St. Pölten Konkret

Ein Bildungsbeauftragter und sein Plan

26.01.2017, von Martin Koutny

wirtschaftsneujahrsempfang 2017 bildungsbeauftragter
Im Bild (1/1): Mag. Josef Kolarz-Lakenbacher weiß: "In der Bildung liegt unsere Zukunft. St. Pölten ist hier ausgezeichnet aufgestellt."

Wie kann die Entwicklung der Landeshauptstadt St. Pölten zur Bildungshauptstadt des 21. Jahrhunderts von statten gehen? Die Antwort auf diese Frage gibt der neue Bildungsbeauftragte, der im Auftrag des Bürgermeisters ein Weißbuch und einen Bildungs-Masterplan für die Zukunft erstellen soll.

St. Pölten ist zwar DER Bildungshotspot Niederösterreichs und verfügt bereits jetzt über eine beachtliche Vielfalt an Bildungseinrichtungen, Aus- und Weiterbildungsbildungsstätten, Forschungs- und Entwicklungsstellen, aber diese Entwicklung ist keineswegs abgeschlossen sondern wird weiter vorangetrieben. Aktuell werden rund 312 Mio. Euro in den Bildungsstandort St. Pölten investiert. Die Palette reicht von Kindergarten- und Schulsanierungen sowie -ausbauten bis hin zum Ausbau der Fachhochschule, der Etablierung einer neuen Privatuniversität oder dem Bau des Bildungszentrums Eisenbahn, in dem österreichweit die Ausbildung aller Eisenbahnberufe zusammengefasst wird.

Dynamik erfordert Koordination
Die Dynamik in der Entwicklung hat nun eine Dimension erreicht, in dem eine noch umfassendere Koordination erforderlich ist und evaluiert werden muss, in welchen Bereichen die nächsten Schritte gesetzt werden müssen.
Auf Initiative von Bürgermeister Mag. Matthias Stadler wird deshalb die Funktion eines Bildungsbeauftragten ins Leben gerufen, dessen Aufgabe es ist, ein Weißbuch zu erstellen in dem die Alleinstellungsmerkmale des St. Pöltner Bildungsangebots festgehalten sind. Bildungsbereiche, in denen es Lücken oder Aufholbedarf gibt, sollen festgestellt werden und ein Bildungs-Masterplan für die weiteren Schritte soll folgen.
Grundsätzlich sind in St. Pölten alle Bildungseinrichtungen, welche das österreichische Bildungssystem vorsieht, bereits vorhanden.
„Es ist klar, nicht alle der vorgeschlagenen Maßnahmen kann die Stadt alleine umsetzen, da braucht es die Mithilfe des Bundes und des Landes. Die Entwicklungsvorschläge für den Bildungsstandort St. Pölten sind sowohl als politische Handlungsanleitung als auch als Zielsetzung für die Entscheidungsträger im Bildungsbereich zu sehen“, meint Bürgermeister Mag. Matthias Stadler.

Bildung und Wirtschaft verknüpfen

„Wir setzen ganz bewusst einen Bildungsschwerpunkt, weil das für die weitere Entwicklung des Wirtschaftsstandortes die Grundlage ist. Bei der Betriebsansiedelung werden geeignete Flächen, die Infrastruktur und optimale Verkehrsanbindungen vorausgesetzt. Da hat St. Pölten die Hausaufgaben bereits erledigt. Das entscheidende Asset bei der Betriebsansiedelung und -erweiterung ist allerdings die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften und die Zusammenarbeit mit Forschungs-und Entwicklungseinrichtungen“, sagt Stadler, der deshalb den nächsten Schritt für die Entwicklung des Bildungsstandortes St. Pölten eingeleitet hat.

Bildungsbeauftragter Kolarz-Lackenbacher
„Mit Prof. Mag. Josef Kolarz-Lakenbacher konnten wir einen echten Experten für die Funktion des Bildungsbeauftragten gewinnen. Er hat sich in seiner früheren Position als Vorstand von Siemens in Niederösterreich im Rahmen der sozialen Verantwortung dieses multinationalen Unternehmens sehr intensiv mit bildungspolitischen Fragen beschäftigt. Er war in fast allen HTL´s in Niederösterreich in den Kuratorien, ist seit Jahren Vorsitzender des Fördervereins der Fachhochschule St. Pölten und Universitätsrats- und Aufsichtsratsvorsitzender bei New-Design-University der Wirtschaftskammer Niederösterreich in St. Pölten. Er kennt sich in der bildungspolitischen Landschaft sehr gut aus. Deshalb habe ich ihn im vergangenen Herbst gefragt, ob er die Position des Bildungsbeauftragten der Landeshauptstadt St. Pölten übernehmen möchte.Er hat zugesagt und arbeitet seither an der Erstellung eines Weißbuches und des Bildungs-Masterplanes“, sagt das St. Pöltner Stadtoberhaupt bei der Präsentation des Bildungsbeauftragten im Rahmen des traditionellen Wirtschaftsneujahrsempfanges der Landeshauptstadt St. Pölten.
Mit einem Mann aus der Wirtschaft, der St. Pölten zwar gut kennt aber kein St. Pöltener ist, sollen die Objektivität und der Blick von außen für die Entwicklung des Bildungsstandortes St. Pölten genutzt werden, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.
Mag. Josef Kolarz-Lakenbacher hat bereits eine enorme Fülle an Unterlagen über die Bildungseinrichtungen in St. Pölten zusammengetragen und sehr viele netzwerkende Gespräche geführt. Im Weißbuch sollen diese Erkenntnisse familien- und unternehmensadäquat aufgearbeitet werden. Unterstützung erhält er dabei von der Stabsabteilung Zukunftsentwicklung, Wirtschaft und Marketing im Magistrat und von der Plattform „St. Pölten 2020“.

Internationalisierung wichtig
Als eine wichtige Erkenntnis seiner bisherigen Tätigkeit sieht Kolarz-Lakenbacher die weitere Internationalisierung des Bildungsangebots der Stadt, vor allem im Bereich der englischsprachigen Ausbildung mit Native-Speakern.
„Auf Privatinitiative von Dr. Hans Kirchnopf gibt es in der Landeshauptstadt zwar einen internationalen Kindergarten und eine englischsprachige Volksschule, dann kann man die bilinguale Ausbildung erst ab dem 14. Lebensjahr in der Europa-HAK mit einem dreisprachigen EU-Schwerpunkt, oder – wenn man sehr sportlich ist – an der Okanagan Hockey-School fortsetzen. Für die 10 bis 14-jährigen gibt es in St. Pölten derzeit leider kein Angebot und das sollte geändert werden. Die Anfragen aus der Wirtschaft, die zahlreichen internationalen Kontakte und Städtepartnerschaften und die Erkenntnisse aus den Wirtschaftsreisen nach Deutschland und in die Schweiz unterstreichen, wie wichtig die Internationalisierung der Bildung allgemein und für die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes ist“, sagt der neue Bildungsbeauftragte der Landeshauptstadt St. Pölten Mag. Josef Kolarz-Lakenbacher.

Herausragende Alleinstellungsmerkmale
Kolarz-Lakenbacher ortet eine Reihe von herausragenden Alleinstellungsmerkmalen des Bildungsstandortes St. Pölten. Vor allem der IT-Bereich und Industrie 4.0 mit dem neuen Studiengang an der Fachhochschule „Smart Engineering“ sind einzigartig.
Weiters finden die Schwerpunktsetzung in der Eisenbahntechnik international Beachtung: Hier sind die Ausbildungen an der FH-St. Pölten im Bereich der Eisenbahn-Sicherungstechnik, einem trilateralen Studiengang in Österreich, der Schweiz und in Deutschland zu nennen oder der zukünftige bildungspolitische Schwerpunkt mit dem Bildungszentrum Eisenbahn. Das Knowhow der Weichenakademie der Weichenwerke Wörth für die Herstellung von Hightech-Präzisions-Weichen für die Hochgeschwindigkeitsstrecken sind hervorzuheben. Diese Ausbildung von internationalem Rang ist eine hervorragende Initiative, die von der VOEST, den Weichenwerken Wörth und von den ÖBB gemeinsam getragen wird.

St. Pölten forscht und entwickelt
Neben der obligatorischen universitären Forschung der Fachhochschule (FH) und der New Design University (NDU) wird im Institut für Jüdische Geschichte international höchst anerkannt geforscht: Forschungsschwerpunkte beleuchten nicht nur die jüdische Geschichte Österreichs, sondern auch die jüdische Alltags-, Kultur- und Frauengeschichte vom Mittelalter bis in die Gegenwart.
Das Institut, das in der ehemaligen Synagoge untergebracht ist, ist Teil des FIRST – eines Forschungsnetzwerkes für Interdisziplinäre Regionalstudien und forscht hier in zwei Forschungsverbunden mit jeweils sechs Teilprojekten zu den Themen „Nahrung und Ungleichheit“ sowie „Migrationsraum Niederösterreich“.
Zudem setzt das St. Pöltener Diözesanarchiv (DASP) Maßstäbe im Bereich der Familien- bzw. Ahnenforschung. Die wertvollste Quelle für die Familienforschung stellen die Kirchenbücher (auch Matriken genannt) dar. Das DASP verwahrt viele dieser Matriken im Original und hat es im Rahmen des Projektes „Matricula“ geschafft, alle Kirchenbücher der Diözese zu digitalisieren und online für die Forschung zugänglich zu machen. Diese wertvollen Matriken bieten natürlich auch eine solide Basis für Heimatforschung und kirchengeschichtliche Forschung.
Ebenso Teil der Arbeit des neuen Bildungsbeauftragten ist es, an der Entwicklung des Bildungsschwerpunkts im Haus der Zukunft mitzuarbeiten. Zum einen soll hier die Stadtbücherei untergebracht werden, zum anderen sollen hier Akzente beim E-Learning gesetzt werden. Weiters soll das Haus Anlaufstelle für SchülerInnen und Interessierte im Bereich der Forschung in den Naturwissenschaften werden.

Lehrlinge ganz groß
Seit Jahren gibt es von der Stadt eine Lehrlingsinitiative bei der die Schulen mit der Wirtschaft vernetzt werden. Mit Unterstützung des Bildungsbeauftragten soll die Lehrlingsausbildung weiter forciert werden und der Stellenwert in der Gesellschaft der Bedeutung entsprechend angehoben werden. Es geht aber auch darum; jene Betriebe, die sich in der Lehrlingsausbildung besonders engagieren, als Best Practice-Beispiele hervorzuheben. Dies geschieht durch eine von der Stabsabteilung Zukunftsentwicklung im Magistrat unterstützte Berichterstattung im Amtsblatt „St. Pölten Konkret“. St. Pölten hat hier zahlreiche Musterbetriebe wie Geberit, Spar, Klenk & Meder oder die WIFI-Lehrlingsstelle u.a. zu bieten
Lehrlingsinitiativen werden auch von der Plattform St. Pölten 2020 gesetzt.

Lernpfade für Talente
Ziel des Weißbuches ist es weiters, so genannte Lernpfade für Talente aufzuzeigen. Kolarz-Lakenbacher erläutert: Wenn ein Kind z.B. musisch begabt und interessiert ist, dann soll das Weißbuch die Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten in der Stadt übersichtlich zusammenfassen und zwar vom Kindergarten, der Volksschule und der Mittelschule mit musischem Schwerpunkt bis hin zum Institut für Kirchenmusik bei der Diözese. Weiters sollen auch flankierende Angebote enthalten sein: Das wären in diesem Fall z.B. die Musikschule, der Stadtchor oder den Chor der Fachhochschule usw.
Solche Lernpfade soll es auch für die Schwerpunkte IT, Kunst, Technik etc. geben.
Weiters wird auch dargestellt, wie man vom Master zum Meister und vom Meister zum Master werden kann: Mit dem Meisterbrief in der Tasche kann man auch ohne Reifeprüfung an der NDU studieren und Bachelor oder Master werden. Umgekehrt kann man mit dem NDU-Diplom in der Tasche leichter „Meister“ in einem handwerklichen Beruf werden. Derartige flexible Ausbildungsmöglichkeiten sollen ausgebaut werden.
Weiters sollen Anrechnungsmodelle forciert werden: So gibt es z.B. bilaterale Verträge zwischen der HTL St. Pölten sowie der HTL Hollabrunn (in Ausarbeitung) und der FH St. Pölten, damit Teile der absolvierten Ausbildung anerkannt werden, um sich ein bis zwei Semester beim Bachelor- oder Masterstudium zu ersparen und das Studium schneller abschließen zu können. Weitere derartige Anrechnungsmodelle sind geplant.

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