St. Pölten Konkret

Ausbau des Hochschulstandorts St. Pölten

30.11.2016, von Martin Koutny

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Im Bild (1/2): Architekt Sascha Bradic, Bürgermeister Mag. Matthias Stadler, FH-Geschäftsführer DI Gernot Kohl und ÖAGG-Generalsekretärin Mag. Anna-Maria Pleischl präsentieren den Ausbau der Fachhochschule St. Pölten und die Gründung einer neuen Privatuniversität für Psychotherapie. (Foto: Josef Vorlaufer)
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Im Bild (2/2): Das Modell für den Ausbau der Fachhochschule lässt die Dimension erkennen:Architekt Sascha Bradic, Bürgermeister Mag. Matthias Stadler, ÖAGG-Generalsekretärin Mag. Anna-Maria Pleischl und FH-Geschäftsführer DI Gernot Kohl präsentierten die Pläne für den Ausbau und die Gründung der Privatuniversität für Psychotherapie in der Fachhochschule St. Pölten. (Foto: Josef Vorlaufer)

Aufgrund des stetigen Wachstums und der steigenden Zahl an Studierenden und Beschäftigten wird die Fachhochschule räumlich erweitert: Bis 2020 soll ein Zubau entstehen, der im Verbund mit dem bestehenden Gebäude einen „Campus der Zukunft“ bilden soll. In einem Wettbewerb wurde das Architekturbüro NMPB Architekten ZT GmbH Wien, das auch schon das bestehende Gebäude geplant hat, für den Neubau ausgewählt. Gegründet und ebenfalls am neuen Campus angesiedelt werden soll auch eine Privatuniversität mit vorerst fünf Studiengängen, die im gemeinsamen Eigentum der Stadt St. Pölten und dem ÖAGG, dem Österreichischen Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendynamik, stehen wird.

Die Fachhochschule St. Pölten bildet aktuell rund 2.650 Studierende aus und ist Arbeitsplatz für etwa 300 hauptberufliche MitarbeiterInnen sowie rund 650 nebenberufliche Lektorinnen und Lektoren. Das stetige Wachstum erfordert nun eine räumliche Erweiterung. Der geplante Zubau soll rund 12.000 Quadratmeter Bruttogeschoßfläche umfassen. In Verbindung mit dem bestehenden Gebäude stehen damit zukünftig insgesamt rund 30.000 Quadratmeter Campusfläche zur Verfügung. Beide Gebäude werden räumlich miteinander auf allen Ebenen verbunden sein und zu einem Campusgebäude verschmelzen, welches zu einem Vorzeigeprojekt im Hochschulbereich werden soll. Die Errichtungskosten für den Zubau betragen ca. 30 Millionen Euro (netto). Bezugsfertig soll der Zubau mit Beginn des Sommersemesters 2020 sind.

„Die Fachhochschule St. Pölten hat sich sehr erfolgreich entwickelt und sich in den 20 Jahren ihres Bestehens zu einer bedeutenden Bildungs- und Forschungsinstitution etabliert. Sie zählt heute zu den forschungsstärksten Fachhochschulen in Österreich und ist Vorreiterin bei innovativen Lehrmethoden und pädagogisch-didaktischen Konzepten“, so Bürgermeister Matthias Stadler. „Mit dem Ausbau schaffen wir die Voraussetzung für eine erfolgreiche Weiterentwicklung und die Schaffung zusätzlicher Studienplätze.“

Ein „Campus der Zukunft“ entsteht: Mehr Platz für innovative Lern- und Arbeitsräume
Am „Campus der Zukunft“ sollen innovative Lehr- und Lernräume sowie zukunftsweisende Arbeitsplätze entstehen. 16 Seminarräume werden flexibel und interaktiv nutzbar eingerichtet. Zahlreiche Gruppenarbeits-, Projekt- und Selbstlernplätze werden den Studierenden Raum für vertiefendes Lernen geben. Eine moderne Bibliothek sowie ein Lernlab und Lerncafe stehen zusätzlich zur Verfügung. Eine großzügige und offene Aula sowie öffentliche Flächen bieten Platz für Aufenthalt und Kommunikation. Auch der umgebende Außenbereich wird zum Lernen und Verweilen einladen. Zudem werden „State-of-the-art“-Labore eingerichtet und ein Showroom bietet die Möglichkeit, Forschungsprojekte und -ergebnisse vorzustellen. Auch den Teams im Förderprogramm creative pre-incubator, mit dem die FH St. Pölten Studierende und Alumni bei der Unternehmensgründung unterstützt, sowie Start-ups wird der neue „Campus der Zukunft“ Platz bieten.

Enge Einbeziehung von MitarbeiterInnen und Studierenden
Die Planungen für den neuen Campus sind bereits weit fortgeschritten. Vorbereitend dazu hat ein Projektteam der FH St. Pölten gemeinsam mit dem Planungsbüro nonconform in einem partizipativen Prozess mit intensiver Einbindung der MitarbeiterInnen und der Studierenden Bedarf und Anforderungen erhoben sowie Pilotseminarräume und
-arbeitsplätze eingerichtet und evaluiert. „Die FH St. Pölten versteht sich als ‘Best Place to Learn’ sowie ‘Best Place to Work’. Bestmögliche Lern- und Arbeitsergebnisse stehen im engen Zusammenhang mit der räumlichen Umgebung. Wir möchten mit flexibel nutzbaren Räumen künftig innovative didaktische Konzepte noch stärker unterstützen. Für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bieten kommunikative und stille Büros je nach Aufgabe optimale Arbeitsplatzumgebungen. Wir haben schon vieles entwickelt sowie ausprobiert und die positiven Rückmeldungen zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, so FH-Geschäftsführer Gernot Kohl.

NMPB Architekten ZT GmbH mit FCP GmbH gewinnen den Architektenwettbewerb
Im Rahmen eines Architektenwettbewerbs, bei dem zahlreiche in- und ausländische Architekturbüros teilgenommen haben, ist das Architekturbüro NMPB Architekten ZT GmbH Wien mit FCP GmbH, welches auch schon das bestehende Gebäude geplant hat, als Sieger hervorgegangen. Die Jury setzte sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Landeshauptstadt St. Pölten, der Fachhochschule St. Pölten und externen Experten zusammen. „Dem Architekturbüro NMBP ist es gelungen, unseren Bedarf, unsere Anforderungen sowie die Idee eines gesamthaften ‚Campus der Zukunft‘ planerisch am besten umzusetzen“, erklärt Jurymitglied Gernot Kohl.

„Das neue und das bestehende Gebäude ergänzen sich sowohl räumlich als auch funktionell und bilden den FH-Campus für das 21. Jahrhundert“, erklärt Architekt Sascha Bradic von der NMPB Architekten ZT GmbH Wien.

Neue Privatuniversität für St. Pölten
Auf Initiative des ÖAGG (Österreichischer Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendynamik) wurde in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule St. Pölten und mit Unterstützung der Landeshauptstadt St. Pölten ein Konzept für eine neue Privatuniversität ausgearbeitet, die ebenfalls am Campus der FH St. Pölten untergebracht werden soll. Angeboten werden sollen an der Privatuniversität in der ersten Entwicklungsphase drei Bachelorstudien und zwei Masterstudien mit je 30 Studienplätzen pro Jahrgang. Geplant sind die Studiengänge in Psychotherapie (Bachelor Psychosoziale Intervention und Master Psychotherapie) und in Humanwissenschaften (Bachelor Angewandte Humanwissenschaften sowie Society-Art-Technology und Master Multimediale Kunsttherapie).
Die in Fachkreisen diskutierte „Akademisierung der Psychotherapie“ wird in der Novelle des Psychotherapiegesetzes Eingang finden. Die Privatuniversität bietet ein konsekutives Studium der Psychotherapie und bietet so den angehenden PsychotherapeutInnen ein Studium auf „Augenhöhe“ mit Psychologie und Medizin.
Die Studiengänge der Humanwissenschaften reagieren auf die sozialen Entwicklungs- und Veränderungsprozesse in Österreich, die unter anderem einer demografischen Umgestaltung geschuldet sind. Grund dafür ist nicht nur die zunehmende Alterung der österreichischen Bevölkerung, sondern auch die steigende Zuwanderung nach Österreich. Neben der Altenbetreuung und dem Migrationsmanagement ist auch die generelle Hilfeleistung von armutsgefährdeten Personen und Familien ein relevantes Betätigungsfeld. Laut AMS-Qualifikationsbarometer wird die Zahl an Menschen in psychosozialen Problemlagen steigen und der soziale Bereich infolgedessen ein kontinuierliches Beschäftigungswachstum erwarten. Die Privatuniversität reagiert auf die angesprochenen Veränderungen und bietet zukunftsorientierten Menschen mit Problembewusstsein Studiengänge, die sie befähigen wissenschaftlich orientiert am Puls der Zeit zu handeln.

Derzeit arbeiten die Entwicklungsteams mit Vertreterinnen und Vertretern von ÖAGG, FH St. Pölten sowie externen Expertinnen und Experten an der Einreichung zur Akkreditierung. Geplanter Start der ersten Studiengänge ist im Wintersemester 2018/19, vorbehaltlich der erforderlichen Akkreditierung durch die AQ Austria. In weiterer Folge soll das Angebot durch Lehrgänge ergänzt werden. Damit werden beim vorläufigen Vollausbau bis zu 400 Studierende an der Privatuniversität studieren.

Gründung einer Hochschulen-Holding
Die Eigentümer der Privatuniversität sollen zu 50 Prozent der Verein ÖAGG und zu 50 Prozent die Landeshauptstadt St. Pölten sein. Damit einhergehend wird eine „Hochschulen St. Pölten Holding GmbH“ im 100-prozentigen Eigentum der Landeshauptstadt gegründet, welche sowohl die Beteiligung der Privatuniversität als auch die Beteiligung der „Fachhochschule St. Pölten GmbH“ managen wird. Am 13. Dezember sollen dazu im Gemeinderat der Landeshauptstadt St. Pölten die entsprechenden Beschlüsse gefasst werden.


Fachhochschule und Privatuniversität nutzen Synergien
Die neue Privatuniversität wird gemeinsam mit der Fachhochschule im „Campus der Zukunft“ angesiedelt sein. „Die Fachhochschule St. Pölten wird mit der Privatuniversität eng kooperieren. Die gemeinsame Nutzung der Infrastruktur und von zentralen Serviceeinrichtungen ergeben vielfältige Synergien. Interessante Möglichkeiten der Zusammenarbeit wird es in Lehre und Forschung auch auf fachlicher Ebene geben“, erläutert Kohl.

„Die thematisch und methodisch innovative Fachhochschule ist in Verbindung mit ihrer kompetenten organisatorischen Umsetzung ein idealer Partner für die Gründung der Privatuniversität. Das Propädeutikum des ÖAGG kooperiert schon seit einigen Jahren mit der Fachhochschule – zur beidseitigen vollen Zufriedenheit“, sagt Anna-Maria Pleischl, Generalsekretärin des ÖAGG.

Über die Fachhochschule St. Pölten
Die Fachhochschule St. Pölten ist Anbieterin praxisbezogener und leistungsorientierter Hochschulausbildung in den sechs Themengebieten Medien & Wirtschaft, Medien & Digitale Technologien, Informatik & Security, Bahntechnologie & Mobilität, Gesundheit und Soziales. In mittlerweile 17 Studiengängen werden rund 2.600 Studierende betreut. Neben der Lehre widmet sich die FH St. Pölten intensiv der Forschung. Die wissenschaftliche Arbeit erfolgt zu den oben genannten Themen sowie institutsübergreifend und interdisziplinär. Die Studiengänge stehen in stetigem Austausch mit den Instituten, die laufend praxisnahe und anwendungsorientierte Forschungsprojekte entwickeln und umsetzen.

www.fhstp.ac.at

Über den ÖAGG
Der Österreichische Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendynamik besteht seit dem Jahre 1959 und ist die größte Vereinigung von BeraterInnen, TrainerInnen und PsychotherapeutInnen in Österreich, mit rund 1.600 Mitgliedern und aktuell rund 1.500 AusbildungskandidatInnen in diversen Lehrgängen. Der ÖAGG ist die größte anerkannte psychotherapeutische Ausbildungsorganisation in Österreich.

www.oeagg.at

Über das Architekturbüro NMPB Architekten ZT GmbH
Die Arbeitsweise von NMPB Architekten ist geprägt durch ein beständiges Zusammenwirken von Berufspraxis, Forschung und Lehre. Die Projekte haben eine starke Beziehung zum Ort und seinem Umfeld, sind aus der Situation und dem Programm entwickelt.

Dies garantiert differenzierte Lösungen, Individualität und Unverwechselbarkeit. Die Bandbreite der Projekte von NMPB Architekten umfasst realisierte oder in Ausführung begriffene öffentliche Bauten wie Schulen, Universitätsgebäude, sowie Bürogebäude und Wohnbauten. NMPB Architekten sind Gewinner zahlreichen Wettbewerbe im In- und Ausland.


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