St. Pölten Konkret

Migration und Ernährung in Niederösterreich

12.04.2016, von FH St. Pölten / EM

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Im Bild (1/1): Die FH St. Pölten beteiligt sich am Forschungsnetzwerk FIRST. Credit: FH St. Pölten / Foto Kraus (Foto: Kraus)

FH St. Pölten beteiligt sich am neuen Forschungsnetzwerk Interdisziplinäre Regionalstudien (FIRST).

Vor kurzem haben sich vier niederösterreichische geistes-, sozial- und kulturwissenschaftliche Institute zum Forschungsnetzwerk Interdisziplinäre Regionalstudien, kurz FIRST, mit Sitz an der Donau-Universität Krems zusammengeschlossen. Zwei Forschungsvorhaben, die vom Land NÖ im Rahmen der FTI-Strategie des Landes gefördert werden, starten derzeit: eines zum Thema Migration, eines zum Thema Ernährung. Daran beteiligt ist auch das Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung der FH St. Pölten als externer Kooperationspartner.

Der Forschungsverbund Migration untersucht im Rahmen des Netzwerks die Lage von Flüchtlingen in niederösterreichischen Gemeinden und die Rolle des „Migrationsraums Niederösterreich“ vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Angesichts der aktuellen Migrationsentwicklungen mit der Perspektive, dass in den kommenden Jahren vermehrt Menschen mit Fluchterfahrung in Gemeinden längerfristig leben werden, wird die Frage ihrer Einbindung in das Gemeinwesen zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Inklusion statt Integration
Bisher wurde dafür meist der Ansatz der Integration genutzt. Dieser soll um jenen der sozialen Inklusion erweitert werden. „Im Unterschied zu Konzepten der Integration geht es nicht darum, dass einzelne oder Gruppen in ein größeres Ganzes eingegliedert werden bzw. sich in diesen Prozess selbst eingliedern, sondern es wird eine neue Form des Zusammenlebens angestrebt. Demnach bedeutet Inklusion, die Teilhabe von Einzelnen an einer Gemeinschaft zu ermöglichen sowie die Barrieren für eine solche Teilhabe zu erkennen und aktiv zu beseitigen“, erklärt Johannes Pflegerl, Leiter des Ilse Arlt Instituts für Soziale Inklusionsforschung der FH St. Pölten.

Dazu wird in einigen niederösterreichischen Gemeinden untersucht, wie sich Inklusion und Exklusion von anerkannten Flüchtlingen in den Gemeinden gestalten. Erhoben wird auch das subjektive Erleben der Betroffenen – sowohl der „alt eingesessenen“ BürgerInnen wie der Flüchtlinge.

Essen und Ungleichheit
Ungleichheit zwischen Klassen, Geschlechtern, Ethnien und anderen Gesellschaftskategorien äußert sich in einer Vielzahl an Formen; eine davon ist der ungleiche Zugang zu Nahrung. Die quantitative und qualitative Beschaffenheit der Nahrung, zu der Personen und Gruppen alltäglich Zugang haben, hängt eng mit deren Positionen im Gesellschaftsgefüge sowie Selbst- und Fremdbildern zusammen.

Der Forschungsverbund Nahrung betrachtet soziale Ungleichheit durch das Prisma der Nahrung und vereint geistes-, sozial- und kulturwissenschaftliche Interdisziplinarität mit einer Langzeitperspektive.

Soziale Arbeit und Ernährung
„Sozialarbeit interessiert sich überraschend wenig für das Essen. Die Sozialarbeit und ihre Fachwissenschaft haben Themen um Ernährung und Public Health anderen überlassen, der Medizin und der Ernährungswissenschaft, als handle es sich dabei nicht um eine soziale Frage und als wäre sie unbedeutend für Inklusion und Existenzsicherung“, sagt Peter Pantuček-Eisenbacher, Leiter des Departments Soziales der FH St. Pölten.

Das Ziel des Teilprojekts des Ilse Arlt Instituts für Soziale Inklusionsforschung im Forschungsverbund ist es daher, eine sozialarbeitswissenschaftliche Sicht zum Thema der Nahrung/Ernährung wiederzugewinnen. Anhand von „Biografien des Essens“ wird der Zusammenhang von Inklusions- und Exklusionserfahrungen mit Aspekten der Versorgung mit Nahrung und der Inszenierungen des Essens untersucht.

Bandbreite der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften
Die weiteren am Forschungsverbund Nahrung beteiligten Institutionen untersuchen die Nahrungsversorgung für Arme in Spätmittelalter und früher Neuzeit, die Lebensmittelversorgung der jüdischen Bevölkerung Niederösterreichs zwischen 1914 und 1918, das Überleben in der „Krisenzeit“ 1914–1950 und die Lebensmittelversorgung von zivilen Zwangsarbeitskräften in Österreich von 1939 bis 1955.

Beide Forschungsverbünde arbeiten eng zusammen, haben eine Laufzeit von zwei Jahren und bestehen aus interdisziplinären Teams aus den Bereichen Geschichte, Kunstgeschichte, Archäologie, Soziologie und Soziale Arbeit. „Es ist ein Gewinn für das Ilse Arlt Institut, mit anderen Forschungseinrichtungen vernetzt zu sein. Die Diversität der Forschungseinrichtungen spiegelt die gesamte Bandbreite der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften in Niederösterreich wider“, sagt Johannes Pflegerl.


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