St. Pölten Konkret

Franz Jonas Volksschule: Modernes Lernen für die Zukunft

15.01.2016, von Martin Koutny

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Im Bild (1/1): Schmidt Andreas , Lic.iur.MBA,MPA. Direktorin Ingrid Jäger, Bürgermeister Mag. Matthias Stadler und Mag. arch. Caren Ohrhallinger von der nonconform zt gmbh vor der Franz Jonas Volksschule. (Foto: Josef Vorlaufer)

Im vergangenen Sommer wurde die Franz Jonas Volksschule außen um rund 1,9 Millionen Euro generalsaniert. In Sommer 2016 sollen nun die Schulräume der Franz Jonas-Volksschule nach den Vorstellungen der Schulgemeinschaft an die neuesten pädagogischen Unterrichtsmethoden angepasst werden. In der nächsten Sitzung des Gemeinderates soll der Startschuss für das 2,2 Millionen-Projekt fallen. In St. Pölten wird damit ein in ganz Niederösterreich einzigartiges Schulkonzept umgesetzt.

Der Gemeinderat hat im Mai 2015 die Firma nonconform zt gmbh beauftragt ein Konzept für die Neugestaltung der Schulräume der Franz Jonas Volksschule zu erstellen. Die Ergebnisse dieser Planungen liegen nun zur Beschlussfassung in der nächsten Sitzung des Gemeinderates und zur anschließenden Umsetzung vor. Die geschätzten Kosten inklusive der Einrichtung belaufen sich auf 2,2 Millionen Euro netto.

Die geplanten Baumaßnahmen umfassen die Sanierung des Klassentraktes im rechten Schulteil, der Umbau des linken Schulteils in einen multifunktionalen Trakt, der Umbau des Lehrer/innentraktes im Erdgeschoß, der Umbau und Erweiterung der Garderoben im Kellergeschoß, die Herstellung einer Freiklasse in den Außenanlagen sowie die Sanierung der WC-Gruppen inklusive der Herstellung der Barrierefreiheit und die Sanierung der Garderoben im Turnsaaltrakt. Durch die Immobilien St. Pölten & Co KG werden die erforderlichen Bauarbeiten in den Sommerferien 2016 umgesetzt und danach die notwendigen Möblierungen angeschafft.

„Um moderne und zeitgemäße Lernmethoden umzusetzen braucht es auch neue Schulraumkonzepte. St. Pölten baut hier die Schule der Zukunft. Dieses für Niederösterreich einzigartige Projekt ist pädagogisch richtungsweisend. Eine Investition in die Bildung bringt immer die besten Zinsen“ betont Bürgermeister Mag. Matthias Stadler.

Schule „neu denken“
In drei Tagen „Ausnahmezustand“ wurde im vergangenen Herbst die Nutzung des Schulgebäudes vom Team der nonconform ideenwerkstatt gemeinsam mit den Pädagoginnen, SchülerInnen und Verwaltung ganz neu gedacht: Das unterste Geschoß der Franz Jonas Volksschule wird durch die Abgrabung eines Hofes und den Einbau bodentiefer Fenster ein vollwertiger Lerncluster mit direktem Ausgang in den Garten – so können vier Jahrgangsclustern zu je drei Klassen auf die dann insgesamt vier Geschoße verteilt werden. Da jede Alterstufe in einem Geschoß versammelt ist, können auch die jeweiligen Lehrmittel sinnvoll dort untergebracht werden wo sie gebraucht werden; und die Umstellung auf 4x3 statt 2x6 Klassen pro Geschoß bietet eine bessere Verteilung im Hinblick auf den Lärmpegel.

Lernen nicht nur im Klassenraum
Die Gangflächen werden als Lernflächen aktiviert: Dazu werden bereits vorhandene Nischen zwischen Klasse und Gang ausgebrochen, verglast und mit Tischen für Kleingruppen oder Sofas ausgestattet. So können Kinder auch am Gang arbeiten und von den Lehrenden trotzdem im Blick behalten werden. Vorhänge steuern den Blickbezug je nach Bedarf.
Für das Arbeiten am Boden, das für viele Kinder sehr wichtig ist, können einfache Matten in unterschiedlichen Formaten zum Mitnehmen und Umbauen verwendet werden und bei Bedarf auch auf den Gang oder in die Aula mitgenommen werden. Somit können sich die Kinder und Erwachsenen leichter ihre Umgebung an die individuellen Bedürfnisse anpassen.

Bessere Arbeitswelten auch für die Lehrenden
Die Lehrer*innenwelt bietet nicht genug Platz für alle Lehrenden und wird daher umstrukturiert: Durch den Abbruch von nichttragenden Zwischenwänden und die Einbeziehung eines Lehrmittelraumes kann die ganze Fläche neu organisiert werden. Ein großer gemeinsamer Tisch für Besprechungen und zum sozialen Austausch mit Teeküche, ein großer Besprechungsraum der auch dem konzentrierten, stillen Arbeiten dient, und ein kleiner Besprechungsraum der - optimal für Elterngespräche - direkt an der Aula liegt, ergänzen die persönlichen Arbeitsplätze der Lehrenden.
Durch das Entrümpeln von Lehrmittelräumen und das Unterbringen der Lehrmittel in (teilweise mobilen) Kästen, die z. B. am Gang Platz finden oder als Raumteiler genutzt werden, kann eine Reihe an kleinen Räumen über alle Geschoße verteilt am jeweiligen Ostende der Gänge auch für Besprechungen, Kleingruppen und Rückzugsort genutzt werden.

Zwei Welten für den ganzen Tag
Die durch die Neuorganisation nun freiwerdenden Flächen (je drei Klassenräume in den beiden Obergeschoßen) bieten ausreichend Platz für den Kreativunterricht und die Nachmittagsbetreuung:
Die beiden westlichen Räume werden durch Abbruch der Wand dazwischen jeweils zu einem großen Raum, dem „Atelier“. Dieser Raum kann je nach Bedarf durch Stauraummöbel auf Rollen und Vorhänge in verschiedene Bereiche zoniert werden. Hier kann beispielsweise gewerkt, getanzt, gemalt oder Stationenbetrieb gemacht werden, die Räume können für Gruppenarbeiten verwendet werden oder – wenn die raumteilenden Möbel an der Wand geparkt werden – die offene Fläche auch als zusätzlicher Bewegungsraum genutzt werden.

Die Nachmittagsbetreuung wird neu organisiert: Durch den Abbruch der Wand zwischen einer Klasse und dem Gang entsteht je ein „Subzentrum“ pro Geschoß, das als „Wohnküche“ der Schule verstanden werden kann. Hier können die Kinder in der Früh ihre Wartezeit überbrücken und während des Vormittags beispielsweise basteln, Kekse backen oder Bücher lesen.

Zu Mittag können die Kinder hier gemeinsam auf einem großen Tisch zu Mittag essen und anschließend in einer gemütlichen Wohnzimmer-Atmosphäre lesen, Aufgabe machen, basteln oder spielen. Nach Unterrichtsschluss stehen auch die Gangflächen und die Ateliers zur Verfügung – die Kinder können sich zurückziehen, werken, tanzen, malen und sich bewegen. Somit gelingt eine Strukturierung von ruhigen und bewegten Bereichen für den Nachmittag.

Zukunftsfähigkeit für den Ganztag
Wesentlich für die Praxistauglichkeit eines Umbaus ist die strukturelle Offenheit für sich verändernde Bedürfnisse. Die Nachfrage nach Ganztagesbetreuung (ob offen oder verschränkt) wird steigen.
„Durch das gedankliche Ausräumen und neu Einsortieren der Funktionen konnten wir den Schritt vom reinen Addieren von Funktionsräumen für den Vormittag und weiteren Funktionsräumen für den Nachmittag zu einem integralen, pulsierenden Überlagern von Tätigkeiten machen – so ist gewährleistet, dass die räumlichen Möglichkeiten auch bei wachsendem Anteil an Nachmittagsbetreuung mitkönnen und so das Leben und Lernen, aber auch das „Wohnen“ der Kinder im Gebäude über den ganzen Tag funktionieren kann“, erklärt Mag. arch. Caren Ohrhallinger von der nonconform zt gmbh.


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