St. Pölten Konkret

St. Pölten baut Universitätsstandort aus

08.03.2016, von Mag. Dagmar Helmreich-Haag

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Im Bild (1/1): DI Gernot Kohl, Mag.Maria-Anna Pleischl und Bürgermeister Mag. Matthias Stadler berichten bei einem Pressegespräch im Rathaus über die Gründung einer Privatuniversität für Psychotherapie am FH-Campus in St. Pölten. (Foto: Martin Koutny)

Der Gemeinderat hat am 29. Februar einen Grundsatzbeschluss zum Ausbau der Fachhochschule St. Pölten gefasst. Im Rahmen der geplanten Erweiterung des FH-Campus ist auch die Gründung einer Privatuniversität gemeinsam mit dem ÖAGG, dem Österreichischen Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendynamik, geplant, sodass ein gemeinsamer Hochschul-Campus entsteht.

Der ÖAGG (Österreichischer Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendynamik) und die Fachhochschule St. Pölten arbeiten gemeinsam an der Gründung einer Privatuniversität. Eigentümer der Privatuniversität werden zu 50% der Verein ÖAGG und zu 50% eine Hochschulen-Holdinggesellschaft im Eigentum der Stadt St. Pölten sein. Angeboten werden sollen im ersten Schritt die Studiengänge Psychotherapie und Multimediale Kunsttherapie. Frühestmöglicher Start ist im Wintersemester 2017/18, vorbehaltlich der erforderlichen Akkreditierung durch die AQ Austria.

„St. Pölten ist DER Bildungsstandort Niederösterreichs. Schließlich kann hier jede Art der Ausbildung, die das österreichische Bildungssystem vorsieht, absolviert werden. Und mit der neuen Westbahnstrecke ist dieses umfassende Angebot für ein noch größeres Einzugsgebiet interessant. Die Fachhochschule genießt – über die Landesgrenzen hinaus – einen sehr guten Ruf und mit den geplanten Investitionen schaffen wir die Möglichkeit, diesen auch nachhaltig zu sichern. Wir wollen uns aber auch als Universitätsstandort etablieren und arbeiten deshalb gemeinsam mit der Fachhochschule und dem ÖAGG an der Schaffung einer Privatuniversität“, so Bürgermeister Mag. Matthias Stadler. „St. Pölten wäre dann die erste österreichische Stadt, die ein Psychotherapie-Studium anbietet, was uns als Bildungsstandort noch attraktiver machen würde“, betont der Bürgermeister.

Gesetzliche Änderung erfordert Hochschulstudium
Die Neuorganisation der Ausbildung im Bereich der Psychotherapie ist schon seit Jahren im Fokus von Politik und Branchenvertreterinnen und -vertretern. Eine geplante Gesetzesnovelle sieht die Weiterentwicklung der Ausbildungsqualität vor: Ab 2019 ist für den Beginn einer fachspezifischen Ausbildung der Abschluss eines facheinschlägigen Bachelorstudiums nötig. Zur Berufsberechtigung ist neben dem Abschluss des Fachspezifikums ein absolviertes Masterstudium Voraussetzung. Dadurch wird in den kommenden Jahren der Bedarf an fachspezifischen Studienplätzen auf Hochschulniveau steigen. Mit der Gründung einer Privatuniversität wird zukünftig eine entsprechende qualitätsvolle universitäre Ausbildung angeboten werden. „Das Studium der Psychotherapie wird AbsolventInnen der PU auf Augenhöhe von PsychologInnen und MedizinerInnen bringen und die Psychotherapie als dritte Säule der Gesundheitsberufe stärken. Der praxisorientierten Tradition des ÖAGG folgend, wird das Studium so beschaffen sein, dass AbsolventInnen unmittelbar in die Psychotherapeutenliste eingetragen werden können“, freut sich Anna-Maria Pleischl, Generalsekretärin des ÖAGG.

Start mit zwei Studienrichtungen
Ab frühestens Wintersemester 2017/18 soll die neue Privatuniversität am Campus der FH St. Pölten zwei Studienrichtungen anbieten: Die Bachelor- und Masterstudiengänge Psychotherapie sollen mit je 30 AnfängerInnenstudienplätzen (90 bzw. 60 im Vollausbau) starten und künftig eine vollständige universitäre Ausbildung zum Psychotherapeuten bzw. zur Psychotherapeutin ermöglichen. In das Curriculum integriert werden auch das vorgeschriebene Propädeutikum sowie eine fachspezifische Ausbildung ab dem fünften Semester.
Das Bachelorstudium Multimediale Kunsttherapie, ebenfalls mit 30 AnfängerInnenstudienplätzen und 90 im Vollausbau, soll sich dem Zusammenspiel von Psychotherapie und Kunst widmen und zur Arbeit in der Beratung und im pädagogischen Bereich befähigen. Die Ausbildung richtet sich an Psychotherapeutinnen und –therapeuten mit abgeschlossener Ausbildung oder andere Berufsgruppen wie Coaches, SozialarbeiterInnen, PersonalberaterInnen oder Pädagoginnen und Pädagogen.
In weiterer Folge soll das Angebot durch Weiterbildungslehrgänge sowie zusätzliche Studiengänge ergänzt werden.

Nutzung von Synergien
„Die Fachhochschule St. Pölten wird mit der Privatuniversität als zukünftige Schwestergesellschaft eng kooperieren. Die gemeinsame Nutzung der Infrastruktur und von zentralen Serviceeinrichtungen ergeben vielfältige Synergiepotenziale. Die Studierenden der Privatuniversität werden unseren Campus, der mit dem geplanten Zubau zu einem Vorzeigecampus in Bezug auf innovatives Lehren und Lernen werden wird, zusätzlich bereichern. Auch auf fachlicher Ebene eröffnen sich interessante Möglichkeiten der Zusammenarbeit, beispielsweise bei gemeinsamen Projekten in Lehre und Forschung“, erläutert Gernot Kohl, Geschäftsführer der Fachhochschule St. Pölten.

„Thematisch und methodisch ist die FH St. Pölten eine innovativ ausgerichtete Fachhochschule. Ihr Mix aus technisch orientierten, gesundheitlichen und sozialen Themen in Verbindung mit einer kompetenten organisatorischen Umsetzung macht die FH zu einem idealen Partner für die Gründung der Universität. Das Propädeutikum des ÖAGG kooperiert schon seit einigen Jahren mit der Fachhochschule – zur beidseitigen vollen Zufriedenheit“, so Maria-Anna Pleischl.

Über die Fachhochschule St. Pölten
Die Fachhochschule St. Pölten ist Anbieterin praxisbezogener und leistungsorientierter Hochschulausbildung in den sechs Themengebieten Medien & Wirtschaft, Medien & Digitale Technologien, Informatik & Security, Bahntechnologie & Mobilität, Gesundheit und Soziales. In mittlerweile 17 Studiengängen werden rund 2.600 Studierende betreut. Neben der Lehre widmet sich die FH St. Pölten intensiv der Forschung. Die wissenschaftliche Arbeit erfolgt zu den oben genannten Themen sowie institutsübergreifend und interdisziplinär. Die Studiengänge stehen in stetigem Austausch mit den Instituten, die laufend praxisnahe und anwendungsorientierte Forschungsprojekte entwickeln und umsetzen.
www.fhstp.ac.at

Über den ÖAGG
Der Österreichische Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendynamik besteht seit dem Jahre 1959 und ist die größte Vereinigung von BeraterInnen, TrainerInnen und PsychotherapeutInnen in Österreich, mit rund 1.600 Mitgliedern und zahlreichen Aus- und Weiterbildungs-Einrichtungen. Der ÖAGG ist die größte anerkannte psychotherapeutische Ausbildungsorganisation in Österreich.
www.oeagg.at


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