St. Pölten Konkret

Neuigkeiten aus der Vergangenheit

25.06.2015, von Marketing St. Pölten

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Im Bild (1/4): Die Experten: Karl Großschmidt und Ronald Risy (r.) (beate steiner)
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Im Bild (2/4): Lud zur Info-Veranstaltung: Plattform-2020-Obmann Josef Wildburger. (beate steiner)
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Im Bild (3/4): Interessiertes Publikum beim Vortrag. (beate steiner)
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Im Bild (4/4): (beate steiner)

Über spannende Erkenntnisse berichteten Archäologe Ronald Risy und Anthropologe Karl Großschmidt beim Info-Abend der Plattform 2020 zu den Grabungen am Domplatz.

St. Pölten ist in allen Medien, weltweit. Und zwar in den Fachmedien der Anthropologen und Archäologen. Weil nämlich das, was unter der Asphaltdecke des Domplatz verborgen war, sensationelle Erkenntnisse die Experten gebracht hat. Darüber berichteten Archäologe Ronald Risy und Anthropologe Karl Großschmidt bei einem Vortrag im Kardinal König Saal der Dompfarre.

Da ist etwa das einzigartige römische Verwaltungsgebäude mit Rundmauern aufgetaucht, das beweist, dass Aelium Cetium zur Römerzeit ein bedeutendes Verwaltungszentrum war. Oder ein römisches Badhaus. Oder ein Köpfchen mit charakteristischer Cäsarennase, wahrscheinlich eine römische Karikatur. Oder eine der ältesten Kirchen Niederösterreichs aus dem 9. Jahrhundert. Oder eine Sonnen-Taschenuhr aus dem Jahr 1598. Und natürlich über 8.000 Skelette, ergraben in fünfjähriger Grabungszeit. "Für mich ist das ein Eldorado", sagt Karl Großschmidt, führender Anthropologe der Universität Wien. Er hat durch seine Untersuchungen der Knochen ein Bio-Archiv des Menschen angelegt, hat damit den Überblick über Krankheiten, "das führt zu einem neuen Gesundheitsverständnis", so Großschmidt.

Und die wissenschaftlichen Untersuchungen in St. Pölten schreiben gerade die Geschichte neu: Bisher haben die Lehrbücher gesagt, dass Christoph Kolumbus die Syphilis von seiner Amerika-Reise nach Europa gebracht hat. Professor Großschmidt konnte an Knochen unter dem Domplatz Syphilis-Symptome nachweisen, an einem Kind, das sich im Mutterleib angesteckt hatte. Darüber wird gerade eine Dissertation verfasst, die Fachwelt diskutiert die Erkenntnisse.

Ronald Risy und Karl Großschmidt beantworteten natürlich auch die Fragen aus dem Publikum. Zusammengefasst:
Der Gemeinderat hat 2010 einstimmig beschlossen, den Domplatz neu zu gestalten, inklusive neuer Einbauten. Der Domplatz ist Bodendenkmal, daher schreibt das Gesetz vor, dass Archäologen so tief graben müssen, so tief die künftigen Einbauten reichen. Wie lange das dauert, ist nicht abzusehen gewesen — weil niemand wusste, was sich unter dem Platz an Schätzen verbirgt. Wie die Ausgrabungen künftig präsentiert werden, muss noch ausdiskutiert werden — Glasplatten über den Fundorten oder begehbare Ausgrabungen haben sich nicht bewährt.

Die Grabungsergebnisse sind übrigens noch bis Mitte August in der Ausstellung "News from the Past" im Stadtmuseum zu bewundern.


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