entschieden hat, die MAWEV-Show im März 2018 hier durchzuführen.
Wenn notwendig, dann werden auch eventuell erforderliche archäologischen Untersuchungen der Grundstücke im Vorfeld von der Stadt erledigt.
Aufgrund der von der Stadt durchgeführten Vorleistungen können Grundstücke bei Bedarf sehr rasch (ein bis zwei Monate) an Interessenten verkauft werden, denn im Wirtschaftsleben gilt oft: Zeit ist Geld! r

Erfolgreiche Förderaktionen
Bürgermeister Stadler hebt in diesem Zusammenhang erfolgreiche Fördermaßnahmen der Stadt für die Wirtschaft hervor: „Wohnen in der Innenstadt“ und die „Baurechtaktion für Gewerbe“, die österreichweit für Anerkennung gesorgt haben.
Bei der Förderung Innenstadtwohnen wurden seit 2008 knapp 5.100 m2 Wohnnutzfläche mit einem finanziellen Aufwand (Investitions- und Mietzuschuss) von 565.863 Euro gefördert.
Damit wird die Generalsanierung von Wohngebäuden und die Errichtung von Wohnungen, sowie des Einbaus von Wohnungen in bestehende Gebäude mittels Investitionszuschuss gefördert, um somit zu einem vermehrten Angebot an attraktivem Wohnraum in der St. Pöltner Innenstadt beigetragen. Mit einem temporären Mietenzuschuss sollen die Mieter der sanierten Häuser bzw. neu geschaffenen Wohnungen in die Lage versetzt werden, investitionsbedingte höhere Mieten leichter tragen zu können. Seit Start der Förderungsmaßnahme am 1. Juli 2008 wurden bis dato 16 Projekte und 100 Wohneinheiten gefördert.
Mit der Baurechtsaktion im Gewerbe werden seit Mai 2005 einerseits Firmenexpansionen gefördert, Arbeitsplätze gesichert und neue geschaffen, andererseits die Dynamik am Wirtschaftsstandort St. Pölten stimuliert. 17 Unternehmer haben einen Standort in der Dürauergasse auf 2 ha und Salcherstraße auf 5 ha Fläche im Rahmen der Baurechtsaktion im Gewerbe gegründet. Dadurch wurden rund 450 Arbeitsplätze geschaffen bzw. gesichert.

Standortvorteil Fläche & Förderung
Die Traisenstadt verfügt über große zusammenhängende und aufgeschlossene Gewerbeflächenreserven, welche bestens an das höherrangige Autobahn- und
Schnellstraßenverkehrsnetz und zu einem guten Teil auch an das internationale Schienennetz angebunden sind, beste Standortvoraussetzungen. Allen Investoren und Unternehmen stehen im gesamten Stadtgebiet unbebaute gewidmete Gewerbeflächenreserven im Gesamtausmaß von 193,94 ha zur Verfügung. Von diesen Flächen sind insgesamt 88,5 ha als Bauland-Industriegebiet gewidmet. Davon befinden sich im Gewerbegebiet Industriezentrum NOE CENTRAL ST. PÖLTEN – Ostabschnitt ca. 70 ha brutto.
Das Gebiet eignet sich auf Grund der Größe und der hervorragenden Lage optimal für Logistik- und Industriebetriebe (Gleisanschluss).

Traditioneller Industriestandort
„St. Pölten ist in seiner Tradition ein Industriestandort, hat sich aber in den letzten Jahrzehnten, bedingt durch die Hauptstadterhebung und Veränderungen in der Struktur der produzierenden Betriebe, immer mehr zu einer Dienstleistungsstadt entwickelt. Von den 4.310 aktiven Betrieben in der Stadt sind „nur“ 59 Industriebetriebe, 1.588 entfallen auf Gewerbe und Handwerk, 1.249 auf Handelsunternehmen, 62 auf Bank und Versicherung, 150 auf Transport und Verkehr. Im Bereich Tourismus und Freizeitwirtschaft gibt es 540 Unternehmen und im Bereich Information und Consultig 662. Ein attraktiver und nachhaltig erfolgreicher Wirtschaftsstandort zeichnet sich durch einen guten Mix aus Dienstleistung, Gewerbe und produzierenden Betrieben aus. Wir wollen mit unserer Förderung nun gezielt produzierende Betriebe auf den dafür ausgewiesenen Flächen ansiedeln und die Zahl der Industriebetreibe erhöhen. Die Widmung „Industriebaugebiet“ ist heutzutage nur schwer und, wenn überhaupt, nur mit großem Zeitaufwand zu erlangen. Wir haben genügend Flächen mit einer entsprechenden Widmung und Infrastruktur, die Wirtschaftsservicestelle der Stadt „ecopoint“ bietet die nötige Unterstützung und das Knowhow und wir geben eine entsprechende Förderung. St. Pölten ist damit einer der attraktivsten Standorte für produzierende Betriebe Österreichs “, sagt Stadler


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